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Eigene Geburtstagsedition 40 Jahre Taschen Verlag – publiziert wird, was dem Chef gefällt

Zwei Cover des Taschen Verlags
Der Taschen Verlag feiert 2020 seinen 40. Geburtstag mit einer limitierten Sonderauflage seiner "Stars aus dem Programm"
© Taschen / Hersteller
Eigentlich wollte Benedikt Taschen nur seine Comic-Sammlung verkaufen, geht die Legende, als er seinen Verlag 1980 gründete. 40 Jahre später ist der Kölner Taschen Verlag Weltmarktführer im Segment Bildband.

Wer sich früher für Kunst interessiert hat, in der Zeit, bevor das Internet auf viele Fragen eine Antwort fand, für den war das entweder mit viel Gerenne oder einer dicken Geldbörse verbunden. Die Optionen waren die örtliche Bücherei oder ein Bildband, der so teuer war wie ein Weihnachtsgeschenk. Billige Kunstbücher gab es wenige und wenn, war die Druckqualität ihrem Preis entsprechend. Doch dann kam plötzlich ein neuer Anbieter auf den Markt, der Taschen Verlag, von dem wohl der ein oder die andere zunächst glaubte, er stelle ausschließlich Taschenbücher her. Dass der Verleger Benedikt Taschen hieß, erfuhr ich zumindest deutlich später, ich habe den Klappentext meiner Bücher damals offenbar nicht gründlich gelesen.

Mit dem Kölner Verlag wurden nicht nur Kunstbände erschwinglich, egal ob sie Alte Meister oder "Schönes Einheits Design" aus der DDR zeigten. Die thematische Ausrichtung war ebenfalls breiter als zuvor üblich, irgendwie origineller. Die meist dreisprachig in Englisch, Deutsch und Französisch verlegten Bildbände fanden schnell Fans – und reißenden Absatz. 

Buchrücken der Sonderauflage
Am Buchrücken erkennbar: Auf der Geburtstagsedition, aus der jeder der 28 Bände 20 Euro kostet, prangt eine große 40
© Taschen / Hersteller

Auflage: 2020 pro Stück, Preis: 20 Euro pro Band

Die 28 in diesem Jahr erschienen gebundenen Bände der Geburtstags-Sonderauflage, jeder 512 Seiten stark, zeigen in kleinerem Format, was schon einmal opulenter erschien. Denn der familieneigene Verlag, dessen Geschäftsführung mittlerweile Taschens Tochter Marlene übernommen hat, bringt seit Ende des vergangenen Jahrtausends auch hochpreisige Bildbände heraus. So kann es durchaus passieren, dass man für den ein oder anderen Titel nicht nur weit mehr als 100 Euro zahlt, sondern auch mal zehn Kilo Buch nach Hause trägt. (Von dem 30 Kilogramm schweren "SUMO" von Helmut Newton, signiert und mit eigenem Tisch geliefert, wollen wir gar nicht erst anfangen. Doch, aber nur so viel: Das Exemplar Nummer eins – handsigniert von mehr als 100 der in dem Buch abgebildeten Berühmtheiten – brachte in einer Charity-Auktion 620.000 DM ein und brach damit den Rekord für das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts.)

Weltmarktführer wird man jedoch nicht allein mit Alten Meistern. Der Verlag musste sich einige Kritik für manche Titel anhören, etwa die intensive Vermarktung der Arbeiten von Leni Riefenstahl, von der noch heute der Bildband "Africa" für 3000 Euro im Taschen Verlag erhältlich ist. Auch die Auswahl der Künstler wurde moniert: Im Frühjahr 2014 bemängelten die Künstlerinnen Ditte Ejlerskov und EvaMarie Lindahl die Basic-Art-Serie des Verlages, die damals aus 95 Büchern bestand, von denen sich nur fünf Künstlerinnen widmeten. Und erst in diesem Jahr erschien trotz #MeToo-Vorwürfen ein weiterer Band des Fotografen Mario Testino.

"Die Zielgruppen sind divers"

Die Bandbreite an Publikationen, die zum Beispiel auch dafür sorgte, dass Pornografie nicht länger unter dem Ladentisch gehandelt wurde, sondern den Sprung in den Buchhandel schaffte, stellt für den Taschen Verlag kein Problem dar. "Benedikt Taschen veröffentlicht, was ihm gefällt", schrieb 2011 die "Vanity Fair". Kritischen Nachfragen entgegneten früher Benedikt, heute Marlene Taschen, in Interviews mit dem "Spiegel" (Bezahlinhalt) oder zuletzt mit der "Financial Times", die Welt sei "komplex", man "neige nicht zu moralischen Bewertungen" und sei "kein politisches Unternehmen". Die marktwirtschaftliche Erklärung des Verlags für ein breites Spektrum: Weil "Sex sells", lassen sich auch Bücher drucken, die zum Ladenhüter-Dasein bestimmt sind.

Die Frage, wie viel Freiheit wir aushalten und wie unkritisch Kunstbände sein dürfen, lässt sich nicht so einfach beantworten. Auch in der Literatur werden klassisch Werk und Autor unabhängig voneinander betrachtet. Doch ob dieses Vorgehen noch zeitgemäß ist – oder je war – zeigen immer neu aufkeimende Debatten um diverse Schriftsteller. Vermutlich wird uns diese spannende Frage noch viele Jahre beschäftigen.

Die Titel der Geburtstagsreihe sind direkt beim Taschen Verlag unter diesem Link bestellbar.


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