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Boykott-Aufruf Jasmina Kuhnke sagt Buchmesse-Auftritt wegen rechtem Verlag ab - weitere Promis folgen

Jasmina Kuhnke über Morddrohungen: "Hoffe, dass ich nur alleine dran bin und nicht meine Familie"
Jasmina Kuhnke über Morddrohungen: "Hoffe, dass ich nur alleine dran bin und nicht meine Familie"
© Marvin Ruppert
Die Autorin Jasmina Kuhnke hat ihren Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse abgesagt. Sie protestiert damit gegen die Präsenz eines rechten Verlags. Inzwischen haben sich weitere Prominente solidarisiert.

Ein Stand von Verlagen der Neuen Rechten auf der Frankfurter Buchmesse hat kurz vor der offiziellen Eröffnung der Messe zu einer Kontroverse geführt. Autorin Jasmina Kuhnke, bekannt unter ihrem Twitter-Pseudonym "Quattromilf" hat ihren Auftritt auf der Buchmesse kurzfristig abgesagt. Grund ist der Stand eines rechtsradikalen Verlages. Inzwischen haben sich weitere Prominente der Aktion angeschlossen. Auch die Schauspielerinnen Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson sowie der Influencer Riccardo Simonetti haben ihre Absage auf Instagram bekannt gegeben.

Die Bildungsstätte Anne Frank solidarisierte sich in einer Stellungnahme mit der Autorin Jasmina Kuhnke. "Es ist ein Desaster für unsere offene Debattenkultur, wenn sich Betroffene von Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit von der Frankfurter Buchmesse als der größten Debattenmesse des Landes zurückziehen, weil sie sich dort nicht sicher fühlen", sagte Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte.

Anlass für Kuhnkes Absage ist der Stand des Jungeuropa-Verlages. Dieser hatte damit geprahlt, direkt neben der ZDF-Bühne präsent zu sein. In einer Mitteilung Kuhnkes heißt es: "Verleger von Jungeuropa ist Philipp Stein, ein Rechtsextremist. … Stein ist Leiter des rechtsextremen Gemeinschaftsprojekts "Ein Prozent für unser Land" und hat in dieser Funktion bereits öffentlich geschrieben, dass ich abgeschoben werden solle." Es sei absehbar, dass auch weitere Rechtsextreme die Messe besuchen würden. "Was die Gefahr für mich persönlich unübersehbar gegenwärtig macht", schreibt die Autorin.

Direktor der Frankfurter Buchmesse verteidigt Entscheidung

Buchmessen-Direktor Juergen Boos verteidigte die Entscheidung, den Stand des rechtsextremen Verlages zuzulassen. Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut, betonte er. "Die Buchmesse ist der Ort, der dafür steht. Und wir müssen leider auch Meinungen oder die Präsenz von Menschen aushalten, die ich nicht unbedingt gerne hier hätte." Die Buchmesse stehe für diesen möglichst offenen Diskurs. "Wir werden immer das ganze Spektrum hier haben, solange sich die Menschen hier zeigen wollen. Aber es muss uns nicht gefallen. Aber es muss möglich sein, weil für uns Meinungsfreiheit, the freedom to publish, das höchste Gut ist."

Schon 2017 hatte die Präsenz neurechter Verlage zu Protesten und einer Demonstration geführt.

mai/DPA

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