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"Die Bourne Verschwörung": Rambo im grauen Euroland

Nach dem Mord an einem hochrangigen chinesischen Politiker gerät Jason Bourne (Matt Damon) in Verdacht. Unter großem Zeitdruck muss der Agent seine Unschuld beweisen.

Wer er ist, weiß Jason Bourne noch immer nicht genau. Aber zumindest, was er will, ist im Thriller "Die Bourne Verschwörung" nun klar: Rache! Vor zwei Jahren machte der Spionagethriller "Die Bourne Identität" Furore, in dem ein Geheimdienstkiller mit Gedächtnisschwund quer durch Europa flüchtete, um den Häschern seiner eigenen Firma, der CIA, zu entgehen.

Dabei lernte Jason Bourne mit dem deutschen Girlie Marie unser aller Franka Potente kennen, die in der Fortsetzung einen leider nur kurzen Auftritt hat. Nur zwei Jahre Ruhepause sind Bourne und Marie im indischen Hippie-Paradies Goa vergönnt, bevor ein russischer Killer auftaucht. Bournes Reflexe sind trotz tropischem Dolce Vita intakt, und so kann er entkommen. Auf der Jagd nach dem Killer kehrt er via Neapel nach Europa zurück, wo er, anstatt wie im ersten Film auf der Flucht zu sein, nun unaufhaltsam in die Höhle des Löwen vordringt - und dabei mit seinen bösen Taten aus der Vergangenheit konfrontiert wird.

Korrupte Kalte-Kriegs-Verschwörer

Wegen gefälschter Fingerabdrücke glaubt der amerikanische Geheimdienst in Person seiner europäischen Stellvertreterin Pamela Landry, dass Bourne in Berlin zwei Agenten getötet hat. Doch Bourne weiß, dass dem Komplott sein "unfinished business" mit den korrupten Kalte-Kriegs-Verschwörern aus "Die Bourne Identität" zu Grunde liegt.

Der teigige Bösewicht, nun im Bunde mit russischen Öl-Magnaten, die an die Vorgänge um den Ölkonzern Jukos erinnern, ist schnell entlarvt: doch um seine Enttarnung geht es gar nicht in diesem temporeichen Thriller. Wie beim Vorgänger liegt auch in der bis in die Nebenrollen starbesetzten Fortsetzung der Reiz im authentischen Look besonders der Actionszenen, die nicht im luftleeren Raum eines computeranimierten Illusionismus stattfinden, sondern hautnah und vor Ort.

Fast der interessante Aspekt ist die Wiedererkennbarkeit der meisten Schauplätze, da der Thriller größtenteils in Berlin gedreht wurde. Die breiten Ausfallstraßen Ostberlins mussten beim Showdown sogar als Moskau-Double herhalten.

Immer eine Schusslänge voraus

Die Kampfmaschine Bourne jedenfalls, der renitente Virus im Geheimdienst-System, fackelt nicht und improvisiert sich mit seinen antrainierten Tötungstalenten über einen fatalen Zwischenstopp in München bis nach Berlin durch. Dort randaliert der milchgesichtige Rambo - Matt Damon, gegen den Strich besetzt, macht erneut Eindruck - unter anderem in einem Nobelhotel, rennt über den Bahnhof Friedrichstraße, turnt über das Schiffbauerdamm-Gerüst und versteckt sich in einer Attac-Demo auf dem Alexanderplatz. Und ist dabei wie der Igel dem Hasen den Schlapphüten stets um eine Schusslänge voraus.

Regisseur Paul Greengrass filmt meist mit Handkamera, was vor allem bei den langen, erstklassigen Auto-Verfolgungsjagden eine Schwindel erregende und zugleich altmodische Spannung erzeugt; auch der atmosphärisch trübe Ost-Look von Berlin und Moskau erinnert an die Spionagethriller aus einer Zeit, in der noch Erwachsene ins Kino gingen.

Gebrochener Held

Seine düster-raffinierte Note bekommt dieser Anti-Bond-Film nicht nur durch die Gebrochenheit seines Helden, der sich seiner verdrängten Taten allmählich bewusst wird und mit seiner Schuld leben muss. Dass die amerikanische Geheimdienst-Zentrale in Berlin sich als gottgleicher Horch-und-Guck-Apparat mit gefährlichen Abgründen präsentiert, in dem gerade nicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wird - das jagt dem Zuschauer im Euro-Land zusätzlich Schauer über den Rücken.

Birgit Roschy, AP / AP