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Anna Amalia Bibliothek: Auferstanden aus dem Feuer

Vor drei Jahren zerstörte ein Feuer einen großen Teil der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Tausende Bücher fielen den Flammen zum Opfer. Dank einer einzigartigen Spendenaktion konnte die Bibliothek restauriert werden - und wird nun feierlich wiedereröffnet.

Drei Jahre nach dem verheerenden Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar wird das Gebäude zum 268. Geburtstag der Namenspatronin mit einem Festakt wiedereröffnet. Bundespräsident Horst Köhler hält die Festrede. Das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende historische Bibliotheksgebäude mit dem berühmten, 1766 fertig gestellten Rokokosaal war am 2. September 2004 von einem Feuer stark beschädigt worden. In den vergangenen drei Jahren wurde das Haus für 12,8 Millionen Euro von Grund auf saniert und modernisiert. Der Bund beteiligte sich mit 5,9 Millionen Euro an dem Projekt.

Eine defekte Kabelverbindung im Dachstuhl hatte das Feuer ausgelöst, das 50.000 Bücher und 37 Gemälde unwiederbringlich zerstörte. 28 000 Bücher wurden in einer beispiellosen Rettungsaktion unversehrt geborgen. 62.000 Bände mit schweren Brand- und Wasserschäden waren in das Leipziger Zentrum für Bucherhaltung gebracht worden. Davon stehen inzwischen 16.000 restaurierte Bände den Benutzern wieder zur Verfügung. Die Gesamtkosten für die Restaurierung und Wiederbeschaffung der Bücher schätzt die Klassik Stiftung Weimar auf 67 Millionen Euro. Ein Viertel dieser Summe kam bisher durch Spenden zusammen.

Die Brandkatastrophe hatte eine einzigartige Welle der Solidarität im In- und Ausland ausgelöst. Allein für Restaurierung und Wiederbeschaffung der historischen Bücher gingen von rund 22 000 Spendern rund 17 Millionen Euro ein. Vom 1. Dezember an kann das Kleinod bei Führungen der Klassik Stiftung besichtigt werden.

Auch nach dem Brand verfügt die Bibliothek noch über 900.000 Schriften

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eines der Herzstücke der Klassik Stiftung Weimar. Seit 1998 gehört sie unter anderem mit dem Wohnhäusern Goethes und Schillers, dem Goethe- und Schiller-Archiv und der Fürstengruft zum Weltkulturerbe der Unesco. Die 1691 gegründete Bibliothek trägt seit 1991 den Namen der Herzogin Anna Amalia (1739-1807). Auf ihre Initiative wurde das Mitte des 16. Jahrhunderts errichtete "Grüne Schloss" von 1761 bis 1766 zur Bibliothek umgestaltet. Prachtstück ist der ovale Rokokosaal, der mit seinen zwei Galerien und Kunstwerken einen sakralen Charakter hat. Der Dichter und Staatsmann Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sorgte später für die Erweiterung der Bestände und des Gebäudes.

Die Forschungsbibliothek verfügt auch nach dem Brand über rund 900.000 Bücher, darunter mittelalterliche Handschriften und erste Buchdrucke, historische Landkarten, eine Bibelsammlung aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, Originale des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) sowie die größte "Faust"-Sammlung der Welt. Etwa 50.000 Bücher sind im historischen Stammhaus untergebracht, das Gros von 750.000 Stück im 2005 eröffneten Tiefmagazin. Im Lesebereich des Neuen Studienzentrums stehen weitere 100.000 Bände zur täglichen Forschung bereit. Nach dem Großbrand am 2. September 2004 wurde das Haus für 12,8 Millionen Euro saniert. Die Kosten für Buchrestaurierung und Wiederbeschaffung schätzen Experten auf bis zu 67 Millionen Euro.

DPA/Reuters / DPA / Reuters