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CHRISTIAN GRAF VON KROCKOW: »Helden sind langweilig«

Der Politologe und Publizist Christian Graf von Krockow ist tot. Zum Bestseller-Autor wurde er vor allem mit Büchern über die Geschichte Preußens und Friedrich den Großen.

Der Politologe und Publizist Christian Graf von Krockow ist tot. Wie die Universität Göttingen mitteilte, starb der 74-Jährige am vergangenen Sonntag in einer Hamburger Klinik - zwei Monate vor seinem 75. Geburtstag - in Hamburg an den Folgen eines Herzinfarkts. Krockow hatte bis zu seinem Tod eine Honorarprofessur in Göttingen inne. Er schrieb zahlreiche Bücher, über die deutsche Geschichte und über politische Systemvergleiche.

Krockow stammt

aus einer pommerschen Adelsfamilie und landete nach der Flucht in Norddeutschlandland. Er studierte in Göttingen Soziologie, Staatsrecht und Philosophie. Später wurde er Professor in der Stadt am Rande des Harz, danach in Saarbrücken und Frankfurt am Main. Krockow reiste oft in die Sowjetunion, aber auch nach China, die USA und Japan.

Gewonnene Erfahrungen und Kenntnisse

verarbeitete der Politikwissenschaftler in fundierten Schriften zu internationalen Systemvergleichen. Ein breites Lesepublikum erschloss er sich in den 80er Jahren mit seiner Biografie Friedrichs des Großen, die 1986 zum 200. Todestag des Preußenkönigs erschien, und mit seinen Pommern-Büchern.

Das vollkommene irdische GlückZum Bestseller-Autor

wurde er vor allem mit seinen Sachbüchern über die Geschichte Preußens. Unter den meistgelesenen Titeln sind »Eine Warnung vor Preußen« (1981) und »Die Reise nach Pommern« (1983) sowie die Biografien »Friedrich der Große« (1984) und »Kaiser Wilhelm der II. und seine Zeit« (1999). Der Verlagsleiter von Hoffmann und Campe, Rainer Moritz, würdigte ihn als einen der wenigen Autoren aus der universitären Lehre, der es verstanden habe, Zeitgeschichte und biografisches Material so darzustellen, dass jeder dazu Zugang bekommen habe.

Bei Krockows Büchern stand stets ein Gedanke im Vordergrund: Nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs wollte der Autor über die Irrtümer und Verfehlungen der Deutschen aufklären. Die »Auseinandersetzung mit der nationalen Geschichte und dem Unstern, unter den sie geriet« ziehe sich als »basso continuo« durch sein komplettes Werk, schrieb der Berliner »Tagesspiegel« in einer Würdigung zu Krockows 70. Geburtstag 1997.

Nach seiner ersten Berufung auf einen Lehrstuhl

in Oldenburg 1960 lehrte er bis 1969 in Göttingen, Saarbrücken, Zürich und Frankfurt. Ein jähes Ende fand Krockows akademische Karriere ausgerechnet durch die aufbegehrenden Studenten der 68er- Generation, mit denen er nach eigenen Worten »nicht fertig wurde«.Krockow zog sich weitgehend vom Universitätsbetrieb zurück und dozierte nur noch gelegentlich. Die dadurch frei gewordene Zeit nutzte er für zahlreiche Studienreisen. Auch hier wird sein Interesse an Osteuropa deutlich: Gleich vier Mal bereiste er die Sowjetunion. Am Ende seiner Reisen standen meist Abhandlungen mit internationalen Systemvergleichen.

Auffällig an Krockows Werk ist

die große Zahl der Biografien. Neben den Büchern über Friedrich den Großen und Kaiser Wilhelm den II. verfasste er Abhandlungen über den britischen Staatsmann Winston Churchill und den »eisernen Kanzler« Otto von Bismarck. Darf man Krockow Glauben schenken, ging es ihm in seinen Biografien jedoch nicht um eine Stilisierung oder Heroisierung der jeweiligen Staatsmänner. Im FAZ-Fragebogen schrieb er auf die Frage nach seiner »Lieblingsgestalt in der Geschichte« die knappe Antwort: »Helden sind langweilig.«

(in Teilen: Florian Oertel, dpa)