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»CORELLIS MANDOLINE«: Liebe in Zeiten des Krieges

Griechenland, 1940: Zwischen dem italienischen Besatzungssoldaten Capitano Corelli (Nicolas Cage) und einer griechischen Fischersfrau (Penelope Cruz) entspinnt sich eine Liebesgeschichte.

Der Zweite Weltkrieg scheint eine Atempause zu machen auf der idyllischen griechischen Insel Kephallonia, die 1940 von Mussolinis Soldaten besetzt wird. Die lebenslustigen Italiener denken gar nicht daran, die Einwohner zu terrorisieren, und vertreiben sich die Zeit mit Wein, Weib und Gesang, gehen an den Strand und singen unter Anleitung ihres ausgelassenen Capitano Antonio Corelli zu jeder Gelegenheit Arien.

Nach einer wahren Begebenheit

Einem authentischen Ereignis nachempfunden ist diese bizarre Situation, die das Melodram »Corellis Mandoline« erzählt. Basierend auf einem britischen Bestsellerroman schildert der Film eine Liebe in den Zeiten des Krieges, der schließlich doch noch mit aller Grausamkeit ausbricht.

Der Soldat und die Fischersfrau

Capitano Corelli, im Haus eines angesehenen Arztes einquartiert, verliebt sich in dessen strenge, eigenwillige Tochter Pelagia. Diese ist aber die Braut eines einfachen Fischers, der in den Krieg gezogen ist. Doch ebenso wie sich die sittenstrengen Inselgriechen schließlich für die lebenslustigen Italiener erwärmen, so schafft es auch Corelli, Pelagias Herz zu gewinnen.

Schwere Kriegsverletzung

Inzwischen aber verkehren sich mit Mussolinis Niederlage die Fronten: Die Italiener werden zu Feinden ihrer einstigen deutschen Verbündeten, die der Idylle ein böses Ende bereiten. Corelli und seine Truppe laufen zu den Partisanen über, zu denen auch Pelagias Verlobter Mandras gehört. Die Nazisoldaten begehen - authentisch verbürgte - Massaker, der Capitano wird schwer verwundet und von Pelagia versteckt...

Dem Leiden des »Englischen Patienten« kann dieser italienische Patient leider nicht das Wasser reichen. Regisseur John Madden (»Shakespeare in Love«) kann sich nicht entscheiden zwischen der Schilderung des Krieges und der Liebesgeschichte und scheitert mit beidem. Nicht nur die Chronologie und die Gemengelage der zugegebenermaßen verzwickten Ereignisse bleiben konfus. Schlimmer ist, dass Pelagia dem Capitano scheinbar nur deshalb in die Arme fällt, weil es das Drehbuch so will - wahre Tiefe entwickelt diese Liebe nicht.

Bezaubernde Penelope

Penelope Cruz ist wie immer zum Anbeißen, darf in niedlichen Kleidchen anmutige Dinge tun und schwer verliebt und melancholisch gucken - in Olivenhainen, pittoresken Gemäuern und anderen paradiesischen Gefilden. Die postkartenschöne Landschaft im mediterranen Licht - gedreht wurde am Originalschauplatz Kephallonia - ist eine Augenweide. Doch der »typisch« griechische Charakter wirkt eigenartig nordisch-heruntergekühlt: Christian Bale mit schwarz gefärbten Haare und Augenbrauen als Mandras bleibt ebenso blass wie John Hurt als verschmitzter Vater.

Unterkühlte Griechen

Selbst die große Tragödin Irene Papas, einzige echte Griechin, die Pelagias Schwiegermutter in spe spielt, darf nicht wüten und ihre furiosen schwarzen Augenbrauen nicht zum Einsatz bringen, als Pelagia Mandras betrügt. Ein wenig mehr Temperament sollte man von griechischen Schwiegermüttern doch erwarten dürfen. Dies ist eine sehr synthetisches, steriles Griechenland ohne speziellen Charme, bei dem Madden zwar auf Sirtaki-Folklore verzichtet, aber auch keinen glaubwürdigen Ersatz schaffen kann.

Holprige Schnulze für kalte Tage

Der touristische Blick, mit dem man dieses Melodram unweigerlich betrachtet, kann dennoch Gefallen an der traumhaften Kulisse finden. Vielleicht ist diese holprige Schnulze ja genau das Richtige für herbstlich verfrorene Mitteleuropäer.

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