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Trauer um richtungsweisenden Denker: Rechtsphilosoph Ronald Dworkin gestorben

Der Rechtsphilosoph Ronald Dworkin ist tot. Er zählte zu den einflussreichsten Denkern unserer Zeit. Bekannt wurde er vor allem durch seine Theorie des "law as integrity".

Der Beginn der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung könnte das Lebensmotto des Ronald Dworkin gewesen sein: "Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich", heißt es im zweiten Absatz, dass "alle Menschen mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind". Genau diese Auffassung vertrat der Rechtsphilosoph: Dass Individuen Rechte haben, die nicht explizit festgeschrieben sein mussten. Mit 81 Jahren ist der New Yorker Dworkin, der zu den einflussreichsten Denkern unserer Zeit gehörte, am Donnerstag in London gestorben, wie sein deutscher Verlag Suhrkamp mitteilte.

Der Philosoph wurde vor allem durch seine Theorie des "law as integrity" bekannt. Darin wandte er sich gegen den sogenannten Positivismus in der Rechtsprechung. Diese Schule sieht Rechte von Bürgern nur dann als gegeben, wenn sie zuvor von der Gemeinschaft in Gesetzestexten festgehalten wurden, etwa in Grundrechtekatalogen, wie sie die Verfassung der USA und Deutschlands kennen.

Dworkin vertrat hingegen die Ansicht, dass jeder Mensch gewisse natürliche Rechte habe, die so nicht extra festgeschrieben werden müssten. Allein die Würde des Menschen genüge, um solche Rechte selbstverständlich zu machen - allen voran natürlich die grundlegenden Menschenrechte. Entsprechend hatten seine Theorien auch gerade in der Diskussion um Bürgerrechte - ob nun in der Sowjetunion und China, Südafrika oder in den USA und auch in Europa - erheblichen Einfluss.

Einfluss in der Diskussion um Bürgerrechte

"Er ist ein Solitär sowohl im Kreise der Rechtsgelehrten wie der Philosophen", hatte der Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas 2006 in seiner Laudatio gesagt, als der Amerikaner den Bielefelder Wissenschaftspreis bekam. "Er genießt große Reputation unter den öffentlichen Intellektuellen seines Landes und er ist ein begnadeter politischer Redner."

Dworkin habe den "Eigensinn" des Rechts verteidigt. "Er kämpft nicht nur gegen Rechtspositivisten, die die moralischen Gehalte des Rechts neutralisieren, sondern auch gegen Rechtsrealisten, die das Recht an die Politik angleichen und es als ein weiteres Instrument zur Gestaltung der Zukunft gebrauchen." Justiz sei eben nicht einfach nur ein Mittel: "Wer Rechte ernst nimmt, darf sie nicht gegen unerwünschte Konsequenzen abwägen."

2012 war Dworkin unter den Trägern der hoch dotierten Wissenschaftspreise der Internationalen Balzan-Stiftung. Die Vergabe des Preises für Theorie und Philosophie des Rechts galt seinen wesentlichen Beiträgen zur Rechtswissenschaft. Diese zeichneten sich durch profunde Analyse, originelle Forschung und Klarheit in der Darlegung aus, hieß es.

Dworkin litt an Leukämie. Er hinterlässt seine Frau, eine Tochter und einen Sohn.

vale/DPA / DPA