HOME

Karikatur: "Charlie Hebdo" verhöhnt Erdbeben-Opfer - Italiener reagieren erbost

Das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" hat in einer Karikatur die Erdbebenopfer von Amatrice als Nudelgerichte dargestellt. Die Reaktionen in Italien: Fassungslosigkeit und Wut. Die französische Botschaft distanziert sich.

Charlie Hebdo

Ausgaben von "Charlie Hebdo" in einem Kiosk - das französische Satire-Magazin hat jetzt in Italien für Empörung gesorgt

Beim verheerenden Erdbeben in Mittelitalien sind Ende August in der Region von Amatrice mindestens 294 Menschen ums Leben gekommen. Die französische Satire-Zeitung nahm die Katastrophe jetzt zum Anlass für eine Karikatur: Unter der Überschrift "Erdbeben auf italienisch" werden die Erdbebenopfer als Nudelsorten dargestellt: ein verletzter, blutverschmierter Mann ("Penne mit Tomatensauce"), eine Frau mit Verbrennungen ("Penne überbacken") und zwischen Steinschichten zerquetschte Menschen ("Lasagne") gezeigt.

Mit Wut und Fassungslosigkeit wurde die Pietätlosigkeit in Italien aufgefasst. Als "ekelhaft und peinlich" bezeichnete der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, das Bild: "Wie ist es möglich, einer Karikatur über Tote zu veröffentlichen?", sagte er in lokalen Medien. Die französische Botschaft in Rom distanzierte sich: "Die von 'Charlie Hebdo' veröffentlichte Zeichnung repräsentiert absolut nicht die Haltung Frankreichs." Auch in den sozialen Netzwerken ist die Empörung allgemein groß, die Hashtags #JeNeSuisPasCharlie und #IoNonSonoCharlie machen die Runde.

Erdbebenopfer: "Charlie Hebdo" legt noch mal nach

Als Antwort auf die Reaktionen legte "Charlie Hebdo" via Facebook eine weitere Karikatur nach: In der "Zeichnung des Tages" ist eine schwerverletzte Frau zu sehen, die sich aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses befreit. Sie sagt: "Italiener – nicht 'Charlie Hebdo' baut eure Häuser, das macht die Mafia!" Eine Anspielung auf die Untersuchung der Staatsanwälte in Italien, die klären soll, warum als erdbebensicher geltenden Häuser sofort einstürzen konnten.

Die italienische Zeitschrift "Pillole di Jenus" reagierte darauf mit einer Karikatur, die sich auf die schlechte Arbeit der französischen Geheimdienste im Kampf gegen den Terror bezieht. Unter dem Titel "Geheimdienste auf französische Art" zeigt die Zeichnung "Charlie Hebdo" als ein ausblutendes Sieb. Und hält dennoch fest: "#IchBinImmerCharlie". 

tim