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100 Jahre Edith Piaf: Nein, sie bereute nichts

Die Chansonsängerin Edith Piaf wurde nur 47 Jahre alt. Ihre Lieder "Non, je ne regrette rien" oder "La vie en rose" sind weltbekannte Klassiker. Heute wäre "der Spatz von Paris" 100 Jahre alt geworden. 

Edith Piaf bei einem Auftritt 1949

Edith Piaf bei einem Auftritt 1949

Nach den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris sang Madonna auf einem Konzert in Stockholm "La vie en rose", Céline Dion trat bei den American Music Awards mit "L'hymne à l'amour" auf, um den Toten der Attentate zu gedenken. Edith Piafs Chansons wurden wie die Marseillaise weltweit genutzt, um Trauer und Anteilnahme mit den Opfern und Hinterbliebenen der Angriffsserie zu bekunden.

Dass Popstars von heute gerade ihre Lieder wählten, um Mitgefühl und Trauer auszudrücken, ist durchaus logisch. Dies hat allerdings nicht nur damit zu tun, dass Piaf geborene Pariserin war. Die französische Ikone hatte die Gabe, die Menschen mit ihrer Stimme mitten ins Herz zu treffen. "Meine Chansons, das bin ich, das ist mein Fleisch, mein Blut, mein Kopf, mein Herz, meine Seele", schrieb sie einst in ihren Memoiren.

Ihr Spitzname "der Spatz von Paris" rührt weder von ihrer geringen Größe von nur 1,47 Metern, noch von ihrer Stimme her: Das Wort "piaf" bedeutet im umgangssprachlichen Französisch Spatz.

Die Piaf und die Männer

Die Sängerin war mit französischen Künstlern wie dem Dichter Jean Cocteau, Schauspieler Yves Montand und Chansonnier Charles Aznavour befreundet und förderte deren Karrieren. Sie hatte zahlreiche Liaisons, doch blieb sie nie lange an der Seite eines Mannes. Ob mit dem Boxer Marcel Cerdan, Radrennfahrer Louis Gerardin oder dem wesentlich jüngeren Komponisten Georges Moustaki - mit keinem hielt es auf lange Sicht. Besonders tragisch endete die Beziehung zu Cerdan: Der Boxer stürzte 1949 mit dem Flugzeug ab und verstarb. Piaf hatte ihn dazu gedrängt, den Flieger zu nehmen und nicht per Schiff nach New York zu reisen, wo sie zu dieser Zeit Auftritte absolvierte. Dieser Verlust sowie gebrochene Knochen nach einem Autounfall, bei dem Georges Moustaki den Wagen fuhr, brachten die Piaf zum Morphium. Von dieser Sucht kam sie zu Lebzeiten nicht los, ebenso wenig wie vom Alkohol. 

Davon gezeichnet und an Krebs erkrankt, stieg der Spatz noch ein letztes Mal auf, über die Dächer von Paris, und eroberte die ganze Welt mit ihrem Chanson "Non, je ne regrette rien" - und das nur drei Jahre vor ihrem Tod. Das von Charles Dumont komponierte Stück war Piaf wie auf den Leib geschneidert. "Das bin ich! Das ist es, was ich fühle, was ich denke! Mehr noch, es ist mein Testament", sagte die Sängerin ihrer Freundin Simone Berteaut.

Ihre Mutter, eine Straßensängerin, verließ die kleine Edith im Alter von gerade einmal zwei Jahren. Sie wuchs bei ihrer Großmutter väterlicherseits auf, die ein Bordell betrieb. Ihr Vater war Alkoholiker und schlug sie. Als Piaf knapp 20 Jahre alt war, starb ihre zweijährige Tochter Marcelle an einer Hirnhautentzündung.

Ihr letzer Wunsch ging in Erfüllung - irgendwie

Doch Edith Piaf gab nie auf und sang noch bis kurz vor ihrem Tod den Schluss von "Non, je ne regrette rien" voller Inbrunst: "Nein, ich bereue gar nichts! Nicht das Gute, nicht das Schlechte, das ist mir alles egal!"

Im Alter von 47 Jahren verstarb Edith Piaf am 10. Oktober 1963 in Placassier im Süden Frankreichs an den Folgen einer Leberzirrhose. In ihrer Sterbeurkunde sind jedoch als Todestag der 11. Oktober 1963 und als Ort Paris eingetragen. Die Legende will es so, dass ihr letzter Ehemann Théo Sarapo mit dem Leichnam Hunderte Kilometer durch Frankreich fuhr, um Piafs Wunsch, in Paris zu sterben, doch noch gerecht zu werden. Ihr Leibarzt stellte den Totenschein aus - und somit starb Edith Piaf offiziell am 11. Oktober 1963 in Paris.

mah/DPA