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"Adèle und das Geheimnis des Pharaos": Märchenhafte Abenteuer einer charmanten Reporterin

Der französische Regisseur Luc Besson hat eine Schwäche für fantastische Filme. In "Adèle und das Geheimnis des Pharaos" erzählt er die schrillen Abenteuer einer jungen Reporterin, die vor nichts zurückschreckt: weder vor Flugsauriern noch vor Mumien.

In Luc Besson steckt ein großes Kind. Das hat der französische Filmregisseur bereits in seiner märchenhaften Story "Arthur und die Minimoys" bewiesen. In "Adèle und das Geheimnis des Pharaos" ging die Fabulierlust nun erneut mit ihm durch. Diesmal lässt er keine Prinzessin nach einem sagenumwobenen Schatz suchen, sondern schickt die ebenso schöne wie unerschrockene Hobby- Archäologin und Reporterin Adèle auf die skurrilsten Abenteuer: In der ägyptischen Wüste kämpft die junge Frau gegen heimtückische arabische Grabräuber und in Paris bezwingt sie einen Flugsaurier, der die Stadt in Panik versetzt. Ein Fantasyfilm, der, sieht man von einigen narrativen Brüchen ab, ein buntes und visuelles Kinovergnügen bietet.

Adèle Blanc-Sec reist in die ägyptische Wüste, um die Mumie des Leibarztes von Ramses II., Patmosis, zu suchen. Während die kluge, charmante und burschikose Journalistin im Land der Pharaonen gegen gefährliche arabische Grabschänder kämpft, entspringt im Pariser Naturkundemuseum aus einem Millionen Jahre alten Ei ein Flugsaurier, der Angst und Schrecken verbreitet. Die Fäden beider Geschichten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, laufen bei Professor Espérandieu in Paris zusammen, einem gespenstisch dünnen und haarlosen Wissenschaftler.

Die kluge und charmante Heldin (Louise Bourgoin) scheint direkt der zehnbändigen Comicreihe "Adeles ungewöhnliche Abenteuer" von Jacques Tardi entsprungen. In der mehr als eineinhalbstündigen Adaption hat Besson ("Das fünfte Element") die Abenteuer aus mehreren Geschichten zusammengewürfelt, was man dem Film durchaus anmerkt: Besson hat bei der Ausarbeitung des Skripts nicht dieselbe Sorgfalt und Liebe walten lassen wie bei der Ausgestaltung der Figuren und des Dekors.

Die Szenen des Flugsauriers, der die Seine-Stadt terrorisiert, spielen im Paris vor dem ersten Weltkrieg: Der Platz der Einheit, la Place de la Concorde, ist noch nicht notorisch verstopft und neben den Autos fahren noch Pferdegespanne. Mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert Besson das Paris um die Jahrhundertwende. Auch bei diesem Film hat der Franzose, der sich nach langer Zeit wieder auf den Regiestuhl gesetzt hat, nicht mit dem Budget gespart, denn an visuellem und ästhetischen Reichtum hat "Adèle" viel zu bieten.

Besson hat die überzeichneten Comic-Figuren - den trotteligen Inspektor Caponi oder den unheimlichen Professor Espérandieu - in seinem Film eins zu eins übernommen. Dadurch verleiht er der Geschichte viel Witz und Komik. Zu überzogen hingegen wirken die Actionszenen in Ägypten, wo Adèle als weiblicher Indiana Jones gegen Araber kämpft und mit dem stummen Begleiter Patmosis im Gepäck nach Paris zurückkehrt.

Der französische Regisseur und Produzent hat wieder mit seinem seit "Nikita" bewährten Team zusammengearbeitet: dem Kameramann Thierry Arbogast und dem Komponisten Eric Serra. Als Adèle glänzt die Schauspielerin Louise Bourgoin ("Das Mädchen aus Monaco"), die die charakterliche Bandbreite der Protagonistin - selbstbewusst, kampfeslustig, zickig und dabei überaus weiblich - hervorragend abdeckt. Ihren finsteren Gegenpart verkörpert Mathieu Amalric ("James Bond 007 - Ein Quantum Trost"). Ein Film, der trotz einiger Übertreibungen und Brüche in der Handlung, voller Fantasie, Witz, Humor und Exotik ist.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA
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