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TV-Kritik

"Anne Will": Die Glotze anbrüllen – oder abschalten

Altenpfleger sind überlastet – Politiker sind es auch. Darüber wollte Anne Will dringend mal reden. Und vergaß auch nicht, den Tortenwurf auf Sahra Wagenknecht durchzukauen. Mehr Diskussion am "Durchschnittsbürger" vorbei ging nicht.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Anne Will (l.) diskutierte mit Sahra Wagenknecht (M.) und Thomas de Maizière (r.) eher die Situation von Politikern als die von "normalen Arbeitnehmern" 

Anne Will (l.) diskutierte mit Sahra Wagenknecht (M.) und Thomas de Maizière (r.) eher die Situation von Politikern als die von "normalen Arbeitnehmern" 

Der User verstehnix schrieb im Forum um 22.24 Uhr: "Was soll denn diese Sendung nun bewirken?" Und leider muss man selbst sagen: das waren 60 Minuten Fernsehzeit, die völlig daneben waren. Mal wieder. Es ist zum Haare raufen. Auch wenn es Journalisten oft vorgeworfen wird, aber wir wollen nicht unbedingt "draufhauen". Im Gegenteil, wie schön wäre es, einfach schreiben zu können: "Hey, Anne Will, Chapeau, Ihre Sendung war einfach klasse." Immerhin schaffte sie es, dass man irgendwann die Glotze anbrüllte, weil der Stumpfsinn nicht mehr zu überbieten war.  Dabei steckte im Thema der Sendung "Zwischen Höchstleistung und Überlastung – wann macht Arbeit krank?" viel Potential. Und aktuelle Notwendigkeit. Schnell aber wurde klar, dass die Moderatorin über das Thema wohl gar nicht informiert war. Stattdessen wählte sie das Pippi-Langstrumpf-Prinzip: ich mache mir meinen Talk, wie er mir gefällt. Was hieß: Endlich Empathie für unsere armen, überlasteten Politiker.

Die Gäste bei Anne Will in alphabetischer Reihenfolge:

Alexander Jorde, Krankenpflege-Azubi
Klaus Lieb, Direktor der Psychiatrie-Klinik der Uni Mainz
Thomas de Maizière, CDU-Politiker, Ex-Innenminister
Katja Suding, Vize der FDP-Bundestagsfraktion
Sahra Wagenknecht, Co-Vorsitzende Bundestagsfraktion der Linken

Will drängt Wagenknecht Richtung Psycho-Couch

Erstmal zu Sahra Wagenknecht. Ja, sie ist wieder da. Zwischen ihrem letzten Besuch bei Anne Will und diesem nun liegen gut zwei Monate, die für sie gesundheitlich besonders schwer gewesen sein sollen. Ausgelöst durch Stress und Überlastung.  "Ich möchte nie wieder in eine solche Situation kommen", sagte sie am Sonntagabend. Deshalb hatte sie vor wenigen Tagen erst angekündigt, nicht mehr für die Linken-Fraktionsspitze zu kandidieren. "Es spricht vieles dafür, das nicht erst im Herbst zu machen", meinte sie. Von der politischen Bühne aber wolle sie sich auf keinen Fall verabschieden: "Ich will mich nach wie vor einbringen in einer Zeit, in der dringend Veränderung notwendig ist." 

Zum Thema Mobbing innerhalb der eigenen Partei antwortete Wagenknecht ausweichend. Von der Moderatorin darauf angesprochen, erinnerte sie sich zunächst nicht an einen Brief an die Parteikollegen, in dem sie vor eineinhalb Jahren davon sprach, sie wolle sich nicht von Katja Kipping und Bernd Riexinger mobben lassen, mit denen sie in interne Grabenkämpfe verstrickt war. Doch Will ließ nicht locker und wollte die Linken-Politikerin auf die Psycho-Couch bugsieren: "Wo sind Ihre Anteile, dass die Grabenkämpfe so verschleißend waren für Sie?" Antwort Wagenknecht: "Man hat sicher Anteile." Dann: "Wir hatten Konflikte, das ist auch öffentlich bekannt. Aber ich finde, das jetzt nur darauf zurückzuführen, das wäre auch nicht richtig." Oder leidet sie etwa an den Spätfolgen, die durch den Wurf einer Torte in ihr Gesicht ausgelöst wurden? Ja, richtig gelesen. Will sagte es zwar nicht so, aber thematisierte tatsächlich die Torte.

Bei einem Thema steigt sogar de Maizière aus

Nun zur Krankenakte Thomas de Maizière. War eben noch von Depression die Rede, machte Will den Bogen zu der schweren Bronchitis, an der der Politiker zu einer Zeit litt, in der die Flüchtlingskrise an ihrem Höhepunkt war. "Ich will schwere Bronchitis nicht mit Depressionen vergleichen", räumte sie ein, um dann aber auch noch die alte Schlagzeile hervorzuholen, in der de Maizière vorgeworfen wurde, sich auf Mallorca zu erholen. Ja, diese Belastung durch die Medien, die setze ihm besonders zu, verriet er. Und als wäre es eine der schlimmsten Arbeitsbedingungen überhaupt, kam Will dann noch besonders einfühlsam auf den permanenten Personenschutz: "Dass Sie auf Schutz angewiesen sind, was hat das mit Ihnen gemacht?" Hallo, um was geht es hier? Da stieg dann selbst de Maizière aus.

Schön aber: Es wurde nicht darüber debattiert, wann Katja Suding Husten hatte und wann hohes Fieber. Und fast wäre man geneigt, ein kleines Lob auszusprechen, dass die Rede wenigstens ein paar Minuten auf die Überlastung in der Altenpflege kam, doch dabei wurde leider nichts Neues gesagt. Einziger Lichtblick: Alexander Jorde, der wie gewohnt nicht lockerließ und Widerspruch gab, wo er nötig war, während de Maizière bloß wieder von fehlendem Personal sprach ohne eine Lösung anzubieten und darauf beharrte, dass das Arbeitsrecht "überreguliert" sei und man nicht noch weiter daran schrauben müsse. An anderer Stelle vermittelte er den Eindruck, Überlastung sei oft nur Einstellungssache: "Es gibt Menschen, die fühlen sich immer überlastet und Menschen, die es schaffen." 

Diskussion geht am "normalen Arbeitnehmer" vorbei

Im Internetforum ärgerten sich viele Zuschauer, dass die Diskussion am "Durchschnittsmenschen" und "normalen Arbeitnehmer" völlig vorbeigehe und dass die Arbeitsbedingungen nicht nur in der Pflege erbärmlich seien – unter anderem Selbstständige wie auch Menschen aus kreativen Berufen sprachen über Ausbeutung. Ein Bauarbeiter schilderte, seine Knochen seien seit 30 Jahren kaputt. Doch alle diese Stimmen hatten leider keinen Platz in der Sendung. Stattdessen enttäuschte auch noch Klaus Lieb, der es versäumte, mehr Klarheit in den Begriff "Burn-Out" zu bringen. Denn: Burnout stellt keine anerkannte wissenschaftliche Diagnose des international geltenden Klassifikationssystems psychischer Erkrankungen dar. Unter Experten ist umstritten, ob der Begriff nicht vielmehr eine andere Erkrankung verschleiere, die der Depression.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(