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Virologin auf Twitter Diese Metapher zeigt, in welcher gefährlichen Phase sich die Corona-Pandemie gerade befindet

Coronavirus
In vielen europäischen Ländern steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus
© Nuthawut Somsuk / Getty Images
Spanien und Frankreich kämpfen mit hohen Infektionszahlen, und auch in Deutschland infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus. Die Virologin Sandra Ciesek zitiert auf Twitter eine Metapher, die die aktuelle Lage beschreibt – und vor Augen führt, was sie so gefährlich macht.

Die Gesundheitsämter in Deutschland melden wieder steigende Infektionszahlen mit dem Coronavirus: Allein gestern und heute lag die Zahl der Neuinfektionen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) über der Marke von 4000 und damit deutlich über den Werten der vergangenen Tage. Auch Nachbarländer wie Spanien und Frankreich haben mit vielen Neuinfektionen zu kämpfen. Der Trend ist klar: Das Infektionsgeschehen hat in fast allen europäischen Ländern deutlich an Fahrt aufgenommen. Und das bereits kurz nach Beginn der kälteren Jahreszeit, die viele Expert*innen als besonders kritische Zeit bewerten.

Die Virologin und Medizinerin Sandra Ciesek hat auf Twitter nun eine Metapher eines Mediziners veröffentlicht. Sie soll die aktuelle Infektionslage in Europa beschreiben und führt vor Augen, dass tagesaktuelle Werte für sich allein genommen wenig aussagekräftig sind, die aktuellen Daten aber einen gefährlichen Trend widerspiegeln.

Coronavirus-Pandemie – Vergleich mit Sportwagen

"Was viele nicht verstehen, wenn es um die Zahlen der Neuinfektionen, der Menschen in Kliniken und auf Intensivstationen geht: Es ist eine Momentaufnahme in einem sehr dynamischen, beschleunigenden Prozess", heißt es in dem Post. Man möge sich vorstellen, ein Sportwagen werde mit 33 Stundenkilometer kurz nach Beginn einer Spielstraße geblitzt. Dies sei kein Drama. "Wenn zu dem Zeitpunkt das Gaspedal aber voll durchgedrückt ist, wird voraussichtlich 4 Sekunden später eine Geschwindigkeit von 100 km/h erreicht sein." Und das sei dann "dramatisch gefährlich".

Entscheidend ist demnach, ob die Geschwindigkeit gerade stabil sei, im Prozess der Verlangsamung oder gar in der Beschleunigung. "Die reine Zahl ist nur eine Momentaufnahme, die kaum eine Interpretation der tatsächlichen Gefahr zulässt. Dafür muss man sich einen relevanten Zeitraum vor der Messung ansehen", heißt es weiter.

Beschleunigungsphase in "fast ganz Europa"

"In fast ganz Europa befinden wir uns gerade in der Beschleunigungsphase", kommentiert Ciesek. "Und das bereits Anfang Oktober - nicht mal 3 Wochen nach Herbstbeginn." Mit anderen Worten: Das Gaspedal des Sportwagens ist aktuell durchgedrückt.

Im Internet wurde zuletzt häufig die Gefährlichkeit des Virus in Frage gestellt, da die Intensivstationen in Deutschland trotz steigender Infektionszahlen nicht überlaufen sind. Tatsächlich aber ist es üblich, dass die Zahl der Patienten in Krankenhäusern den gemeldeten Infektionen hinterherhinkt. Bis es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt, vergehen nach dem Symptombeginn oft mehrere Tage. Auch ob sich das Virus in jüngeren oder älteren Bevölkerungsgruppen verbreitet, spielt eine entscheidende Rolle bei der sogenannten Hospitalisierungsrate. Um schwere Verläufe zu verhindern, ist es daher wichtig, die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen und ältere Bevölkerungsgruppen zu schützen.

Nach Ansicht von Expert*innen könnte sich die Zahl schwerkranker Covid-19-Patienten in den Kliniken schon bald erhöhen. Als besonders kritisch gilt, dass sich nun vermehrt auch ältere Bevölkerungsgruppen ab 50 Jahren mit dem Virus infizieren. "Wir bereiten uns darauf vor, auf eine neue Welle an Patienten, die schwer erkrankt sind", sagte die Leiterin der Abteilung Infektiologie des Uniklinikums Gießen, Susanne Herold, am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Jens Spahn in Berlin.

In Deutschland werden laut RKI aktuell 487 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt. In der vorherigen Woche waren es noch 373 gewesen. Das entspricht einem Plus von mehr als 100 schwer erkrankten Patienten binnen einer Woche.

Quelle:Robert Koch-Institut (RKI)

ikr

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