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Henri Nannen Preis: Reporter in der Hölle des Irak

Mehr als 200 Journalisten wurden seit 2003 im Irak getötet, Hunderte sind geflohen. Zainab Ahmad berichtet weiter aus Bagdad. Für ihren mutigen Einsatz bekommt sie den Henri Nannen Preis für Pressefreiheit 2008.

Von Christoph Reuter

Patienten verschwanden spurlos aus den Krankenhäusern. Es gab Zeugen, Mittäter, andere Kranke. Das war der Beginn einer Recherche der Bagdader Reporterin Zainab Ahmad: Das irakische Gesundheitsministerium war in die Hände des schiitischen Radikalenführers Muqtada al Sadr geraten, und ab 2006 verschwanden plötzlich sunnitische Patienten aus den Hospitälern. Neue Hausmeister und Pfleger waren eingesetzt worden, es gab anonyme Hinweise, dass sie mehrere hundert Dollar boten für jeden neu eingelieferten Sunniten, der ihnen gemeldet wurde. Der dann abgeholt und umgebracht wurde.

Ein Skandal, bei dem sich in einem anderen Land Polizei, Staatsanwaltschaft, Klinikverwaltungen und Journalisten ein Wettrennen um die Aufklärung liefern würden.

Nicht so im Irak, wo Todesschwadronen in Polizeiuniform unterwegs sind. "Wir haben uns unter Kollegen erst einmal beraten, wer es überhaupt wagen kann, wo zu recherchieren", erinnert sich Zainab Ahmad. "Ein schiitischer Kollege hätte nicht Sunniten zu solch einem Thema befragen können. Ein sunnitischer Journalist wäre kaum lebend wieder aus dem Gesundheitsministerium herausgekommen. Überhaupt hätte man als Journalist dort sein Leben riskiert."

Jede Recherche kann das Leben kosten

Also zog ein sunnitischer Kollege behutsam Erkundigungen bei Freunden und Verwandten ein, ließ sich von einem Informanten zum nächsten vermitteln, bis er auf Angehörige Verschwundener stieß und schließlich auf einen alten Scheich, den ein schiitischer Freund in letzter Sekunde aus der Klinik bugsiert hatte - ein Freund, der selbst fliehen musste, als die Schergen nach dem entkommenen Sunniten suchten. Zainab Ahmad, obwohl Schiitin, ging nicht als Journalistin auf Recherche. Die studierte Mikrobiologin hörte sich diskret bei früheren Kollegen um, sammelte Indizien, mied jede offizielle Anfrage.

Denn Journalismus im Irak ist zu einer Art Spionage im eigenen Land geworden. Niemand schützt die schrumpfende Schar irakischer Reporter, deren simpler Anspruch, aufzuschreiben, was ist, einer Kriegserklärung an die herrschenden Verhältnisse gleichkommt. Wenn westliche Journalisten schreiben, man könne im Irak nicht mehr recherchieren, sondern müsse sich in die Obhut des US-Militärs begeben, dann ist dies falsch. Es geht auch anders, es geschieht anders. Aber der Preis ist furchtbar hoch. Mehr als 200 meist irakische Journalisten sind seit 2003 im Irak ums Leben gekommen, wohl mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Dabei war die Euphorie über die neu errungene Freiheit anfangs groß. Überall im Land entstanden neue Radiosender, Zeitungen, Dutzende allein in Bagdad. Im Herbst 2003 hatte die britische Hilfsorganisation Institute for War & Peace Reporting (IWPR) eine kleine Journalistenschule in Bagdad eröffnet. 2004 musste sie aus Sicherheitsgründen ins kurdische Sulaimanija umziehen, wo seither rund 500 Iraker den mehrwöchigen Basiskurs und Dutzende weitere Seminare durchlaufen haben. Von Ende 2006 bis Mitte 2007 war ich einer der Ausbilder: versuchte den Fortgeschrittenen Methoden und Wege investigativer Recherche zu vermitteln, ohne dabei in Lebensgefahr zu geraten.

"Wir wollen nicht in diesen Wahnsinn hineingezogen werden!"

Denn der Frühling der Pressefreiheit im Irak war kurz. Kaum hatten sie begonnen, wurden die Chronisten der neuen Freiheit zu Zeugen ihres Verschwindens. Die Journalisten von IWPR schrieben bald über bestellte Morde, ethnische Säuberungen, Gefechte, bei denen immer unklarer wurde, wer auf wen geschossen hatte.

In der Villa II, dem Schulgebäude mit Garten in Sulaimanija, hat es nie eine Rolle gespielt, wer Kurde, wer Sunnit, wer Schiit ist. "Wir wollen uns nicht darauf reduzieren lassen", sagt Zainab Ahmad. "Wir wollen nicht in diesen Wahnsinn hineingezogen werden!" Sie, eine Schiitin, hat Dawud, einen sunnitischen Ingenieur geheiratet. Früher war das normal, heute werden solche Paare von ihren Verwandten zur Scheidung gezwungen. Unter dem alten Regime hatte sich die 41-jährige Mutter zweier Kinder geweigert, der alles beherrschenden Ba'ath-Partei beizutreten. Damit war ihr im Irak Saddam Husseins jede Karriere verwehrt gewesen.

Doch sie hatte ein wenig vom Rest der Welt gesehen, ein paar Jahre in Malaysia gelebt: "Ich wusste, was Freiheit bedeutet. Und nach Saddams Sturz hatte ich gehofft, dass nun alles besser würde, dass Frauen mehr Rechte bekämen und wir frei über alles sprechen, berichten könnten."

Sie hat viel über den politischen Prozess in Bagdad geschrieben - die ersten Wahlen, den Weg zur neuen Verfassung -, aber auch über den sektiererischen Wahn und dessen bizarre Auswüchse. Zum Beispiel über den Makler in Bagdad, der sich darauf spezialisiert hat, Häuser zu vermitteln an Sunniten, die aus schiitischen Vierteln vertrieben wurden, und umgekehrt.

Wichtigste Quelle im Land

Mit Kopftuch und züchtigem Mantel ist Zainab Ahmad heute in Bagdad unterwegs, sorgsam jeden Schritt abwägend: Welche Geschichte kann noch unter dem eigenen Namen veröffentlicht werden, welche auf keinen Fall? Eine Recherche zum ständigen Konflikt zwischen den Besitzern von Stromgeneratoren, die gegen Gebühr ihre Nachbarschaft versorgen, und deren Kunden war ungefährlich. Eine Recherche über die Operationen schiitischer Milizen ist lebensgefährlich.

Ruft man die Reporter an, nimmt oft niemand ab, Minuten später kommt eine SMS: "Ruf mich in einer Stunde an, kann jetzt kein Englisch reden." Aber trotz aller Schwierigkeiten sind die irakischen Reporter imstande zu recherchieren, wo kein ausländischer Kollege mehr hinkommt, sie sind zur wichtigsten Quelle für das geworden, was im Land wirklich geschieht. Lange, fast drei Jahre lang, ging für die IWPR-Reporter alles gut. Ein paar wurden von US-Truppen festgenommen, geschlagen, ihre Ausrüstung wurde zerstört, aber niemand kam ums Leben.

Dann ging es nicht mehr gut. "Ich möchte ein genauer Reporter sein", hatte Kamal Manahi aus Bagdad gesagt. Er wurde am 26. März 2006 von US-Scharfschützen getötet, als er zwischen die Fronten geriet. Er hatte es nicht gewagt, seiner Familie zu erzählen, dass er Journalist geworden war, er hatte sie im Glauben gelassen, er sei weiterhin Taxifahrer.

"Ich werde vorsichtig sein", hatte Yasin al Dulaimi aus Ramadi seiner Frau versprochen. Er starb am 26. Dezember 2006. Er war gerade nach Bagdad zu seiner Schwester gezogen, weil die Lage in Ramadi für ihn zu unsicher geworden war.

Sie wollte nicht fortlaufen

"Ich werde mich nicht vertreiben lassen", hatte Sahar al Haidari beschlossen. Sie wurde im Morgenlicht des 7. Juni 2007 vor ihrem Haus in Mosul erschossen. Jener Stadt, die US-General David Petraeus 2004 als leuchtendes Beispiel der Befriedung gepriesen hatte. Die nach seinem Abzug aber im Krieg der Banden versank, von denen niemand mehr zu sagen vermochte, wer schlicht Krimineller war, wer zur al Qaeda zählte oder wer die Anarchie nutzte, seinen ganz privaten Größenwahn mithilfe einiger Bewaffneter auszuleben.

Sahar al Haidari war früher Lehrerin gewesen. Eine resolute 44-Jährige, die einfach über den Aufbruch in den freien Irak schreiben wollte - und sich damit die Todfeindschaft der Radikalen zuzog.

Ihren Mann und die vier Töchter hatte sie bereits nach Syrien in Sicherheit gebracht. Sie selbst pendelte zwischen dem IWPR-Haus in Sulaimanija, Damaskus und Häusern von Freunden.

Sie war keine Kriegsreporterin. Der Krieg kam einfach zu ihr, und sie wollte nicht fortlaufen: "Wenn ich mich von diesen Terroristen vertreiben lasse, die meine Kinder sein könnten, dann haben die doch gewonnen."

Niemand weiß, warum sie am Abend des 6. Juni in ihr Haus nach Mosul fuhr. Aber eine Nacht genügte den allgegenwärtigen Spitzeln zum Verrat. Im Morgengrauen postierte sich das Killerkommando. Als Freunde nach ihrem Tod ihre Nummer wählten, nahmen die Mörder ab: "Sie ist zur Hölle gefahren."

Der Irak ist das Dorado der Geschichten - nur, dass nicht mehr viele da sind, sie aufzuschreiben.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?