Vogelgrippe-Virus H5N1 Fatale Ähnlichkeit mit der Spanischen Grippe


Nach Angaben von US-Forschern ähnelt H5N1 dem Pandemie-Grippevirus von 1918 stärker als bislang angenommen. Einer Mutation des Virus könnten wie bei der Spanischen Grippe weltweit Millionen Menschen zum Opfer fallen.

Schon wenige weitere Veränderungen der Eiweiße auf der Oberfläche der Vogelgrippeviren könnten reichen, um sie hochgefährlich für Menschen zu machen. Die Eiweiße des Virus H5N1 ähneln demnach denen der Erreger der Spanischen Grippe von 1918. Mit dem 1997 bei Enten isolierten ursprünglichen Vogelgrippevirus gebe es dagegen weniger Gemeinsamkeiten. Das berichtet die Gruppe um James Stevens vom Scripps Research Institute in La Jolla im Fachjournal "Science".

Die Gruppe um Stevens analysierte die Struktur des Eiweißstoffes Hämagglutinin an der Oberfläche der Viren. Das mit der Abkürzung "H" bezeichnete Molekül ermöglicht dem Erreger das Eindringen in die Wirtszellen. Dazu hakt es sich an Andockproteinen (Rezeptoren) dieser Zellen fest. Vogelgrippeviren docken dabei an anderen Rezeptoren an als die Erreger der Grippe des Menschen. Dies ist der Grund dafür, dass H5N1-Viren derzeit nur selten Menschen befallen - bislang infizierte der Erreger rund 180 Menschen, etwa 100 von ihnen starben.

Menschlichen Grippeviren ähnlicher als Vogelgrippe-Viren

Wissenschaftler befürchten, dass das Virus mutieren und eine weltweite Grippewelle mit Millionen Toten verursachen könnte - der Spanischen Grippe von 1918 fielen je nach Angaben 20 bis 50 Millionen Menschen zum Opfer. Ein solches für den Menschen gefährliche Virus könnte entstehen, wenn sich ein Grippekranker zusätzlich mit H5N1 infiziert und sich eine neue Kombination aus beiden Erregern bildet. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Hämagglutinin so mutiert, dass es künftig auch leicht an menschlichen Grippe-Rezeptoren andockt.

Die Forscher verglichen das Hämagglutinin von Viren aus einer Blutprobe eines 2004 an der Vogelgrippe gestorbenen vietnamesischen Jungen mit dem anderer Grippeerreger. Das Hämagglutinin des Erregers aus der Blutprobe war den menschlichen Grippeviren ähnlicher als dem der ursprünglichen Vogelgrippeviren von 1997. Welche weiteren Mutationen noch folgen müssten, damit das Virus komplett auf den Menschen "umschwenkt", könne man nicht vorhersagen.

Zehntausende Puten sterben in Israel an H5N1

In zwei Putenfarmen im Süden Israels starben in den vergangenen Tagen ersten Untersuchungen zufolge mehr als zehntausend Tiere an der aggressiven Vogelgrippe-Variante H5N1. Dies teilte Schimon Pokomonsky vom Agrarministerium mit. Er ist Experte für Geflügelkrankheiten und für die Tests verantwortlich. Bis zu einer endgültigen Bestätigung könne es aber noch zwei Tage dauern, sagte Pokomonsky.

Die beiden Farmen wurden unter Quarantäne gestellt. Rundfunkberichten zufolge soll noch im Laufe des Freitags mit der Tötung allen Geflügels in einem Umkreis von zehn Kilometern um die Farmen begonnen werden.

Das H5N1-Virus hat sich in den vergangenen Monaten von Asien aus bis nach Europa und Afrika verbreitet. Bislang verursacht es nur die auch als Geflügelpest bekannte Tierseuche. Menschen sind selten betroffen. Experten schließen aber nicht aus, dass sich das Virus verändern und eine weltweite Grippewelle unter den Menschen auslösen könnte.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker