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"Hotel Ruanda": Übersehenes Massaker mit Millionen Opfern

"Hotel Ruanda" erzählt die wahre Geschichte eines Hotelmanagers, der mehr als 1.000 Menschen vor dem Völkermord im afrikanischen Land Ruanda rettet - mit Mut, List und unter Lebensgefahr.

Die westliche Staatengemeinschaft nahm das Massaker kaum wahr. Nachdem in der Nacht des 6. April 1994 das Flugzeug des ruandischen Staatschefs Juvenal Habyarimana abgeschossen wurde, begann tags darauf ein Völkermord, der innerhalb von 100 Tagen rund eine Million Tutsi und gemäßigte Hutu das Leben kostete. Genau elf Jahre danach erinnert der Kinofilm "Hotel Ruanda" an das schreckliche Geschehen.

Regisseur Terry George hat mit eindringlichen Bildern voller Emotionen und Spannung ein herausragendes Zeitdokument geschaffen. Sein Verdienst ist es, auf blutige Szenen und damit auf Effekthascherei weitestgehend verzichtet zu haben. "Man kann solch einen Schrecken nicht nur andeuten. Entweder ganz, ansonsten besser gar nicht", erklärte George auf der letzten Berlinale, wo "Hotel Ruanda" als Festival-Schwerpunkt gezeigt wurde. Doch auch ohne Blut ist der Film schrecklich genug und nichts für schwache Nerven.

Nach einer wahren Geschichte

Der zweistündige Film greift die wahre Geschichte von Paul Rusesabagina auf, der als Manager des Hotels Rwanda während des Bürgerkriegs fast 2.000 Menschen vor dem sicheren Tod rettete. Rusesabagina wird von Don Cheadle gespielt, und der liefert mit der Verkörperung des Managers ein schauspielerisches Meisterstück ab. Viele Großaufnahmen zeigen einen Rusesabagina, der die Unruhen zunächst gar nicht richtig wahrhaben will, sich hinter den Mauern seines Hotels sicher wähnt und erst langsam vom luxusverwöhnten Mann zum mutigen, schlitzohrigen und selbstlosen Lebensretter wird.

Während um ihn herum Hutu-Milizen ihre Landsleute mit Gewehrsalven oder billigen Macheten niedermetzeln, wartet Rusesabagina zunächst noch auf das Eingreifen von Truppen der Vereinten Nationen. Doch die ziehen sich zurück - nachdem sie ihre eigenen Landsleute in Sicherheit gebracht haben.

Nick Nolte als aufrechter UN-Soldat

Für die Rolle des verantwortlichen, amerikanischen UN-Militärs wählte Regisseur US-Star Nick Nolte aus und tat damit ebenfalls einen guten Griff. Haudegen Nolte schafft es, in nur einigen wenigen Szenen seine ganze Verachtung für das Verhalten seiner Vorgesetzten auszudrücken und damit auch die politische Haltung seines Regisseurs zum Ausdruck zu bringen.

"Es ist irgendwie so, dass das Leben in Afrika offenbar weniger wert ist als anderswo", sagte George in Berlin. Nolte drückt es im Film ungleich drastischer aus. "Ihr seid noch nicht einmal Nigger. Ihr seid einfach nur Afrikaner", bricht es bitter aus ihm hervor, als er die Nachricht vom Abzug der UN-Truppen überbringen muss.

Der Swimmingpool in "Hotel Ruanda" - der mit Verlauf des Bürgerkriegs nicht mehr dem Vergnügen, sondern als Trinkwasserreservoir dient - taucht übrigens als kurze Szene in einem anderen Film auf, der sich ebenfalls mit dem Bürgerkrieg in Ruanda beschäftigt. "Sometimes in April" heißt der, und er rückt im Gegensatz das Massaker in Großaufnahme auf die Leinwand.

"Hotel Ruanda" war für drei Golden Globes und drei Oscars nominiert. Dass er keinen der begehrten Preise erhielt - auf der Berlinale lief der Film außer Konkurrenz - ist unverständlich und sagt nichts über seine Qualität aus.

Stefan Lange/AP / AP