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Kolumne

"Mein geliebtes Ich": Alexandra Kamp: "Ich mag keinen Prosecco, bin kein Fan von Handtaschen und trinke gern Bier"

Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Alexandra Kamp. 

Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Alexandra Kamp posiert mit einem Schnurrbart. Klischeehafte weibliche Eigenschaften schreibt sie sich nicht zu. 

Alexandra Kamp posiert mit einem Schnurrbart. Klischeehafte vermeintliche weibliche Eigenschaften schreibt sie sich nicht zu. 

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online: dieses Mal Alexandra Kamp. Sie studierte nach dem Abitur Schauspiel in Paris und in New York. Sie arbeitete als Model, etwa für Christian Dior und Paco Rabanne. Ihren ersten TV-Auftritt hatte sie 1993 in "Derrick".

stern: Frau Kamp, Sie tragen auf dem Foto einen Schnurrbart. Warum?
Kamp
: Ich bin zwar eine Frau, aber ich habe auch viele männliche Eigenschaften.

Welche denn?
Ich mag keinen Prosecco, bin kein Fan von Handtaschen und trinke gern Bier. Privat kleide ich mich leger, nicht figurbetont. Ich telefoniere ungern, und Mädelsabende sind mir ein Gräuel. Reicht Ihnen das?

Klingt nicht so, als wären Sie ein Fan der Serie "Desperate Housewives".
Ich mag die Serie, aber nicht das Zelebrieren eines Fernsehabends in launiger Frauenrunde. Ich habe zwar Freundinnen, die das mögen, aber mir ist das zu anstrengend.

Zugegeben, das ist überraschend. Sie galten mal als Femme fatale.
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Ich kann für Bühne und Film augenblicklich das Bild der Femme fatale anknipsen. Und trotzdem hat dieses Bild wenig mit meinem Naturell gemein.

Woher resultiert diese Diskrepanz zwischen privatem und öffentlichem Bild?
Meine Persönlichkeit scheint zu polarisieren. Das ist eine wiederkehrende Erfahrung. Ich strahle wohl etwas aus, was einigen Menschen nicht gefällt.

Was könnte das sein?
Vielleicht ist es die Art, wie ich spreche oder aussehe. Ich kann und will das aber nicht beeinflussen. Ich bin mittlerweile über 50 Jahre alt, reifer und gelassener. Es interessiert mich nicht mehr, was fremde Menschen über mich denken.

Sie lächeln.
Ich bin heute eine viel beschäftigte Theaterschauspielerin. Ich bin dankbar, dass preisgekrönte Regisseure mit mir arbeiten möchten. Das macht mich glücklich.

Die eigentliche Alexandra Kamp sehen wir auf dem Foto also nicht rechts, sondern links?
Absolut. Aber keine Sorge. Natürlich pflege ich auch meine feminine Seite. Neulich habe ich mein Smartphone gegen die Wand geschmissen, weil ich mich über die Endloswarteschleife eines Telefonanbieters geärgert habe. Ein Mann würde das wohl nie tun. Dafür ist ihm das Ding sicher zu wertvoll.


Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr.37 am 7. September 2017.

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