HOME

Vogelgrippe: Tamiflu bietet keinen Schutz mehr

Gegen die Vogelgrippe war Tamiflu angeblich das einzige bislang wirksame Mittel - und für den Hersteller Roche ein Riesengeschäft. War. Denn von dem Vogelgrippe-Virus gibt es zunehmend Tamiflu-resistente Varianten.

Weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe

Das Vogelgrippe-Virus kann gemäß Ärzten schell zu einem neuen Typ mutieren, der gegen das bislang wirksame Medikament Tamiflu des Schweizer Pharmakonzerns Roche resistent ist.

Vier von acht mit der Vogelgrippe infizierte Patienten seien trotz der Einnahme von Tamiflu gestorben, schreibt Dr. Menno de Jong von der Klinik für Tropenkrankheiten in Ho Chi Minh-Stadt in der Medizinfachzeitschrift "New England Journal of Medicine". Tests zeigten, dass das Virus bei zwei Erkrankten eine Resistenz gegen Tamiflu entwickelt habe. Und bei einem Patienten sei Tamiflu bereits in einem frühen Stadium der Krankheit verabreicht worden, wie empfohlen.

"Es wird langsam klar, dass wir zur Behandlung der Vogelgrippe mit Neuraminidase-Hemmern (wie Tamiflu) höhere Dosen und längere Behandlungszeiträume brauchen, um Erfolge zu erzielen", sagte Dr. Anne Moscona, Expertin für Kinderviruskrankheiten an der Cornell University in New York.

Das Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 hat seit 2003 bisher 71 Menschenleben in Indonesien, Thailand, Vietnam, China und Kambodscha gefordert.

Die Ansteckungsgefahr bei H5N1 ist nicht hoch, jedoch befürchten Experten eine Mutation des Virus zu einer Variante, die direkt von Mensch zu Mensch überspringt und sich so zu einer Pandemie entwickelt, die Millionen Opfer fordern könnte.

"Das ist derzeit keine pandemische Variante", sagte David Ready, Leiter der Roche Grippepandemie-Task Force in einer Telefonkonferenz.

Bisher seien 138 Infektion mit H5N1 bekannt geworden, von denen 31 mit Tamiflu behandelt wurden, so Roche.

Im Oktober hatte ein 14-jähriges vietnamesisches Mädchen eine Infektion mit H5N1 nach der Behandlung mit Tamiflu überlebt. Allerdings wurde danach in ihrem Körper eine gegen das Mittel resistente Variante des Virus gefunden.

Reuters

Wie ein Pandemievirus entstehen könnte

Auf vier Wegen kann aus einem "normalen" Grippevirus ein weltweiter Killer werden. "Shift" nennen Forscher die genetische Neukombination aus einem menschlichen und einem tierischen Virus.

Dazu kann es im Schwein kommen, das sich leicht sowohl mit Vogelviren als auch mit vor allem beim Menschen verbreiteten Influenza-Erregern anstecken kann. Aber auch im Menschen ist ein "Shift" möglich, wenn etwa ein Vogelvirus auf ein herkömmliches menschliches Grippevirus trifft und es zwischen beiden zu einem genetischen Austausch kommt. Verändern kann sich aber auch ein einzelner Virusstamm durch Mutation. Ein solcher"Drift"-Prozess ist im Schwein ebenso möglich wie direkt beim Menschen.

Wissenscommunity