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"The Voice of Germany"- Liveshows Der Sound zum Bügeln


In der zweiten Live-Show von "The Voice of Germany" versuchen sich die Talente an den ganz großen Namen. Am Ende siegt die politische Korrektheit. Und die Show versinkt im Gewöhnlichen.
Von Jan Zier

Voice off Germany!" Nicht nur bei der "Bild" war die Live-Premiere am Donnerstag durchgefallen. Von "Ohrenterror!" war gar zu lesen. Dabei war doch alles immer so wohlwollend, so friedlich! Aber kaum beginnt die finale, die Livephase jener Casting-Show, die doch eigentlich für das Gutmenschliche im deutschen Privatfernsehen steht - schon kommt medialer Streit auf. Aggression. Misstöne. Dieter Bohlen-Flair also.

In der Show haben sich natürlich alle wieder lieb. "Vorher waren wir schon Kollegen", sagt Xavier Naidoo, wie immer etwas pathetisch, "und jetzt sind wir Freunde". Piep. Piep. Piep. Man kennt sich, man schäkert zusammen, beweihräuchert sich gegenseitig, reißt ein paar Wulff-Witze - und unsereins darf zugucken. Fast schämen sie sich schon, doch mal ein kritisches Wort zu verlieren. "Castingshows so, wie man sie kennt, muss man dringend ablehnen und verurteilen", sagte BossHoss-Sänger Alec Völkel kürzlich an anderer Stelle. Alles ist gut, laut und blinkt.

Alles etwas gewöhnlicher

Allenthalben werden hier die Superlative verteilt. Und, natürlich: "Hochspannung ist garantiert!" - verspricht der Trailer zur immerhin dreistündigen Show. Well. Sagen wir es so: Wer am Freitagabend, sagen wir mal, noch schnell die Koffer für den Wochenendtrip packen oder doch endlich mal seine Hemden bügeln muss, der kann auch gut nebenher "The Voice of Germany" gucken. Im Finale ist die Show gewöhnlicher geworden. Einer nach dem anderen dürfen sie ihre Coversongs zum Vortrage bringen - und sagen, wie geil ihr Coach war. So was nennt man wohl Leistungsschau der Popmusik.

Am Ende kommen erwartungsgemäß der Publikumsliebling Percival weiter, ein peppig-durchgestylter Typ, der irgendwie alles solide singen könnte. Und Michael Schulte. Optisch ist der ein Benetton-Modell, bei Youtube auch schon ein kleiner Star, aber sein kraftvolles Cover von Radioheads "Creep" ist durchaus bemerkenswert. Dann ist da noch ein College-Boy mit einer viel zu großen Brille in der nächsten Runde. Xavier Naidoo, der Erfinder des Jammer-Pops, findet ihn "ergreifend". Ferner eine Frau, die ordentlichen Pop abliefert, der nicht piepsig klingt - und die sich schon dadurch auszeichnet, dass sie fehlerfrei die Nationalhymne singen kann. Das kann - Achtung: Seitenhieb - ja nicht jeder Casting-Juror.

Das kann es natürlich nicht gewesen sein, die vielen Sendungen wollen ja gefüllt werden. Und so wird auch der gefühlige Behnam Moghaddam von Publikum für die nächste Runde nominiert, auch wenn sein "Sounds of Silence"-Cover nicht ganz ans Original heranzureichen vermag. Und er eher als Anti-Star daherkommt. Ebenso wie übrigens Yasmina Hunzinger, ein optischer Gegenentwurf zu Germanys Next Top Models. Und eine Frau, deren enorme Stimmfülle wirklich besticht. Ebenfalls wieder zu hören, dank Nenas eigenem Voting: Kim Sanders, die einst in den Neunzigern schon mehrfach in den Charts war, 2010 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik für "Black Music" geehrt wurde. Und Sharron Levy, in Israel geborene Wahl-Österreicherin, die Musikproduktion studiert hat und bei deren Fassung von Duran Durans "Ordinary World" Nena fast vom Stuhl fällt. "Herrlich! Herrlich!"

Was bleibt? Sagen wir es mit BossHoss-Sänger Alec Völkel: "Kurt Cobain wäre auch nicht in einer Castingshow weiter gekommen." Hatte er auch nicht nötig.

Korrektur: In der ersten Version des Textes hieß es, "Ordinary World" sei von Oasis. Der Song stammt allerdings von Duran Duran. Wir haben den Fehler korrigiert.


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