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Trauer um Nobelpreis-Träger: Harold Pinter (78) erliegt Krebsleiden

Am Mittwoch ist der Brite Harold Pinter, einer der herausragenden Dramatiker seiner Generation, in London an Krebs gestorben. 2005 hatte er den Literatur-Nobelpreis erhalten, auch wegen seines Engagements in Sachen Menschenrechte.

Pinter gilt als einer der wichtigsten Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2005 wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen "Das Zimmer", "Die Geburtstagsfeier" und "Der Stumme Diener" sowie vor allem "Der Hausmeister" aus dem Jahre 1959 und "Die Heimkehr" von 1964. Der Dramatiker wurde am 10. Oktober 1930 als Sohn eines jüdischen Damenschneiders in Hackney im Londoner East End geboren.

Seine Laufbahn begann er als Schauspieler. Ab 1954 spielte Pinter unter dem Bühnennamen David Baron vorwiegend Shakespeare-Rollen an englischen Provinzbühnen. 1957 erregte er erstmals Aufmerksamkeit als Autor mit dem Einakter "Das Zimmer" und ein Jahr später mit "Die Geburtstagsfeier".

Im Mittelpunkt standen schon damals Kommunikationsverlust und Identitätszerfall sowie der Machtkampf in zwischenmenschlichen Beziehungen. Der große Durchbruch kam 1960 mit seinem Dreipersonenstück "Der Hausmeister". Darin geht es um einen alten Mann, der mit gezielten Manipulationen die ohnehin prekäre Beziehung zwischen zwei Brüdern gänzlich gefährdet. Seine Bedeutung erklärte das Nobelpreiskomitee vor drei Jahren folgendermaßen: "Pinter führte das Theater auf seinen elementaren Ursprung zurück, den geschlossenen Raum und den nicht vorhersehbaren Dialog, wo die Menschen einander ausgeliefert sind und die Verstellung zerfällt. Bei einem Minimum von Intrigen entspringt das Drama dem Machtkampf und Versteckspiel des Wortwechsels."

Kritiker des Irak-Kriegs

In der Begründung des Nobelpreis-Kommittees wurde Pinters lebenslanges Engagement für die Menschenrechte gewürdigt, das sich nach 1973 auch in seinen Werken immer stärker widerspiegele - etwa in "Niemandsland" (1974) oder "Asche zu Asche" (1996). Dies könne als Weiterentwicklung seiner frühen Analyse von Drohung und Willkür auf der politischen Ebene aufgefasst werden. Pinter war einer der prominentesten britischen Kritiker des Irak-Kriegs. Er schäme sich dafür, dass sein Land sich dem Kriegskurs der Vereinigten Staaten anschließen wolle, sagte er 2002 der BBC. Nach Kriegsbeginn im März 2003 veröffentlichte er eine Sammlung von Anti-Kriegs-Gedichten, und ein Jahr später stellte er sich an die Spitze einer Kampagne, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen den britischen Premierminister Tony Blair forderte.

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