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Action! - Neu im Kino: Wo Bourne draufsteht, ist nicht Bourne drin

Bourne-Action ohne Jason? Schwul sein ohne Freiheit? Oder doch lieber Freundschaftsbeweise unter Aufsicht der Stasi? stern.de präsentiert die Filmstarts der Woche.

Von Sophie Albers

"Das Bourne Vermächtnis"

Kinotrailer: "Das Bourne Vermächtnis"

Regie: Tony Gilroy
Darsteller: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton

Bei aller Liebe für den großartigen ("The Hurtlocker"), genialen ("The Town"), obercoolen ("Mission Impossible 4", "The Avengers") Jeremy Renner - das ist nicht sein Film. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen Matt Damons Abwesenheit klafft wie eine Wunde, wie ein Loch ins Nichts, denn diese vermeintliche Fortsetzung der wunderbaren "Bourne"-Reihe hat mit der Geschichte von Jason Bourne nur eines gemeinsam: Sie ist irgendwie so ähnlich, mit dem harten Sonderagenten, der plötzlich von der ominösen Organisation gejagt wird, die ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Aber das ist eben der Unterschied zwischen einem genialen Wurf und irgendeinem weiteren Actionfilm. Jeremy Renner gibt wie immer alles und könnte doch eigentlich seinen ganz eigenen Mythos bauen, von dem Kerl, der die Paranoia-getriebenen Politspielchen der Mächtigen aushebelt. Aber stattdessen geistert Bourne immer wieder durch die Erinnerung, der so ganz anders, so frisch und neu war, als er vor zehn Jahren begann, über die Leinwand zu hetzen und unsere Franka Potente mitzunehmen. Eine Frau hat Renner auch zur Seite: Die Schneewittchen-haft schöne Rachel Weisz. Deren Rolle allerdings spannt mal eben den Bogen zu den Nazigräueln: Weisz spielt eine Wissenschaftlerin, die ihr Können in den Dienst der Sache gestellt hat, ohne nach der Konsequenz der Sache zu fragen. Das jagt einem einen Schauer über den Rücken, aber dann muss Bournes Nachfolger schon wieder weiterhetzen.

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"Parada"

Kinotrailer: "Parada"

Regie: Srdjan Dragojevic
Darsteller: Nikola Kojo, Milos Samolov, Hristina Popovic

First we take Belgrad, then we take Moskau! Wie ein gut gelaunter Pussy Riot - ohne Pussy - ziehen etwa 20 Homosexuelle in den Krieg gegen Schwulenhass, Intoleranz und Dummheit im eigenen Land. Mirko und Radmilo aus Belgrad wollen die erste Gay Pride Parade in Serbien aufziehen, doch endeten bisher alle Versuche blutig, denn die Neonazis sind nicht nur in gewaltiger Überzahl, sie haben auch die Unterstützung vom Großteil der Bevölkerung. Doch dann will es der Zufall, dass Radmilo, der als Tierarzt seine Brötchen verdient, den Pitbull von Limun rettet, ein ehemaliger Krimineller, der eine Sicherheitsfirma leitet. Mit der Unterstützung seiner Verlobten wird Limun der Sicherheitsbeauftragte der Gay Pride Parade. Jetzt müssen sie nur noch Sicherheitsleute finden, die bereit sind, Homosexuelle zu schützen. Vor gerade mal zwei Jahren konnte nur unter massivem Polizeiaufgebot eine Gay-Parade durch Belgrad ziehen. Um so erstaunlicher, dass "Parada" der erfolgreichste serbische Film 2010 war. Nun dürfen auch wir über die Intoleranz lachen und uns freuen, dass wir sie - größtenteils - hinter uns haben.

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"Wir wollten aufs Meer"

Kinotrailer: "Wir wollten aufs Meer"

Regie: Toke Constantin Hebbeln
Darsteller: Alexander Fehling, August Diehl, Ronald Zehrfeld

Rostock 1982. Zwei Freunde (August Diehl, Alexander Fehling) träumen von der großen weiten Welt und wollen als Matrosen der DDR-Handelsmarine zur See fahren. Doch das dürfen sie nur, wenn sie zu Verrätern werden. Denn als sie im Hafen erstmal als Arbeiter anheuern, um den Schiffen näher zu kommen, taucht die Stasi auf und will die see-süchtigen Freunde als Spitzel gewinnen - gegen einen neuen guten Freund (Ronald Zehrfeld). Fortan geht es weniger um die sieben Weltmeere als enttäuschte Hoffnungen, eiskalten Verrat und die Bedeutung von Freundschaft.

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"Das grüne Wunder"

Kinotrailer: "Das grüne Wunder"

Regie: Jan Haft
Erzählt von: Benno Fürmann

Die Deutschen und der Wald, das ist schon ein ganz eigenes Thema, dem das Deutsche Historische Museum Berlin sogar eine ganze Ausstellung gewidmet hat. Und nun gibt es den Wald-Kinofilm, der einen so richtig mitnimmt ins Grün, auf die Wildschweinpfade, zu den Fuchswelpen, den Hirschkäfern und Eichelhähern. Durch die verschiedenen Jahreszeiten begleitet der Zuschauer "seinen" Wald, schrumpft mal auf Ameisengröße, steht mal Aug in Aug mit einem stolzen Hirschen. "Die Wüste lebt"? Der Wald erst recht.

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