HOME

Literatur-Nobelpreisträger: Pinter will Bush vor Gericht sehen

Verbrecherisch und unbarmherzig - mit diesen Worten hat Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter die US-Politik seit 1945 gegeißelt. Die Invasion im Irak ist für ihn ein "Akt von Staatsterrorismus" und ein Fall für den Internationalen Gerichtshof.

Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter (75) hat den USA am Mittwoch systematische Verbrechen mit hunderttausenden Toten und der brutalen Unterjochung zahlreicher Staaten vorgeworfen. In einer Videobotschaft sagte der krebskranke britische Dramatiker drei Tage vor der Verleihung der Nobelpreise in Stockholm über die Politik Washingtons nach dem Zweiten Weltkrieg: "Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig."

Wegen der Invasion im Irak verlangte der Nobelpreisträger einen Kriegsverbrecher-Prozess gegen US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Die Invasion sei ein "Banditenakt" sowie ein "Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus" gewesen, bei dem der Tod von mindestens 100.000 Irakern für US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair eine "bedeutungslose Lappalie" sei. "Wie viele Menschen muss man umbringen, bevor man qualifiziert ist, als Massenmörder und Kriegsverbrecher bezeichnet zu werden? Hunderttausend?", fragte er.

"Das Herz des Landes infiziert"

Der Autor hatte seine Rede am Wochenende unmittelbar vor seiner Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus in einem TV-Studio eingespielt. Schon vorher hatten Ärzte ihm für Samstag die Teilnahme an der Verleihungszeremonie mit dem schwedischen König Carl XVI. verboten.

Pinter sagte in seiner einstündigen Rede, die USA hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der "asymmetrischen Kriegführung" ("Low Intensity Conflict") unterjocht. Auch dabei seien tausende von Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. "Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht", meinte Pinter.

Darüber hinaus hätten die seit dem Zweiten Weltkrieg jede rechtsgerichtete Militärdiktatur in der Welt unterstützt. Dies sei jedoch stets unter dem Vorwand geschehen, man wolle das Wohl der Menschheit fördern. Dem irakischen Volk seien Folter, Streubomben, Elend, Demütigung und Tod gebracht worden, wenngleich behauptet werde, man bringe dem Nahen und Mittleren Osten Freiheit und Demokratie. Pinter sprach von einem "brillanten, fast schon geistreichen und höchst erfolgreichen Akt der Massenhypnose".

Verleger nimmt den Preis entgegen

Dem mit Theaterstücken wie "Der Hausmeister" (1960) berühmt gewordenen Dramatiker war der mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Nobelpreis im Oktober zuerkannt worden. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, dass Pinter "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist". Da der 75-Jährige wegen Kehlkopfkrebs im Krankenhaus liegt und nicht zur Verleihung nach Stockholm kommen kann, wird sein Verleger Stephen Page den Literaturnobelpreis entgegennehmen.

DPA/AP / AP / DPA