HOME

Deutsche Freizeitparks: Made in Amiland

Die amerikanischen Freizeitparks sind dreidimensionale Filmsettings. Nicht nur das haben deutsche Themenparks vom amerikanischen Vorbild abgeguckt.

Die Entwicklung der Freizeit- und Themenparks in Deutschland ist nach Expertenmeinung entscheidend vom Vorbild der Disney-Parks beeinflusst. "Die Geschichte der Themenparks fängt mit Disney an", sagte der Münchner Tourismuspsychologe Jürgen Kagelmann. Ideen wie jene, die Parks thematisch auszurichten oder Hotels in die Anlagen zu integrieren, seien von den großen US-Vorbildern übernommen worden. Allerdings seien die Parks dort stets wesentlich stärker Teil der Alltagskultur gewesen als in Deutschland.

"Durch Disney haben die Veranstalter gelernt, ihre Angebote zu thematisieren und zu inszenieren", sagte Kagelmann. Walt Disneys wesentliche Idee sei es vor 50 Jahren gewesen, seine Filme und Comics in den Freizeitparks dreidimensional darzustellen. "Der Besucher geht also nicht mehr nur in irgendwelche Achterbahnen oder Karussells, sondern das Angebot knüpft an die Populärkultur an", beschreibt der Experte den Unterschied. "Das waren quasi dreidimensionale Filmsettings."

Die deutschen Parks hätten allerdings ungünstigere Ausgangsvoraussetzungen gehabt, weil sie anders als Disney nicht über einen bereits etablierten Fundus mit bekannten Figuren und Charakteren verfügten. "Sie versuchen alle, eigene Figuren zu etablieren - das ist aber nicht so erfolgreich", sagte Kagelmann.

Erst langsam vom Jahrmarktimage befreit

Viele deutsche Anbieter hätten daher ihre Parks jeweils unter ein übergreifendes Motto gestellt. Den Anfang habe damit der 1975 eröffnete Europa-Park in Rust bei Freiburg gemacht, der heute Deutschlands größter Park ist. "Die Betreiber haben sich das Anfang der 70er Jahre in Amerika abgeschaut", sagte Kagelmann. Anstelle von Comicfiguren setzten sie darauf, europäische Regionen zu inszenieren. Auch die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten auf eigene Hotels und zusätzliche Angebote wie Kongresse oder Fernsehshows auf dem Gelände komme aus den USA. "Das hat Disney ja in Perfektion vorgemacht. Nur über die Eintritte kann sich heute kein Park mehr finanzieren."

Die Anlagen in Deutschland hätten sich allerdings nur langsam von ihrem schlechten Image befreien können. Sie seien lange als feste Jahrmärkte betrachtet worden, sagte Kagelmann. Entsprechend seien sie vom schlechten Ruf des Schaustellergewerbes belastet gewesen. "Erst im Laufe der 80er und 90er Jahre haben sie wirklich ein besseres Image bekommen", sagte Kagelmann.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel