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Neurodegenerative Krankheit So lässt sich Demenz vorbeugen - WHO veröffentlicht zum ersten Mal Leitlinien

Nervenzellen: WHO veröffentlicht erstmals Leitlinien um Demenz vorzubeugen
Es gibt viele Demenz-Formen - die häufigste ist die Alzheimer-Erkrankung
© K_E_N / Getty Images
50 Millionen Menschen weltweit sind demenzkrank - und in den nächsten Jahren werden es wohl noch viele mehr. Die WHO hat nun erstmals Leitlinien vorgelegt. Die gute Nachricht ist: Jeder Einzelne kann vorbeugen.

Wer sich mehr bewegt und mit dem Rauchen aufhört, kann damit auch einer Demenz-Erkrankung vorbeugen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in Genf zum ersten Mal entsprechende Leitlinien veröffentlicht und dabei auch auf einen Zusammenhang von Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck mit Demenz hingewiesen. Den Staaten und Akteuren im Gesundheitswesen rät die WHO, in diesen Bereichen gegenzusteuern.

"Ein körperlich aktiver Lebensstil ist verbunden mit der Gesundheit des Gehirns", heißt es unter anderem in den neuen Leitlinien. Große Studien hätten gezeigt, dass körperlich aktive Menschen seltener Krankheiten wie Demenz und Alzheimer bekommen. "Physische Aktivität scheint einen vorteilhaften Einfluss auf die Struktur des Gehirns zu haben." Außerdem sei ausreichend Bewegung auch gut gegen Bluthochdruck - und der sei ebenfalls ein Risikofaktor für eine Demenzerkrankung.

Unter Demenz werden verschiedene Erkrankungsformen zusammengefasst, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit sehr stark zurückgeht. Die weitaus meisten Betroffenen haben Alzheimer. Erkrankte verlieren innerhalb von Jahren geistige Fähigkeiten und verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Die Erkrankung führt in der Regel zu Hilflosigkeit und schwerster Bedürftigkeit sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht. Viele erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, manche werden aggressiv. Es gibt weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel gegen Alzheimer. In einigen Studien konnte aber ein Zusammenhang zwischen den Krankheiten und dem Lebensstil oder anderen gesundheitlichen Aspekten dargestellt werden. Darauf basieren nun auch die WHO-Leitlinien.

Leitlinien gegen Demenz - zweistufiges Modell

Die Gesundheitsorganisation hat ihre Präventionsempfehlungen zu diesen Krankheiten dabei in zwei Stufen eingeteilt. Ähnlich wie bei den Bereichen Rauchen und Bewegung wurde auch eine deutliche Empfehlung für eine gesunde und ausgewogene Ernährung ausgesprochen. Zudem erklärt die WHO, dass aus ihrer Sicht nicht für die Einnahme von Vitamin B und E sowie anderer Nahrungsergänzungsmittel als Demenz-Vorbeuge geworben werden soll.

Darüber hinaus enthalten die Leitlinien eingeschränkte Empfehlungen. Dazu gehören unter anderem kognitives Training für ältere Erwachsene und Maßnahmen gegen Übergewicht in mittlerem Alter. Auch Maßnahmen gegen gefährlichen und gesundheitsschädigenden Alkoholkonsum wurden von der Weltgesundheitsorganisation so eingestuft.

Risikofaktor Alter

Nach Angaben der WHO wird sich die Zahl der Demenzkranken in den kommenden Jahren weltweit deutlich erhöhen. Bis 2030 rechnet die Organisation mit bis zu 82 Millionen, bis 2050 mit bis zu 152 Millionen Betroffenen. Derzeit seien rund 50 Millionen Menschen weltweit an Demenz erkrankt. In Deutschland haben etwa 1,7 Millionen Menschen Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung.

Das größte Risiko zu erkranken birgt das Alter. Vor dem 65. Lebensjahr sind nur wenige betroffen, unter den 85- bis 89-Jährigen leidet nach Auskunft der Deutschen Alzheimer Gesellschaft jeder Vierte an Demenz. Aus Sicht der WHO hat aber auch die allgemeine Gesundheit und der Lebensstil einen Einfluss.

FB Group https://www.facebook.com/groups/MollyJoey/ All Episodes https://www.youtube.com/c/joejoe "Wenn deine Mutter dich nicht erkennt. Sie kennt meinen Namen, aber sie weiß nicht, wer ich bin." Das ist Joey Daley aus Ohio, USA. Vor zwei Jahren erkrankt seine Mutter Molly an Demenz. Joey entscheidet sich, den täglichen Kampf der 66-Jährigen zu dokumentieren. Auf seinem Youtube-Kanal gibt er selten tiefe Einblicke in das Leben Betroffener. Mal komisch, mal berührend – oft unerträglich traurig.   Der schlimmste Tag für Joey: Der Moment, in dem seine Mutter ihren eigenen Sohn nicht mehr erkennt.   Joey: Meine Mutter? Du weißt nicht, wer meine Mutter ist? Molly: Ich muss nachdenken. J: Also gut. Ich lass dich nachdenken. ... M: Sag das noch mal. Wer dein Vater ist – ich meine, wer deine Mutter ist. J: Ja, wer ist meine Mutter? M: Ich weiß nicht. J: Du weißt nicht? ... J: Es fühlt sich so an, als ob sie gerade gestorben sei.   Doch es gibt es auch die schönen Momente. Situationen, in denen Molly völlig gesund wirkt. Etwa als sie von Fremden einen Gutschein für ihr Lieblingsgetränk bekommt.   Die 66-Jährige fragt oft, was genau ihre Krankheit sei. Dann ist sie verwirrt und emotional.   Molly: Was bedeutet [Demenz]? Joey: Es betrifft dein Gedächtnis. M: Ich weiß, aber ist es was Gutes? Schlechtes? Habe ich es jetzt? J: Ja, du hast es gerade. M: Echt? Seit einem Monat gibt es den Youtube-Kanal bereits. Joey und seine Mutter bekommen seitdem Hunderte von Briefen. Der Amerikaner gründet eine öffentliche Facebook-Gruppe, weil das Interesse so groß ist.   Joey hofft, dass der Erfolg seiner Videos mehr Gelder für die Erforschung von Demenz ermöglicht.   Einen ersten kleinen Erfolg hat er schon erzielt: Jede Folge endet mit einem Besuch bei Wendy’s., wo Molly einen „Frosty“-Shake trinkt. Die amerikanische Fast-Food Kette wird darauf aufmerksam - und lädt Joey zum Gespräch ein. Die Firma kommt ebenfalls aus Ohio und will seiner Familie helfen.   Für Joey zählt aber vor allem eins:   "Was ich will, ist Aufmerksamkeit", sagte Joey. "Damit würden eventuell mehr Gelder von der Regierung kommen. Darauf hoffe ich - und daran glaube ich fest."
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ikr DPA

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