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Beichten auf dem Krankenbett Morde und Missbrauch – welche Lebensgeheimnisse Patienten Pflegekräften anvertrauen

Pflegerin mit Patientin
Eine Pflegerin stützt eine Patientin
© fizkes / Getty Images
Auf dem Kranken- oder sogar Sterbebett wollen viele ältere Patienten noch einmal reinen Tisch machen. Ansprechpartner sind dann die Pflegekräfte – ob die nun zuhören wollen oder nicht.

Auf dem Krankenbett, wenn das Ende des Lebens möglicherweise näher rückt oder sogar unausweichlich ist, reflektieren viele Patienten noch einmal ihr Leben. Ihre Ansprechpartner sind dann oft Pflegekräfte in den Krankenhäusern – die sind dann nicht nur für die gesundheitliche Versorgung, sondern auch für die Seelsorge verantwortlich. Das kann mitunter überfordernd sein.

Die Ausbildung habe ihn nicht darauf vorbereitet, wie viele ältere Patienten ihm jahrzehntealte Morde gestehen würden, schrieb ein Krankenpfleger auf Twitter. Im Alter wollen einige Menschen offenbar noch einmal ihr Gewissen erleichtern und suchen jemanden zum Reden. Die Erfahrung des Krankenpflegers ist kein Einzelfall: Weitere Pflegekräfte berichteten auf Twitter von den düsteren Geheimnissen, die ihnen Patienten anvertrauten.

Mordgeständnisse auf dem Sterbebett

Oft geht es dabei um Verbrechen, nicht selten um Morde. Ein Pfleger erzählte von zwei Mördern, die bei ihm beichteten. Einer war bereits verurteilt und "von Schuld zerfressen" gewesen. Der andere Mordfall aber sei noch nicht gelöst gewesen: "Die Polizei fand die Leiche genau an dem Ort, den er angegeben hatte." Kurz darauf sei der Patient selbst gestorben.

Bleiben oder gehen? Diskussion unter Pflegekräften wird immer lauter – wann reagiert die Politik?

Auch Kriegserinnerungen werden oft erst auf dem Krankenbett ausgesprochen. Ein Patient berichtete, wie er im Zweiten Weltkrieg ein Baby mit einer Handgranate umbringen wollte, weil es gemischt-rassig war – sein Vorgesetzter habe ihn gerade noch davon abgebracht. Ein anderer gab zu, seinen kommandierenden Offizier im Ersten Weltkrieg von hinten erschossen zu haben. Eine Pflegerin berichtet, dass eine Frau mit Alzheimer sie für ihren Mann gehalten habe – und sie gewarnt habe, dass niemand die Leichen ihrer Kinder finden dürfe.

Andere Patienten sprachen darüber, wie sie in ihrem Leben Kinder missbraucht hatten. "Ich konnte ihn am nächsten Tag nicht mehr betreuen", sagt eine Pflegerin. Manchmal seien es nette, ältere Herren, bei denen sich dann herausstelle, dass sie Sexualstraftäter sind.

Patienten sprechen über schamvolle Erfahrungen

Doch nicht immer sind die Patienten die Übeltäter. Einige sprechen erst im Krankenhaus über erfahrenes Unrecht und Leid, für das sie sich während ihres Lebens zuvor zu sehr geschämt haben. "Ich hatte viele Patienten, die erzählt haben, dass sie von ihren Partnern oder Verwandten missbraucht wurden", schreibt eine Pflegerin: "Der Gesundheitssektor ist definitiv nichts für zimperliche Menschen." 

Manchmal sind die Pflegekräfte nicht nur als Zuhörer, sondern auch als Ratgeber gefragt – bei Fragen, die aus dem Nichts kommen und "vor denen einen niemand warnt", wie ein Pfleger auf Twitter schreibt: Jemand habe sie einmal gefragt, ob er seinem Bruder erzählen soll, dass der Vater ihn als Kind jahrelang missbraucht hat.

Quelle: Twitter

epp

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