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Interview

Paul Greengrass über "Jason Bourne": "Diese Verfolgungsjagd toppt alles"

Im August kehrt Matt Damon als Jason Bourne auf die Leinwand zurück. Regisseur Paul Greengrass hat dem stern verraten, warum es so lange gedauert hat, wer sein liebster Neuzugang ist, und wo die krasseste Verfolgungsjagd aller "Bourne"-Filme stattfindet.

Von Sophie "Marie" Albers Ben Chamo

Matt Damon ist "Jason Bourne"

"Matt hat gesagt: Los, lass' uns noch einen machen!" (Regisseur Paul Greengrass über "Jason Bourne")

"Ich habe die ganze Nacht im Schnittraum gesessen, um den Film fertig zu kriegen", sagt Paul Greengrass am Telefon. "Wir sind auf der Zielgeraden!" Passenderweise sind im gesamten Berliner stern-Büro die Festnetzleitungen ausgefallen, als Greengrass aus London anrufen will. "Das war Jason Bourne!", sagt der Regisseur und lacht dröhnend. Man braucht den Mann, der sich schließlich am anderen Ende der mobilen Verbindung meldet, nicht zu sehen, um zu wissen, dass er ein Bär ist - und übrigens Hollywoods liebster Brite ("Guardian").

Hollywood-Regisseur Paul Greengrass

Der Hollywood-Regisseur Paul Greengrass wurde 1955 in einem Londoner Vorort als Sohn eines Seemanns und einer Lehrerin geboren. Er hat in Cambridge studiert und danach zuerst als TV-Journalist gearbeitet. Er hatte auch Erfolg als Buchautor: Mitte der 80er Jahre versuchte die damalige Thatcher-Regierung ein Buch von Greengrass und einem ehemaligen MI5-Offizier zu verbieten, "Spycatcher". Erfolglos, aber beste PR für das Buch.


Greengrass' Name steht für perfekte, in der Realität verkrallte Action: Sein internationaler Durchbruch waren die "Bourne"-Filme, "Die Bourne-Verschwörung" (2004) und "Das Bourne Ultimatum" (2007), er hat die US-9/11-Trauma-Bewältigung in "Flug 93" verpackt, seine Anti-Irakkriegs-Haltung in "Green Zone". Und in "Captain Phillips" brachte er die moderne Piraterie auf den Punkt. Man könnte es politische Action nennen, was gut passt, da Greengrass mit Dokumentarfilmen angefangen hat. Für das BBC-Programm "World in Action" drehte er unter anderem über die IRA. Und deshalb geht es im neuen "Bourne"-Abenteuer - das nach knapp zehn Jahren Pause und ziemlichem Hick-Hack (unter anderem das gescheiterte Spin-Off "Das Bourne-Vermächtnis") am 11. August endlich ins Kino kommt - nicht nur um die Weltwirtschaftskrise, sondern auch um Whistleblower und Cyberwar.

"Wir leben in einer Welt der Whistleblower, deshalb gehören sie zur Welt dieses Films", sagt Greengrass. Für den Cyberwar hat der Regisseur übrigens die grandiose Alicia Vikander ("Ex Machina", "The Danish Girl") dazu geholt: "Sie ist einfach unfassbar talentiert. Wir haben uns zum Lunch getroffen, und ich habe sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, im neuen Bourne-Film mitzuspielen. Sie hat wie aus der Pistole geschossen geantwortet: 'Das mache ich sofort'. Sie spielt einen neuen Charakter in der CIA, die neue Generation sozusagen, und sie unternimmt eine sehr spannende und interessante Reise mit Jason Bourne. Mehr sag' ich nicht."

Die Sünden der Vergangenheit und die Erlösung in der Zukunft 

Fühlt er sich in dieser Welt, die gerade so unfassbar düster ist, nicht von der Realität überholt? Man könnte sarkastisch sein, und sagen, all die Kriege, die Korruption und das menschliche Elend machen fast einen "embedded" Bourne daraus. "Ja, die Welt sieht nicht gut aus", antwortet Greengrass. "Ich glaube, die Leute gucken sich die Bourne-Filme vor allem auch wegen der Hauptfigur an. Jason Bourne ist ein gespaltener Charakter - zwischen Hell und Dunkel, den Sünden der Vergangenheit und der Erlösung in der Zukunft, im Widerspruch mit sich selbst, verwundbar, voller Herz und Seele. Du willst sehen, wie er Sinn macht aus dieser dreckigen Welt. Und weil die Welt so ist, wie sie ist, spricht es uns so sehr an." 

Eigentlich habe er keinen weiteren Bourne-Film drehen wollen, erzählt Greengrass weiter. "Aber Matt [Damon] meinte: 'Los! Warum machen wir nicht noch einen! Wir haben das große Glück, das Privileg, ein Publikum zu haben, das den Charakter und die Bourne-Welt liebt. Alle wollen einen neuen Film. Warum sollten wir dem Wunsch des Publikums nicht nachkommen?' Das fand ich einleuchtend." Dann habe er sich mit seinem Lieblings-Cutter und Co-Autoren Chris Rouse hingesetzt und nach einer Idee gesucht: "Wir dachten, wenn wir was finden, ist gut, wenn nicht, dann eben nicht. Aber das Irre war, je mehr wir suchten, desto mehr hatten wir das Gefühl, da muss noch was erzählt werden."

Größte Verfolgungsjagd überhaupt

Greengrass berichtet das alles so entspannt, als habe er im Supermarkt gerade ein bisschen Suppengrün erstanden. "Es klingt einfach, es war aber verdammt hart", gibt er zu und lacht wieder los. Der Erwartungsdruck vom Publikum und dem Studio sei natürlich da. "Weil die Leute die Filme lieben!" Aber du kannst nur versuchen, es zu vergessen und den bestmöglichen Job zu machen, aufrichtig. Und das haben wir gemacht."

Angeblich hält der fünfte "Bourne" eine grandiose Verfolgungsjagd bereit, mitten in Las Vegas. "Oh, sie ist auf jeden Fall verdammt gut! Sogar ich war beeindruckt, als wir aus dem Hotel kamen und dieser riesige Las Vegas Strip vor uns lag. Wir haben den wochenlang gesperrt. So weit das Auge reicht standen da Stunt-Autos rum - es war einfach unglaublich. Ich bin ziemlich zufrieden mit dieser Verfolgungsjagd, muss ich sagen. In den anderen 'Bourne'-Filmen gab es schon gute, aber die hier toppt das."

"Jason Bourne" kommt am 11. August ins Kino - wenn Greengrass rechtzeitig fertig wird.


Was Matt Damon über "Jason Bourne" erzählt (Englisch)

Ein paar "Jason Bourne"-Spoiler