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"Big Brother 4": Der Sex-Container - eine Bilanz

Was würden Sie unternehmen, wenn Sie mit Ihnen völlig Fremden zusammen in einem kleinen Haus eingeschlossen wären? Bei "Big Brother 4" kann es der Zuschauer Tag für Tag neu beäugen: Nach den aufregenden Battles gehen die Bewohner nun auch unter der Bettdecke in den Nahkampf über.

Das Fernsehexperiment "Big Brother" spaltete beim ersten und zweiten Aufguss noch die ganze Nation. Ein spannendes Medienexperiment, unkten die einen. Ein Verbrechen an der Menschheit, heulten die anderen. Während die Kritiker draußen lautstark am Bretterzaun des Big-Brother-Knastes rüttelten, ging es den Bewohnern drinnen aber ganz gut. Den Machern hinter der Kamera war Kritik und Wohlbefinden wurscht. Ihnen ging es nur um die Quoten. Und die waren sensationell.

Der dritte Aufguss vom Großen Bruder geriet trotzdem zum Rohrkrepierer. In der Flut der von allen Sendern schnell aufgelegten Reality-TV-Kopien kollidierte die viel zu schnell gestartete Staffel mit dem Überdruss der Zuschauer: ein Quoten-Fiasko.

Bei RTL II war man aber noch nicht ganz verkalkt. Drum ließen die Verantwortlichen das an und für sich gute Konzept erst einmal in der Schublade stecken, bis auch drumherum endlich die anderen Reality-Sendungen in der Fernsehlandschaft gescheitert waren. Dann erst überraschte man die Nation: "Big Brother" startete am 31. März 2003 in die vierte Staffel. Die Verantwortlichen wagten viel, gewannen aber auf ganzer Linie.

Das große Fernsehwunder

Die Zuschauerquoten steigen auch in der Woche noch immer zunehmend an – vor allem über den so wichtigen Senderdurchschnitt. Flugs wurde der BB-freie Sonntag noch mit in den täglichen Sendeplan aufgenommen. Montags ab 20:15 Uhr gibt es dann noch die allgemeine Nominierungs- und Rauswerfrunde: Eine allzeit entspannte Aleksandra Bechtel traut sich, gute Laune zu verbreiten und böse Fragen zu stellen.

Das große Fernsehwunder: Niemand gibt offen zu, "Big Brother" zu schauen. Und trotzdem rufen Millionen an, um einzelne Kandidaten aus dem Haus zu kicken. Der Medienreport Kress.de führt "Big Brother 4" regelmäßig in den Top 10 der am meisten gesehenen Tagessendungen - und am Ende will es niemand gewesen sein. "Big Brother" zu sehen ist out. Beim Friseur oder beim Firmenklatsch wird dann aber doch wieder drüber gelästert.

Wer verhaut wen?

Das Experiment bleibt auch im vierten Aufguss spannend. Man steckt lauter junge Leute zusammen in ein Haus, das sie nicht verlassen können. Was passiert jetzt wohl? Schlagen sich die jungen Leute grölend die Köpfe ein? Kommt es zum hemmungslosen Sex vor der Kamera? Mitnichten. Die Zivilisationstünche hält angesichts von zahllosen Kameras in jedem Eck erstaunlich lange. In den vergangenen Staffeln klampfte der gemütliche Harry lieber auf seiner Gitarre, anstatt mal richtig auf den Tisch zu hauen, wie er das sicher von zu Hause gewöhnt war. Sladdy und Jürgen stemmten Gewichte, um ihre gute Laune nicht zu verlieren und die aufgestauten Aggressionen rauszulassen. In der Zwischenzeit nutzten alle bisherigen Bewohner von Big Brother die Gelegenheit zu exzessiven Schlafarien und zum eben so langen Dünnlall auf dem Betroffenheitssofa.

Das stundenlange Schwadronieren auf der Couch muss ein Ende haben, sagten sich die Leute von Endemol. "Big Brother" muss aufgemotzt werden, damit die Bewohner nicht zu autistischen Käfigaffen verkommen. Schade eigentlich. Jetzt kann der Zuschauer gar nicht mehr so anschaulich wie nie zuvor nachvollziehen, wie Mann und Frau funktionieren. In jeder der drei alten Staffeln mutierten die Kerle irgendwann zu albernen Bengeln, die einfach nur ihren Spaß haben wollten. Zu dumm, dass die Mädels derweil das Zickentum perfektionierten und Intrigen sponnen, die für die Männer einfach zu komplex gestrickt waren, um verstanden zu werden.

Stundenlang konnte man da am Bildschirm mitverfolgen, wie bei den Frauen kurzfristige Zweckbündnisse geschmiedet wurden, während die Männer einfach nur auf das nächste Mittagessen warteten.

Alles wird anders

"Big Brother 4" ist völlig anders. Das Spiel heißt jetzt "The Battle" und schickt zwei feste Teams in ein zweigeteiltes Haus. Das jeweils arme Team schläft auf Stroh, wäscht sich draußen mit Kernseife im eiskalten Wasser und muss das eigene Chemie-Klo reinigen. Zum Zähne putzen gibt es nur Pulver und keine Pasta. Im reichen Team hingegen ist der Luxus ausgebrochen. Ein gemütliches Wohnzimmer, ein Pool im Garten, dazu ein großzügiger Etat für den täglichen Luxus-Einkauf: Was will man mehr?

In den Battles kämpfen die beiden Teams erbittert darum, wer demnächst wieder von dem armen in den reichen Bereich wechseln darf. Die Battles haben es in sich. Manchmal werden die Bewohner mehrmals in einer Nacht geweckt, um eine Battle nach der anderen zu meistern. Richtig kranke Köpfe hecken immer wieder neue Ideen aus, um die Bewohner zu quälen. Mal dürfen sie 48 Stunden lang nicht schlafen, mal müssen sie rohe Eier über einen seifenglatten Parcours transportieren. Die Bewohner setzen sich handtellergroße Vogelspinnen aufs Gesicht, kraxeln an Kränen in Höhen, die kein menschlicher Fuß je zuvor betreten hat, oder versuchen, auf Kindermotorrädern einen Sandparcours zu meistern. Nebenbei müssen "Mental Battles" gelöst werden, die perfekt aufzeigen, warum Deutschland in der PISA-Studie so weit hinten liegt: Der Quotendurchschnitt der eingekerkerten Bewohner stellt sich extrem dämlich an, wenn es darum geht, mit der Wunderwaffe Logik zu arbeiten. Auch bei der Allgemeinbildung hapert es gar schrecklich. Wenn bekannte Sprichwörter abgefragt werden, lassen sich da schnell ahnungslose Gesichter in allen Stadien der Unwissenheit bestaunen.

Es ist überraschend, dass die Battles bei den täglichen Zusammenfassungen ab 19 Uhr bei RTL 2 nur recht kurz zu sehen sind. Das finden vor allem die Kinder schade, die um 19 Uhr noch fernsehen dürfen und an dem ganzen Gequatsche zwischendurch null Interesse haben. Aber wie sagte schon der inzwischen aus dem Haus geflogene Clemens: "Die wahren Battles finden zwischen den Battles statt".

Eine ganz neue Dynamik bei den Bewohnern

Korrekt. Die Battles selbst sorgen aber trotzdem für eine ganz neue Dynamik bei den "Big-Brother"-Bewohnern. Das wichtigste Ziel ist es natürlich, nicht aus dem Haus zu fliegen, um das allein selig machende Finale noch miterleben zu können. Das geht aber nur, wenn man bei den Battles Einsatz zeigt und über sich herauswächst. Da muss die diätbewusste Lucie bei der Geschmacks-Battle schon mal an der ihr so verhassten Butter lutschen oder der schöne Sava 48 harte Stunden darauf verzichten, seine knuspersüße Hella zu küssen.

Wer bei den Battles verliert, landet schnell auf der Nominierungsliste seines angefressenen Teams. Jeden Montag müssen alle Knastinsassen in einem geheimen Voting angeben, welche Person aus dem eigenen Team sie einfach nicht mehr im Haus sehen möchten. Mit Begründung. Gnadenlos werden da Leute rausgewählt, weil sie nicht genug Muckies haben, zu schlaff bei den Battles sind oder einfach nur schlechte Stimmung machen. Ein Hoch auf die Gute-Laune-Gesellschaft. Hunderte engagierter Kindergärtnerinnen werden aber entsetzt sein, dass sich Probleme auch auf diese Weise lösen lassen. Anstatt "Ich lade dich nicht mehr zu meinem Geburtstag ein" hören hier alle, die nicht auf der Gruppenlinie sind: "Dann nominiere ich dich eben."

Die kreischende Khadra, 22, technische Assistentin aus Königswinter: Rausgewählt, weil sie jede einzelne Battle verloren hat und auch sonst den Mund nicht halten konnte. Die blonde Petra, 23, Bankerin aus Schwanden: Rausgekickt, weil sie nach jeder verlorenen Battle stundenlang ins Heu jammerte. Gerüchte, dass sie das Haus verlassen musste, weil sie keinen klaren Satz artikulieren konnte, entbehren allerdings jeder Grundlage. Die geschniegelte Lucie, 20, Studentin aus Zwickau, landete im Aus, weil ihre langen Fingernägeln bei vielen Battles einfach nur hinderlich waren. Carla, Larissa und Gabriella mussten gehen, weil sie notorisch zickig, heulerig und unerträglich waren. Das Fazit von Millionen Zuschauern: Schön sein reicht alleine einfach noch nicht aus. Man darf dabei nicht auch noch ätzend wie Krötenschleim sein.

Auch die Männer mussten inzwischen Verluste hinnehmen, auch wenn sich die kampfschwachen Frauen anscheinend leichter aus dem Container kicken lassen. Ulf, 38 Jahre alt und Türsteher, musste mit als einer der ersten das Haus verlassen. Er wurde allerdings noch in der Anfangsrunde von "BB 4" allein von den Zuschauern nominiert und nicht von den Bewohnern. Viele Zuschauer unken, dass hier RTL 2 selbst zum Hörer gegriffen haben muss. So konnte man nämlich schnell einen fetzigen Party-Song mit dem symphatischen Glatzkopf aufnehmen. Schmachtend singt uns Ulf nun "Du bist das Größte" - und zwar so lange, bis die neue "Big-Brother"-Staffel zu Ende ist. Wäre Ulf im Container geblieben, hätte man auf diese schöne Vermarktung voll und ganz verzichten müssen. Von allen anderen, die bislang das Haus verlassen mussten, ist nämlich niemand beliebt genug, um auch nur eine Single zu verkaufen.

Das gilt auch für den glatzköpfigen Muskelprotz Botho-Kai, dessen Schnarchen den Bewohnern weniger auf den Wecker ging als seine ständig nasal herausgeschnorchelten Machosprüche.

Ein Pitbull zum Knuddeln

Wo haben die nur die Leute her, fragt sich so mancher Zuschauer angesichts der schrägen Typen, die da im Container sitzen. Wirklich erstaunlich ist, dass die schrägsten Paradiesvögel am Ende die normalsten Bewohner sind. Das ist eine Erkenntnis, die besonders wichtig ist, um Vorurteile in der breiten Bevölkerung abzubauen - und die man dem "Big-Brother"-Projekt gar nicht hoch genug anrechnen kann.

Der glatzköpfige Türsteher Ulf mit den dicken Muckies entpuppte sich eben nicht als der erwartete tumbe Proll, der alle anpöbelt und sofort einen dicken Hals bekommt, wenn ihn jemand zu lange anstarrt. Ulf überraschte in seinem Team mit Charme, guter Laune und der menschlichen Seite, sich bei einer verlorenen Battle auch einmal so richtig ärgern zu können, anstatt sich immer nur für die Gegner zu freuen, wie das viele Verlierer im Haus gerne heucheln. Anstatt mit den Fäusten für Klarheit zu sorgen, ging Ulf keinem Wortgefecht aus dem Weg. Respekt.

Auch der deutlich erdnahere Kai schockte die Zuschauer erst mit Blitzzacke auf dem ansonsten kahl geschorenen Kopf, stets irrem Blick und zahllosen Tattoos, die unter dem provozierenden Pitbull-T-Shirt hervorlugten. Doch Kai war wider Erwarten kein Neonazi, der flugs die schwarze Khadra oder den Jugoslawen Sava meuchelte. Er war auch kein Gothik-Satansanhänger, der liebend gerne im Blut seiner Opfer badet. Der so gefährlich aussehende Kai ist ein polternder Familienpapa, der Frau und Kind vermisst und trotz seiner manchmal ungeschickten Art eine Art Fels in der "Big-Brother"-Arena ist. Ein riesiger Teddybär, dessen Schatten die nicht so fest im Leben Verwurzelten bedeckt.

Ein dritter Bewohner, der erst schräg beäugt wurde, ist der Fußballtrainer Sava, der aus dem ehemaligen Jugoslawien kommt. "Mein Ausländer", wie Kai ihn liebevoll nennt, ist kein im Balken-Schlachten gestählter Sadist, der gerne Frauen vergewaltigt und kleine Kinder frisst. Stattdessen findet sich da auf einmal ein sanfter Frauenversteher, der jedes weibliche Herz bricht, niemandem etwas Bösen will und in jedem Baum ein schönes Ding sieht, über das er in seinem täglichen Statement stundenlang schwadronieren kann.

Der Zuschauer stellt seine Menschenkenntnis auf die Probe

Wer "Big Brother 4" nur ab und zu sieht, bekommt kaum etwas zu spüren von diesem interessanten Experiment, seine eigene Menschenkenntnis an der Realität zu messen. Es ist ja so interessant, wie sich die Charaktere unter der Androhung der Battle- und Nominierungsgewalt langsam abschälen und ihren wahren Kern offen legen.

Jan, 23 und Bademeister von Beruf, gilt als stiller Sunnyboy schon vom ersten Tag an als Aspirant auf den Siegerthron. Und tatsächlich: In der Vergangenheit siegten immer die Unscheinbaren aus dem zweiten Glied, die in der Gunst der Zuschauer nach vorne preschten, nachdem die Paradiesvögel längst verglüht waren und abstürzten. Doch beim täglichen Zuschauen zeigt sich, dass ein schöner Body, ein moralisch gefestigtes Wesen und ein sportliches Talent bei den Battles eben nicht alles sind. Hier ist es einfach interessanter, dem gestandenen Kneipenwirt Holger (35) dabei zuzusehen, wie er alle seine Kraft aufwenden muss, um die jungen Twen-Mädchen in seinem Team zu ertragen, die in ihrem Leben noch nie ein wirkliches Problem gemeistert haben und ihn nun tagein tagaus mit Parfümnamen, Klamottengetratsche und Frisuren-Smalltalk vollsülzen. Der arme Mann kann ja gar nicht flüchten – höchstens in den Suff. Das Bier gibt es aber nur auf der reichen Seite des Hauses. Ein Grund mehr, bei den Battles alles zu geben.

Sympathien kippen

Es ist auch verblüffend, am eigenen Leibe mitzuerleben, wie Sympathien kippen. Die willensstarke Nadine, 30-jährige Flugbegleiterin, hat ihr Team Rot etwa mit Power und Engagement immer wieder in den Siegerbereich geführt. Inzwischen ist der Teamkäptn aber längst zu hart geworden und geht ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen. Jetzt erinnern sich die Zuschauer plötzlich wieder, dass die frisch Geschiedene ihr kleines Kind bei der Oma gelassen hat, um in den Container zu ziehen.

Ein heimlicher Favorit für alle Leistungsverweigerer dürfte freilich der immer vergnügte Schweizer Gabriel (24, Anlageberater) sein. Selbst eine Nominierung bringt ihn nicht aus der Ruhe, so lange er nur in aller Ruhe popeln und das frisch zu Tage geförderte Rachengold auf seine geschmackliche Konsistenz hin untersuchen kann.

Die Liebe, immer wieder die Liebe

Am 31. März startete "Big Brother 4", am 21. Mai feierte das Team nach 50 überstandenen Tagen Halbzeit. Bis zum Finale am 7. Juli ist es jetzt nicht mehr lange hin.

Die Zuschauer wunderten sich arg, dass es im Container so lange keusch zuging. Türsteher Ulf versuchte zwar immer wieder, seine "Königspython" bei der Stripperin Nadja an die Frau zu bringen. Doch die beiden kamen nicht so recht zu Potte. Die sonst stets nur mit Stringtanga und ihren Tattoos bekleidete Nadja hegte beim Gedanken an freche Zungenspiele stets Befürchtungen, das könne bei den Leuten "da draußen" nicht gut ankommen. Das hätten wir von einer Stripperin nun doch nicht erwartet.

Zur Halbzeit platzt der Knoten der Libido

Himmel, wo bleibt denn nur der voyeuristische Blick unter die Dusche, um nackte Mädchen beim Abseifen zu bewundern, wie wir das bei "BB 3" immer gemacht haben? Kein Sexgestöhne unter der Decke wie bei Karim und Daniela? Nadja zeigte uns zwar oft genug ihren Hintern und die gepiercten Minibrüste. Alle Geschlechtsgenossinnen hatten aber anscheinend ein Gelübde abgelegt, den Büstenhalter bis zum 7. Juli nicht mehr vom Körper zu entfernen – auch nicht beim Duschen oder Baden. "Big Brother 4" völlig sexfrei, kinderkompatibel ob der Battles, spannend alleine angesichts der Frage, wer wieder einmal die Küche nicht aufgeräumt hat.

Mitnichten. Pünktlich zur Halbzeit platzte im Haus endlich der Knoten der Libido. Seitdem müssen die Kinder um sieben wieder im Bett sein, damit sie nichts lernen, was sie besser erst in der Pubertät erahnen sollten. Der Zuschauer, der seinen Sex-Joker auf die rothaarige Stripperin Nadja gesetzt hatte, verlor prompt seinen Einsatz. Nadja wehrte Ulfs Avancen immer wieder ab und begnügte sich damit, zu jeder unpassenden Gelegenheit ihren nackten Popo in die Kamera zu halten.

Der Sexkiller im Haus ist ausgerechnet der sanftmütige Sava. Mit seiner völlig chaotischen Art macht er einen auf Charmeur und entwickelt dabei völlig unbedarft heftige Gefühle für jedes weibliche Wesen, das ihm auf drei Meter zu nahe kommt. Erst himmelte er die Extremzicke Carla an, dann machte er die nicht gerade belastungsstarke Petra an. Ausgerechnet beim BB-Küken Hella (21, will Medizin studieren) konnte der Jugoslawe landen. Er, der eigentlich nur seiner Mama treu ist, brach Hellas Widerstand völlig. Seitdem verbringen sie ganze Tage unter der Bettdecke. Beim Extremfummeln wackelt die Decke, bilden die vier Füße das aus endlosen Sexwitzen bekannte ineinander verschränkte Muster und stöhnt Hella immer wieder: "Jetzt reicht es aber, Sava."

Mit körperlichem Einsatz durch die zweite Hälfte

Die von "Big Brother" angesichts der tagelangen Fummelei mit hochroten Gesichtern ausgesprochene 48-Stunden-Battle (Sava und Hella dürfen sich nicht berühren und nicht miteinander reden) hat bei Hella inzwischen alle Dämme brechen lassen. Gleich nach dem Gewinn der Wette zog sie sich mit Sava ins Schlafzimmer zurück – zur "Aussprache". Und die Kinder sind zum Glück schon im Bett, sodass sie ihren Papa nicht fragen können, was das wohl für eine komische Battle ist, bei dem nur zappelnde Füße zu sehen sind, die aus dem Bett herausgucken.

Bei so viel körperlichem Einsatz darf der Rest des roten Teams nicht tatenlos verharren. Ist Team Rot im reichen Bereich, so geht es meistens gleich sehr rüde zu. Im Whirlpool kommt es immer wieder zu wüsten Gruppen-Züngeleien und pubertären Spielchen der Marke "Traust du dich?" Die geheimsten Fantasien der Zuschauer werden da auf einmal befriedigt, wenn sich Hella und Nadine plötzlich gegenseitig abschlecken. Mit Zunge.

Aber es gibt nichts, was sich nicht noch steigern lässt. Clemens, der in einer Battle Khadra zum Lachen bringen soll, zeigt ihr einfach sein Ding. Nadja schenkt Nadine einen Striptease zum Geburtstag, bei dem sie sich die nackten Brüste mit Kerzenwachs betropft. Nach einem Suffabend im Haus kommt es gar zum Äußersten, was ein Fetischist sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann: Die völlig betrunkene Nadja schleckt der halbnackten Lucie Nutella von den nackten Brüsten. Komisch, dass wir das in der Boris-Becker-Werbung im Fernsehen noch nie gesehen haben.

Aufregender Ausblick

Werden jetzt im "Big-Brother"-Haus die letzten Hemmungen fallen? Wohl kaum. Bei gerade einmal noch acht Leuten im Haus werden die Paare jetzt schneller aus dem Container gewählt, als ein Zungenkuss trocken kann. Mit Hella und Nadja sind inzwischen auch die beiden potentesten Spaßbringer im Haus nominiert - am Ende werden wohl bloß noch die Männer und vielleicht die Powerbraut Nadine ins Finale einziehen.

Das Finale rückt jetzt auch zusehends näher. In der Finalwoche vom 1. bis zum 7. Juli spielen die vier letzten Bewohner um den Hauptgewinn. Jeder muss dann eine eigene Battle im Wert von 25.000 Euro bestehen. Gelingt das in allen vier Fällen, warten 100.000 Euro auf den einzelnen Gewinner.

Schon jetzt ist klar: Bald ist der Spaß wieder vorbei. Ist RTL 2 klug, warten sie ein ganzes Jahr mit der nächsten Staffel, um das Interesse anzuheizen. Bis dahin werden wir alle denken, dass es nicht möglich ist, noch verrücktere Leute ins Haus zu verfrachten. Endemol wird uns eines anderen belehren.

Carsten Scheibe