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Geflügelpest Vogelgrippe-Erreger H10N3 erstmals beim Menschen nachgewiesen: Das steckt hinter dem Fall in China

In großen Gefügelbetrieben können sich die Erreger der Gefügelpest meist leicht ausbreiten (Symbolbild)
In großen Gefügelbetrieben können sich die Erreger der Gefügelpest meist leicht ausbreiten (Symbolbild)
© picture alliance/Felix Kästle / DPA
Es ist der erste nachgewiesene Fall beim Menschen: In China hat sich ein 41-Jähriger mit dem seltenen Vogelgrippe-Erreger H10N3 angesteckt. Experten rechnen nicht mit einer weiteren Ausbreitung des Virus.

Ein Virus springt vom Tier auf den Menschen über: Diese und ähnliche Meldungen führen unweigerlich zu Sorgen vor einer neuen Pandemie. Derzeit wird über einen Vogelgrippe-Fall in China berichtet. Was steckt dahinter?

China meldete am Dienstag eine Infektion mit dem Vogelgrippe-Erreger H10N3 bei einem Menschen. Es ist der erste Nachweis bei einem Menschen weltweit.

Bei dem Erkrankten handelt es sich demnach um einen 41-Jährigen aus der ostchinesischen Stadt Zhenjiang. Wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte, kam der Mann bereits Ende April in ein Krankenhaus. Die Diagnose erfolgte in der vergangenen Woche. Offenbar hat sich der Mann in der Zwischenzeit von der Infektion erholen können – er soll bald aus dem Krankenhaus entlassen werden. 

"Keinen Hinweis auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch"

Ein Grund zur Sorge, dass sich das Virus großflächig verbreiten könnte, besteht nach Ansicht von Experten nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass es "derzeit keinen Hinweis auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch" gebe. Schafft ein Virus nicht den Sprung von Mensch zu Mensch, kann es sich nicht weiterverbreiten. Selbst kleinere Ausbrüche kämen so rasch zum Erliegen.

Der WHO liegen demnach keine Informationen vor, wo sich der Mann angesteckt haben könnte. Solange Vogelgrippeviren unter Geflügel kursierten seien sporadische Infektionen beim Menschen grundsätzlich "nicht überraschend", wird die WHO weiter zitiert. Sie seien aber eine "anschauliche Erinnerung" daran, dass die Gefahr einer Influenzapandemie fortbestehe.

Die chinesische Kommission bezeichnete das Virus als schwach pathogen. Bei infiziertem Geflügel führt H10N3 in der Regel nicht zu schweren Krankheitsverläufen oder Todesfällen. Auch ein größerer Ausbruch ist nach Ansicht der Kommission damit "unwahrscheinlich". Untersuchungen im näheren Umfeld des Mannes hätten zudem keinen Hinweis auf weitere Infektionen ergeben. Auch weltweit gebe es keine weiteren bekannten Fälle von Infektionen mit H10N3 beim Menschen, teilte die Kommission weiter mit.

Vogelgrippe sorgt immer wieder für Aufsehen

Die Vogelgrippe wird auch als Geflügelpest bezeichnet und durch verschiedene Influenza-Stämme hervorgerufen. Grundsätzlich können sowohl Wildvögel wie auch ganze Tierbestände in Geflügelfarmen erkranken. Infizierte Tiere entwickeln Fieber, Atembeschwerden und legen meist keine Eier mehr. Durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren, zum Beispiel bei der Arbeit in Gefügelbetrieben, können sich auch Menschen mit den Erregern infizieren.

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Für Aufsehen sorgte ein größerer Geflügelpest-Ausbruch in den Jahren 2016 und 2017. Damals starben 300 Menschen, nachdem sie sich mit dem Erreger H7N9 infiziert hatten. Betroffen war vor allem der Osten Chinas. In China gibt es viele verschiedene Subtypen der Vogelgrippe, einige der Erreger infizieren sporadisch Menschen. Größere Ausbrüche gab es seitdem aber nicht mehr.

Im Februar meldete Russland die erste Übertragung des Vogelgrippe-Virus H5N8 auf den Menschen. Das Virus wurde demnach bei sieben Menschen in einer Geflügelfabrik nachgewiesen. Berichten zufolge verlief die Erkrankung bei allen Infizierten ohne Komplikationen.

Quellen: BBC / Reuters / Lungenärzte im Netz / Mit Agentur DPA

ikr

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