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"Schlacht um Mittelerde 2": Helden aus der zweiten Reihe

In Tolkiens Fantasy-Saga nur eine Randnotiz, beim PC-Strategiespiel "Herr der Ringe: Schlacht um Mittelerde 2" Grundlage für ein optisch famoses Spektakel: der Krieg von Elben und Zwergen gegen die Armeen Saurons.

Beeindruckend gleich nach Spielstart: die audiovisuelle Präsentation des Strategiespiels. War schon der erste Teil, in dem unter anderem die wichtigsten Schlachten der Filmtrilogie nachgeschlagen werden konnten, ein echter Eye-Catcher, bleibt nun selbst verwöhnten Zockern angesichts der detailverliebten Inszenierung die Spucke weg. Vorausgesetzt natürlich, es verrichtet ein potenter PC mit moderner Grafikkarte seinen Dienst.

Optischer Leckerbissen

Von einem kleinen Makel - dem körnigen Schattenwurf der Einheiten - einmal abgesehen, erstrahlt Mittelerde in modernstem Shader-Glanz. Vom faulen Minengoblin, der eine Kopfnuss von seinem Boss bekommt, über das famos dargestellte Wasser bis hin zum lodernden Schwert des Balrog brennt EA zum gewohnt bombastischen Soundtrack ein Effektfeuerwerk ab, das so schnell keiner toppen kann.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2

Hersteller/Vertrieb

Electronic Arts

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Nicht ganz so überzeugend ist der Spielumfang: Bereits nach wenigen Stunden und vielen atmosphärischen Zwischensequenzen sind die beiden Solo-Kampagnen durchgezockt. Wie beim Vorgänger dürfen nicht nur die freien Völker Mittelerdes (Menschen, Elben, Zwerge), sondern auch die Truppen Saurons zum Sieg geführt werden. Acht Missionen pro Partei sind - zugegeben - nicht gerade viel, wurden zum Glück aber recht abwechslungsreich gestaltet. Mal müssen die Zwerge einen fiesen Drachen erlegen, mal dürfen sich die Schergen des dunklen Herrschers über das Auenland hermachen. Die neuen Seeschlachten haben indes eine reine Alibi-Funktion.

Überall freies Bauland

Und wenn man schon bei den Innovationen ist: Gebäude wie Kasernen, Schmieden und Minen dürfen nun überall auf der Karte platziert werden. Wir erinnern uns: Im Vorgänger war dies nur an vorbestimmten Stellen möglich. Völlig sinnlos scheinen indes die Formationen der eigenen Einheiten zu sein. Kommt es zum Kampf, purzeln Axt-Werfer, Pikeniere und Reiter wieder hoffnungslos übereinander. Da hilft auch die neue Planungsfunktion wenig, die sie sich beim Test schlicht als überflüssig erwiesen hat.

Um das Überleben der eigenen Mannen dennoch zu gewährleisten, braucht es Upgrades: Feuerpfeile, Sturmhämmer, Mithrilrüstungen. Oder die außergewöhnlichen Talente eines Helden. Oder die so genannten Feldherren-Fähigkeiten - teils mächtige, teils faule, aber stets spektakuläre Zauber, die nicht selten das Blatt in einer Schlacht wenden. So lassen Gutmenschen einen Meteroiten-Schauer auf Orks und Olifanten nieder und spülen den Abschaum mit einer Flutwelle hinfort, während die Diener Saurons einen Feuer spuckenden Wurm, ein ekliges Tentakelvieh oder gleich den Balrog beschwören.

Am Ende ist nicht Schluss

Dennoch macht sich nach dem ersten rauschhaften Durchspielen der Gedanke breit, ob das schon alles war. Keine Bange, war es nicht. Schließlich wartet noch der Ringkrieg-Modus - eine zweifellos nette "Risiko"-Adaption, in der 38 Provinzen rundenweise erobert werden wollen, sich die KI aber als nicht gerade ebenbürtiger Gegner entpuppt. Last but not least: die Einzelgefechte, die sich sowohl gegen den (nur hier) clever agierenden Computer als auch menschliche Kontrahenten ausfechten lassen. Sechs unterschiedliche, aber gut ausbalancierte Völker stehen dabei zur Auswahl, von denen jedes über besondere Talente verfügt: Elben, Zwerge, Menschen, Goblins (können über Mauern klettern), Saurons Streitkräfte und Sarumans Armee der weißen Hand. Cool: Wer will, darf sich zuvor einen Helden per Editor erstellen und diesen in die Schlacht führen.

Keine Frage: EAs neuerlicher Ausflug nach Mittelerde ist ein mitreißender - trotz einiger ärgerlicher Schwachpunkte (Kampagnen-KI), die sich mit Leichtigkeit hätten vermeiden lassen. So manches Feature verdient sich das Prädikat "Gut gemeint, aber nur halbgar umgesetzt" (Seeschlachten, Formationen). Dennoch: Echtzeitstrategen mit Fantasy-Faible dürfen beruhigt zugreifen. Bis zum Release von "SpellForce 2" im April bietet "Schlacht um Mittelerde 2" genügend Kurzweil.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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