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"Guinness Buch der Rekorde": Furzkissen und andere Höchstleistungen

Seit 50 Jahren ist das "Guinness Buch der Rekorde" ein weltweit gefragtes Nachschlagewerk für kuriose Höchstleistungen aller Art. Inzwischen macht das Buch sogar der Bibel Konkurrenz.

Das längste Bad in Eiswürfeln dauerte eine Stunde und acht Minuten, für den höchsten Bußgeldbescheid musste ein Finne 171.816 Euro löhnen, die längste Ehe dauerte 86 Jahre. Das "Guinness World Records" (Guinness Buch der Rekorde) ist seit 50 Jahren das Nachschlagewerk für kuriose Rekorde schlechthin. Die erste Ausgabe erschien am 27. August 1955. Das mehr als 270 Seiten starke Buch stellt inzwischen sogar selbst Rekorde auf: Mittlerweile sind weltweit mehr als 100 Millionen Exemplare verkauft. Das Rekordbuch, das in 23 Sprachen aufgelegt wird, ist das erfolgreichste Werk nach der Bibel. Es wird in mehr als 100 Ländern vertrieben. Am 10. September erscheint in Deutschland die Ausgabe für das Jahr 2006.

Es begann mit einer misslungenen Jagd

Ob gut gestrickte Legende oder Tatsache: Die Geschichte des Rekordwerks begann nach Angaben der Macher mit einer misslungenen Jagd. Sir Hugh Beaver behauptete, einen Goldregenpfeifer nur deshalb mit seinem Schuss verfehlt zu haben, weil dieser Vogel der schnellste überhaupt sei. Er war es allerdings nicht. Beaver kam auf die Idee, solche Superlative in einem Buch aufzulisten.

In der neuesten Ausgabe mit leuchtend grünem Einband wird zwischen dem Wanderfalken als rasantestem Sturzflieger mit Spitzentempo 300 sowie Enten und Gänsen als schnellsten Horizontalfliegern mit bis zu 100 Stundenkilometern berichtet. So löst das Guinness-Buch auch heute noch den einen oder anderen Streit.

40.000 Anfragen im Jahr

Mit den Jahren haben sich die Rekorde in dem Buch stark verändert. "Am Anfang war es überwiegend selbstständige Recherche", sagt Olaf Kuchenbecker aus der deutschen Guinness-Redaktion in Hamburg. Die Mitarbeiter waren zunächst selbst auf der Suche nach der schnellsten Achterbahn, der höchsten Scheidungsabfindung, dem größten Stadion. "Inzwischen sind 50 Prozent Rekorde, die man selbst beeinflussen kann", schätzt Kuchenbecker. Jedes Jahr gehen bei der Guinness-Jury in London gut 40.000 Anfragen für Rekordversuche ein. Davon werden aber nur etwa 5600 zu einem tatsächlichen Rekord. Aus dem deutschsprachigen Raum wenden sich jährlich etwa Rekordwillige an die achtköpfige Jury. "Daraus entstehen jährlich gut 100 Rekorde."

Viele Rekorde sind Wahnsinnstaten. So schaffte ein Franzose innerhalb einer Stunde 445 Klimmzüge. Ein Amerikaner spazierte von Santa Monica in Kalifornien bis ins türkische Istanbul - die 12.875 Kilometer ging er rückwärts. Oft gilt: Was für andere schon in kleinen Dosen abschreckend ist, machen andere freiwillig zum Marathon: So hat eine Schweizerin 40 Stunden am Stück gebügelt und dabei 228 Hemden knitterfrei bekommen.

3614 Menschen auf dem Furzkissen

Sehr oft steht aber der Spaß an erster Stelle, besonders wenn viele Menschen gemeinsam einen Rekord aufstellen. Beim gemeinsamen Furzkissen-Sitzen etwa haben im US-Staat Illinois 3614 Menschen gleichzeitig unanständige Laute produziert. Beim größten Massen-Bungee-Sprung stürzten sich vor fünf Jahren in München 31 Frauen und 10 Männer gemeinsam an einem Gummiseil in die Tiefe. Die Zahl der Rekordversuche geht seit einigen Jahren allerdings leicht zurück, sagt Kuchenbecker. "Es wird immer schwieriger, neue Geschichten zu finden, außerdem: Je weiter die Leistung fortschreitet, desto schwieriger ist es, sie zu überbieten."

Dörthe Hein/DPA / DPA