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200. Todestag: Neue Werke über Immanuel Kant

Zu seinem 200. Todestag rücken mehrere Verlage Kant in den Blickpunkt. Eine Auswahl von Neuerscheinungen über Leben und Werk des Königsbergers.

Ein lebendiges Bild des Philosophen

In seiner Biografie "Kants Welt" zeichnet Manfred Geier ein lebendiges Bild des Philosophen Immanuel Kant. Er baut eine Brücke zwischen Kants wichtigsten philosophischen Werken und seiner Lebensgeschichte, die bisher oft als wenig ereignisreich beschrieben wurde. Einzelne Kapitel - in Essayform geschrieben - stellen Sinneinheiten der Kant'schen Gedankenwelt mit den ihn umgebenden Einflüssen durch nahe stehende Menschen, Politik und Kultur dar. Mit seiner modernen Sprache, mit der Geier das Werk Kants begreiflich macht, ohne zu stark zu vereinfachen, richtet er sich an den interessierten Kant-Einsteiger. Manfred Geier, geboren 1943 in Troppau, lebt in Hamburg. Zu seinen Veröffentlichungen gehören mehrere Rowohlt-Monografien, etwa "Der Wiener Kreis" und "Karl Popper".

Manfred Geier: "Kants Welt"
Rowohlt Verlag, Reinbek
320 Seiten, 24,90 Euro

Der Philosoph schematisch und facettenreich

Immanuel Kant ist mehr als nur der Philosoph der Pflicht und des kategorischen Imperativs. Kants Leben von der Jugend bis zu seinem Tod im preußischen Königsberg, seine Tafelrunden mit Freunden, aber auch seine philosophischen Schriften - Uwe Schultz fasst Leben und Werk in einem straffen Porträt zusammen. Die in der Monografienreihe des Rowohlt-Verlages erschienene ergänzte Neufassung nähert sich dem Philosophen schematisch, beleuchtet ihn aber dennoch facettenreich - von der Kleidung bis zu seinem Verhältnis zu Diener Lampe. Nicht zuletzt zeigt Schultz aber auch, wie Kant dem "philosophischen Denken die Nüchternheit der Moderne verschafft" hat. Der Autor, bis 1994 Hauptabteilungsleiter Kulturelles Wort beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main, arbeitet heute als freier Publizist in Paris.

Uwe Schultz: "Immanuel Kant"
Rowohlt Verlag, Reinbek
190 Seiten mit Abb., 8,50 Euro

Kant-Kenner mit neuer Sicht auf die "Kritik"

"Zuweilen nimmt die 'Kritik' einen etwas verschlungenen Weg. Im ganzen ist sie aber wohlkomponiert wie ein großes Werk der Musik". Kant-Kenner Otfried Höffe führt mit seinem Fachbuch "Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegung der modernen Philosophie" Schritt für Schritt durch die "Kritik", das bedeutendste Werk Kants. Er analysiert es historisch und systematisch in Bezug auf die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften, betrachtet es also "mit den 'unschuldigen Augen' von damals und den 'wissenden und besserwissenden Augen' von heute". Nicht zuletzt wird überprüft, "ob die heutige Philosophie noch von Kant lernen kann". Höffes Buch ist Fachkommentar, Interpretation und gleichzeitig Wegweiser für interessierte "Kritik"-Neulinge. Höffe ist Leiter der Forschungsstelle für Politische Philosophie in Tübingen. Er hat bereits eine Vielzahl von Publikationen über Philosophie und Ethik veröffentlicht.

Otfried Höffe: "Kants Kritik der reinen Vernunft"
C.H. Beck Verlag, München
378 Seiten, 24,90 Euro

Die umfassende Biografie des großen Denkers

Ein differenziertes und detailreiches Bild des fast 80-jährigen Lebens Immanuel Kants zeichnet Manfred Kühn in seiner umfangreichen, 2001 zunächst in England erschienen Kant-Biografie. In seinem Buch "Kant" widerlegt der Autor, der sich als Professor der Philosophie bereits mit zahlreichen Arbeiten über Kant hervorgetan hat und derzeit in Marburg lehrt, die oft zitierte Aussage über Kant: Niemand könne die Lebensgeschichte dieses Mannes schreiben, der weder ein Leben noch eine Geschichte gehabt habe. Kühns Biografie zeigt mit seiner chronologischen, materialreichen Aufarbeitung des Lebens und Denkens Kants, wie sehr der große Philosoph von den politischen und kulturellen Ereignissen seiner Zeit beeinflusst wurde. Zwar hatte Kant weder eine aufregende Karriere noch spannende Privatabenteuer, weder Familie noch Geliebte, sondern nur seinen treuen Diener Lampe im Hause. Doch spielte er eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt.

Manfred Kühn: "Kant"
C.H. Beck Verlag, München
639 Seiten mit 28 Abb., 29,90 Euro

Biografie im Kontext der Kulturgeschichte Königsbergs

Eingebettet in die Kulturgeschichte Königsbergs porträtiert Steffen Dietzsch den großen Philosophen in seiner neuen Biografie "Immanuel Kant". Umfangreiche Funde im Archiv der Universität Königsberg bilden nach Angaben des Reclam Verlags Leipzig die Grundlage dafür. Der Leser erhält neben einer Darstellung von Kants philosophischen Grundgedanken auch einen Überblick über die Kultur, das soziale Leben und die Universität der preußischen Stadt. Je ein Kapitel widmet der Autor auch "Kants Tischgesellschaft" sowie "Kant und den Königsberger Juden". Steffen Dietzsch lehrt Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und hat schon mehrere Werke über Kant verfasst.

Steffen Dietzsch: "Immanuel Kant"
Reclam Verlag Leipzig
368 Seiten mit Abb., 24,90 Euro

Über den skurrilen Alltag Immanuel Kants

Mit "Punkt 5 Uhr früh beginnt das Leben... Der oft skurrile Alltag des Immanuel Kant, leicht satirisch kommentiert" hat Heinz Lemmermann ein liebenswertes, anekdotenreiches Buch über den großen Philosophen geschrieben. Der Autor richtet sich nicht zuletzt an jene, denen Kants "Kategorischer Imperativ" und seine Definition von Aufklärung in anerkennender Erinnerung blieben, das Gesamtwerk aber schwer verdaulich erschien. In Kapiteln wie "Kant und die Frauenzimmer" oder "Kant, der Gesundheitsapostel" leuchtet Lemmermann, der an der Universität Bremen lehrte, die "Kulissen des Alltagslebens" aus. Die Grundlagen kant'schen Denkens stehen nicht zur Debatte.

Heinz Lemmermann: "Punkt 5 Uhr früh beginnt das Leben..."
Donat Verlag, Bremen
112 Seiten, 10 Euro

DPA