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Spiel des Jahres 2008: Den Kelten auf der Spur

Sie gilt als der Oscar unter den Spieleerfindern. Nun wurde die begehrte Auszeichnung "Spiel des Jahres" zum 30. Mal verliehen. Gekürt wurden gleich zwei Gesellschaftsspiele des preisgekrönten Autoren Reiner Knizia. Wie sprechende Tiere und keltische Lebensweisheiten die Jury überzeugen konnten.

"Jeder Mensch beginnt im Negativen, aber mit jedem Schritt voran gelangt er ins Positive." An dieser alten keltischen Weisheit orientiert sich das Strategiespiel "Keltis", das zum Spiel des Jahres 2008 gekürt wurde. "Keltis" sei spannend und habe kurze, eingängige Spielregeln, hieß es in der Jurybegründung. Vor allem lobten die Kritiker den spannenden Sprint über Steinpfade wegen seines hohen "Wiederspielreizes".

Inhalt des Spiels ist ein Wettlauf auf fünf verschiedenen Rennbahnen. Wer am Ende seine Spielsteine auf den verschiedenen Bahnen am weitesten nach vorn gebracht hat, gewinnt. Dazu müssen Karten in den Farben der Steinpfade ausgespielt werden. Je weiter die Figuren kommen, desto mehr Punkte bringen sie am Ende ein. Jedes Mal muss entschieden werden, ob eine Kartenreihe fortgeführt, eine neu begonnen oder eine Karte abgeworfen wird. Man muss aber aufpassen, denn die abgeworfenen Karten können den Mitspielern nutzen.

An dem Zug- und Kartenspiel gefiel den Testern besonders, dass Regeln und Spielzeit kurz sind. Eine Partie dauert etwa 30 Minuten und ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Jurysprecher Stefan Ducksch erklärte, auch wenn Grafik und Spieltitel ein Gesellschaftsspiel mit geschichtlichem Schwerpunkt versprächen, stecke doch ein einfaches abstraktes Spiel für mehrere Generationen drin.

Begehrte Auszeichnung zum 30. Mal verliehen

Der begehrte Kritikerpreis "Spiel des Jahres" wurde zum 30. Mal seit 1978 verliehen. In die Endauswahl waren fünf Spiele gelangt. Neben "Keltis" (Kosmos, 27 Euro) waren "Blox" (Ravensburger, 30 Euro), "Stone Age" (Hans im Glück, 34 Euro), "Suleika" (Zoch, 30 Euro) und "Wie verhext!" (alea/Ravensburger, 20 Euro) nominiert. Ducksch bezeichnete die Auswahl als ausgeglichen und sehr vielfältig. Den Sonderpreis "Komplexes Spiel" erhielt "Agricola" (Heidelberger Spieleverlag, 40 Euro) von Uwe Rosenberg. Dieses Entwicklungsspiel ist für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet und dauert zwei Stunden. Die Spieler werden ins 17. Jahrhundert versetzt: Tiere müssen gehütet, Zäune und Ställe gebaut, Äcker bestellt werden. Das Spiel stelle wegen seiner Materialfülle und der ausführlichen Regeln hohe Ansprüche an die Spieler. Sie würden dafür in jeder Partie aufs Neue mit einer faszinierenden Spielewelt belohnt, erklärte die Jury.

Elektronisches Brettspiel für Kinder

Autor Reiner Knizia konnte sich doppelt freuen. Denn nicht nur das von ihm entwickelte "Keltis" bekam einen Hauptpreis: Sein elektronisches Brettspiel "Wer war's?" für Kinder ab sechs Jahren gewann die Auszeichnung für das beste Kinderspiel 2008. Was die Kinderspiel-Kritiker vor allem überzeugte, war die gelungene Kombination aus Brettspiel und Technik. "Wer war's?" (Ravensburger, 35 Euro) sei ein spannendes Abenteuer mit sprechenden Tieren und einer elektronischen Schatztruhe, begründeten die Juroren ihre Wahl. Schon fünfjährige Kinder ließen sich gebannt auf "dieses kooperative Detektiv-Abenteuer" ein und erlebten in der Gruppe Erfolg oder Misserfolg. Geeignet ist das 30 Minuten dauernde Spiel für zwei bis vier Kinder. Die Mitspieler sind aufgerufen, in einem Schloss das Geheimnis der sprechenden Tiere zu lüften und einen Dieb zu finden.

Denn auf dem Schloss herrscht große Aufregung: Der magische Ring des Königs wurde gestohlen. Dieser Ring beschützt das Königreich vor dem bösen Zauberer. Die Tiere des Schlosses haben den Dieb beobachtet. Aus der Truhe sprechen sie und können Hinweise zu seinem Aussehen geben. Die Mitspieler müssen zusammenhalten - nur so können sie den magischen Ring wiederfinden - ein spannendes Abenteuer mit pädagogischem Konzept. Faszinierend ist, dass auch Eltern sich diesem Sog nicht entziehen können und sich gern an der fieberhaften Suche nach dem Täter beteiligen", urteilte die Jury. Sie vergab den Kinderspielpreis zum achten Mal.

Neben dem Sieger waren die Spiele "Capt'n Sharky - Abenteuer auf der Schatzinsel" (Coppenrath, 25 Euro), "Didi Dotter" (Zoch, 32 Euro), "Fluss der Drachen" (Kosmos, 30 Euro) und "Geisterjäger" (Haba, 25 Euro) nominiert. Juror Wieland Herold sagte, niemals zuvor sei die Qualität bei den Kinderspielen so hoch gewesen. Alle fünf Spiele böten einen leichten Zugang. Layout und Gesamtgestaltung ließen sie zu Spielerlebnissen werden. Jedes Jahr werden Gesellschaftsspiele besonderer Qualität mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. Eine originelle Spielidee, Verständlichkeit des Regelwerks, Layout und Design sind die entscheidenden Kriterien für die Preisvergabe.

AP/DPA / AP / DPA
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