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»IN SEINEN ARMEN DAS KIND«: Abgesang auf die Ideale der 70er Jahre

Vor dem Hintergrund der Geschichte um Maik, einem Filmdarsteller auf der Suche nach seinem Sohn, lässt Bodo Morshäuser die 70er Jahre wieder aufleben.

Der penetrante Geruch von Räucherstäbchen und Haschisch zieht dem Leser durch die Nase, vertieft er sich in Bodo Morshäusers Roman »In seinen Armen das Kind«. Es geht darin um die 70er Jahre, um die Welt der Hippies, Spontis und der Berliner Großstadtdesperados. Und es geht um Maik, einen jungen Mann, der es als Hauptdarsteller in deutschen Kultfilmen von damals zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat. Er trifft die resolute und mitreißende Vera, verliebt sich in sie. Doch die junge Frau, die gern alles ausprobiert - Sex, Drogen und Esoterik - verschwindet eines Tages mit dem gemeinsamen Sohn.

Auf der Suche nach seinem Sohn

Morshäusers Buch ist als Abgesang auf eine Ära zu lesen oder als Hommage an eine Generation, die ihre Ziele verloren hat. Auch wenn sie sich fest vorgenommen hatte, »anders zu werden als die Mehrheit, die sich falsch bewegte und falsche Gedanken hatte«. Denn Maik, so wird bald klar, macht wenig aus sich und seinen Chancen. Das einzig Regelmäßige in seinem Leben ist der Gang in eine biedere Wohnung, in der Stoff an feste Kunden verkauft wird. Erst nach Jahren beginnt Maik, offenbar unter dem vagen Eindruck, dass in seinem Leben etwas nicht so ist, wie es sein sollte, mit der Suche nach dem Sohn.

Im Rückblick berichtet er dem Ich-Erzähler wie weit er mit seiner Suche gekommen ist. Sein Kind zu finden, wird immer mehr zur fixen Idee, die schließlich alles andere - Jobs, Frauen und Freunde - zur Nebensache macht. Maik erzählt, wie die Spuren ihn in obskure Landkommunen führen, in denen er alle möglichen Bekannten aus Berlin trifft, nicht aber seinen Sohn Sebastian. Erst am Ende kommt es zur Begegnung. Der Junge aber will seinem Vater nicht folgen. Die Kommune entpuppt sich als Arbeitslager, in dem Kinder für eine menschenverachtende Sekte arbeiten müssen - eine Perversion, die den einstigen Traum vom freien Leben ohne Zwänge zunichte macht.

Roman endet in skurriler Posse

Der neue Roman des 1953 geborenen Autors beginnt mit viel Verve und scharfen Beobachtungen der Jugendszene vor 30 Jahren. Die Erwartungen, die der Anfang weckt, werden allerdings nicht erfüllt. Morshäuser schafft es nicht, das subtile Stimmungsbild zu vervollkommnen. Am Ende gerät der Roman zu einer skurrilen Posse, die nicht einmal den Namen Parodie verdient.

Susanna Gilbert-Sättele

Bodo Morshäuser: In seinen Armen das Kind Suhrkamp Verlag, 370 Seiten, Euro 22,90

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