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"Rico, Oskar und der Diebstahlstein": Großes Finale für die Kleinen

Es gibt Kinderbücher, an denen stimmt einfach alles: Andreas Steinhöfel ist das mit seinen Storys um Rico und Oskar, das schräge tief- und hochbegabte Freundespaar aus Berlin, gelungen. Jetzt erscheint der dritte und letzte Band der Reihe.

Wo führt bloß eine Geschichte hin, in der ein minderbegabter Berliner Junge, dessen Mutter in einem Nachtclub arbeitet, und ein hochbegabter kleiner Klugscheißer mit riesigen Schneidezähnen und einer ziemlichen Null von Vater, Freunde werden und nebenher Verbrechern nachjagen? Ganz einfach: Mitten ins Herz. Und außerdem ins langerwartete Happy End. "Das haben die Kinder sich so gewünscht, ich kriege ja Berge von Briefen dazu, und hatte es von Anfang an versprochen", sagt Erfolgsautor Andreas Steinhöfel zum Erscheinen von "Rico, Oskar und der Diebstahlstein", dem letzten Band der preisgekrönten Trilogie.

Der Grund liegt für Steinhöfel, Geburtsjahr 1962 und einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, auf der Hand: "Kinder hassen es, wenn das Happy End fehlt. Im Buch wie im wirklichen Leben. Oft sind kindliche Bedürfnisse so einfach und so unerfüllbar zugleich", sagt Steinhöfel im dpa-Interview.

Ein Problem mit Problemgeschichten

Rico und Oskar haben es nicht leicht im Leben - soviel war schon klar, als Steinhöfel 2008 den ersten Band der Reihe vorlegte, der prompt den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam. Während jemand anders aus dieser prekären Konstellation vielleicht eine triefende Problemgeschichte gestrickt hätte, vertraut Steinhöfel auf die unbändige Lebenskraft seiner Helden. "Ich hab ein Problem mit Problemgeschichten", sagt er.

Bei all dem scharfen Berliner Ostwind, der den beiden auf der Suche nach Kidnappern, Erpressern oder - wie nun im dritten Band - einem geheimnisvollen Dieb ins Gesicht bläst, finden sich auch immer wieder "windgeschützte Zonen", ungewöhnliche, aber uneingeschränkt vertrauenswürdige Menschen. Da ist Ricos ständig müde, aber warmherzige und lebenskluge Mutter. Da ist die Nachbarin Frau Dahling, die den all-abendlichen Waisen Rico mit Butterbrot-"Müffelchen" durchfüttert, aber auch immer wieder vom "grauen Gefühl" heimgesucht wird. Und da ist auch Fitzke, der Kauz aus dem oberen Stockwerk, der eine geheimnisvolle Steinsammlung sein Eigen nennt, die er Rico vererbt.

Herz und Schnauze

Um den wertvollsten dieser Steine geht es nun - und Rico und Oskar verlassen zum ersten Mal Berlin und fahren heimlich bis zur Ostsee, um das gute Stück wiederzukriegen. Natürlich kommt alles anders als geplant und es gibt neue Verwicklungen. Denn auch der hochbegabte Oskar merkt, dass kühl-durchdachte Pläne so gar nicht weiterhelfen, wenn man eigentlich nur verletzt und einsam ist. Auch die Freundschaft von Rico und Oskar steht somit auf der Kippe - und wächst schließlich.

Eben diese Spannung zwischen Action und großer Gefühlstiefe, zwischen Drama und überbordendem Witz mit viel Berliner Schnauze macht die Bücher so gelungen und besonders. "Das ist genau die Schwierigkeit, hier die Balance zu halten", erzählt Steinhöfel. Immer wieder passiere es ihm, dass seine Figuren ein Eigenleben entwickelten und ihm einfach ausbüxten. "Das ist schön und schrecklich zugleich."

Fürs erste hat Steinhöfel sich nun von Rico und Oskar verabschiedet. "Rico ist mir ans Herz gewachsen. Aber irgendwann muss Schluss sein." Er ist vom hippen Berlin zurück nach Hessen aufs Land gezogen, wo seine Familie herkommt, und arbeitet an einem Roman für Erwachsene sowie einem neuen Jugendbuch. "Ich liebe diese Ruhe, die Natur. Das ganze Piep-Piep und Tschilp-Tschilp." Neue Ideen zu Geschichten, die ihn schon in seiner Kindheit bewegt haben, sind im Entstehen. Trotzdem: "Der Abschied von Berlin muss nicht von Dauer sein."

Andrea Barthélémy/DPA / DPA
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