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Wirtschaftsfaktor Erkältung: Eine Zahl mit acht Nullen

Drei Tage im Jahr fehlen deutsche Arbeitnehmer wegen einer Erkältung. Viele schleppen sich auch krank ins Büro und stecken Kollegen an. Für die Wirtschaft eine immense Belastung.

Von Angelika Unger

29.200.000.000 - eine Zahl mit acht Nullen. 29,2 Milliarden Euro, so hoch beziffert Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen, den Schaden, der der deutschen Volkswirtschaft jedes Jahr durch Erkältungskrankheiten entsteht. "Das entspricht rund einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts", sagte Wasem.

Zusammen mit einem Marktforschungsinstitut und einem Erkältungsmedizin-Hersteller fragte der Professor deutsche Arbeitnehmer, wie viele Tage sie jedes Jahr aufgrund einer Erkältung im Job fehlen und wie häufig sie schlapp und geschwächt zur Arbeit kommen. Demzufolge bleiben die Deutschen durchschnittlich 2,9 Tage im Jahr erkältet zu Hause und arbeiten an weiteren 11,6 Tagen, obwohl sie angeschlagen sind. An solchen Tagen fühlen sich die Befragten um ein Drittel weniger leistungsfähig.

Berechnet man den Bruttolohn und die Lohnnebenkosten, die den Arbeitnehmern trotz der Krankheit gezahlt werden, kommt man auf Ausgaben in Höhe von 29,2 Milliarden Euro - diesem Geld steht keine Leistung für die Wirtschaft gegenüber. "Dass die Erkältung tatsächlich solche Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft hat, hat auch uns erstaunt", sagte Wasem.

Schlechtes Gewissen treibt die Kranken ins Büro

Die Zahlen könnten sogar noch weit höher ausfallen, wenn die Deutschen nicht so pflichtbewusst wären. Jeder zweite Arbeitnehmer hat ein schlechtes Gewissen, wenn er wegen Triefnase und Husten zu Hause bleibt - deshalb schleppen sich viele selbst dann zur Arbeit, wenn die Erkältung sie voll erwischt hat. Eine Erkältung sei schließlich kein Grund, zu Hause zu bleiben, und durch das eigene Fehlen müssten die Kollegen mehr arbeiten, waren die häufigsten Begründungen.

Nur vier Prozent der Befragten bleiben konsequent im Bett, wenn sie merken, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. Sie handeln womöglich am verantwortungsvollsten: Denn wer als "Bazillenschleuder" im Büro die Kollegen ansteckt, beschert seiner Firma unter Umständen einen noch viel größeren Schaden.

Im Privatleben halten die Erkälteten nicht so tapfer durch: Mehr als die Hälfte der Befragten geht erkältet nicht ins Kino, nicht zum Sport und nicht auf Reisen. Jeder Zweite weigert sich außerdem, seinen Partner zu küssen - aus Angst, ihn anzustecken. Auch Alkohol, lange Spaziergänge und lange Autofahrten sind für viele gestrichen.

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