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Online-Lexikon: Wikipedia ist druckreif

Von Carla Bruni bis Dr. House: Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia gibt es ab Herbst auch in Papierform. Das Online-Nachschlagewerk soll im September erstmals als Jahrbuch erscheinen. Auf vollständiges Wissen von A bis Z müssen die Leser jedoch verzichten.

Das Bertelsmann Lexikon Institut will ein Wikipedia-Lexikon in Buchform herausbringen. Das Nachschlagewerk auf Basis der gleichnamigen Online-Enzyklopädie werde ab September im Buchhandel erhältlich sein, teilte Bertelsmann von der Verlagsgruppe Random House (München) in Gütersloh mit. Es solle die am häufigsten recherchierten Suchbegriffe des von den Nutzern selbst erstellten Online-Lexikons verzeichnen. Bei 15 Millionen Nutzern im Monat dokumentiere es auch stark den Zeitgeist, sagte die Leiterin des Bertelsmann Lexikon Instituts, Beate Varnhorn.

Das Lexikon wird eine bunte Mischung vereinen: Die hessische SPD-Chefin "Andrea Ypsilanti" soll in dem 19,95 Euro teuren Buch ebenso zu finden sein wie die Hamburger "Reeperbahn", "Playstation 3" oder die "Bewohner Entenhausens". Das gleiche gilt für Begriffe wie die Münchner "Allianz-Arena" und die US-Fernsehserie "Dr. House" sowie "Carla Bruni", die inzwischen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy verheiratet ist.

Kein Wissen von A bis Z

Anders als ein klassisches Lexikon listet das Wikipedia-Buch nicht Wissen von A bis Z auf. Es seien Stichworte enthalten, die man in einem normalen Lexikon nicht finden werde, sagte Varnhorn. 50.000 Stichwörter und erklärende Begriffe sowie 1000 Bilder im Vierfarb-Druck soll das knapp 1000 Seiten starke Werk nach Verlagsangaben aufführen. Es werde aber nicht vollständige Artikel wiedergeben, sondern mit knappen Definitionen einen schnellen Zugriff auf ein Basis-Wissen ermöglichen, erläuterte Wikipedia-Sprecher Arne Klempert. Dabei setzt der Verlag nach Angaben Varnhorns auf Seriosität: Eine Redaktion habe die Wikipedia-Artikel überprüft und Schwächen ausgebessert.

Als Zielgruppe hat der Verlag neben Online-Nutzern auch Haushalte im Blick, die keinen Internet-Anschluss haben oder nicht ständig online sind. Ein Buch sei immer verfügbar, sagte Varnhorn, die auch einen Vergleich mit der französischen Enzyklopädie "Le Petit Larousse" wagt. Außerdem setzt Varnhorn auf Wissenshungrige, die in einem Lexikon gerne schmökern. Das Interesse an einbändigen Lexika sei sehr stark, sagte die Verlagsleiterin und schließt auch regelmäßige Neuauflagen nicht aus. "Wir haben sehr optimistische Auflagenerwartungen."

Idee für den Ein-Bänder hatte ein Wikipedia-Autor

Wikipedia-Sprecher Klempert beschrieb das Buch als "ein Angebot an die Allgemeinheit". "Wir freuen uns, dass ein so großer Verlag vom Angebot zur Weiterverbreitung der Wikipedia-Inhalte Gebrauch macht." Damit werde gezeigt, dass freie Lizenzen auch eine Chance für Verlage seien, diese kommerziell weiterzuentwickeln. Wer Wikipedia beitrete, habe einer kommerziellen Nutzung grundsätzlich zugestimmt, meinte Klempert. Die von den Wikipedia-Autoren aufgestellten Spielregeln seien jedoch auch für Bertelsmann verpflichtend. Alle Inhalte des Lexikons seien frei zugänglich. Die Urheberrechte könnten nicht "remonopolisiert" werden. Bertelsmann ist nach Angaben Klemperts mit dem Lexikon-Projekt an Wikipedia herangetreten. Die Idee für den Ein-Bänder stamme aber von einem Wikipedia-Autor.

Die Wikipedia-Foundation wurde vor fünf Jahren in den USA gegründet mit dem Ziel, ein Online-Lexikon mit Hilfe der Nutzer zu erstellen. In Deutschland gibt es laut Wikipedia mehr als 10.000 regelmäßige Schreiber.

DPA/AP / AP / DPA