"Robert Altman's Last Radio Show" Der amüsante Gevatter Tod


Der letzte Film von Regie-Altmeister Robert Altman kommt erst jetzt, nach dessen Tod, in die deutschen Kinos. Da kann es kaum Zufall sein, wie amüsant Altman Gevatter Tod durch den Film geistern lässt.

Viel zu spät und doch gerade richtig kommt nun endlich ein Film in die deutschen Kinos, der schon auf der Berlinale des Jahres 2006 begeistert gefeiert wurde: Es ist Robert Altmans Alterswerk "A Prairie Home Companion", das hier zu Lande den unsinnigen Verleihtitel "Robert Altman's Last Radio Show" bekommen hat. Denn natürlich ist es nicht die letzte Radiosendung des am 20. November 2006 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Amerikaners, sondern der letzte Film eines Regisseurs, der einer der ganz Großen war.

Wem das noch nicht ganz klar ist, sei der Kinobesuch des äußerst vergnüglichen künstlerischen Vermächtnisses von Altman dringend empfohlen. Denn es ist unnachahmlich, wie es dem Altmeister noch einmal gelungen ist, so viele Figuren und so viele Hollywood-Stars zu einem Ensemble zu vereinen, das vor Spielfreude nur so sprüht. Und dazu beschert der Film die Bekanntschaft mit einem älteren Herrn, den in Deutschland kaum jemand, in den USA aber wohl alle kennen, nämlich Garrison Keillor, kurz GK. Der ist der Gründer, Kopf und Herz jener wöchentlichen Radiosendung aus dem Mittelwesten, die unter dem Titel "A Prairie Home Companion" Millionen Hörer hat, von ihm stammt auch das Drehbuch des Films.

Entertainer mit Finanzdirektor-Ausstrahlung

Keillor wirkt äußerlich wie der kurz vor der Pensionierung stehende Abteilungsleiter einer Finanzdirektion, ist aber in Wahrheit ein glänzender Entertainer. Und was noch wichtiger ist: Ihm glaubt man jedes Wort, sogar wenn er Werbung macht, - und wie er das macht! Mühelos behauptet sich GK, von dem bislang ja auch die meisten Amerikaner nur die Stimme gekannt haben dürften, unter all den Kinostars die in dem Film auftreten.

Der Tod spielt eine besondere Rolle Meryl Streep und Lily Tomlin sind die singenden Johnson Sisters, Kevin Kline ein Sicherheitsmann, Woody Harrelson und John C. Reilly verkörpern und singen ein Country-Duo, Tommy Lee Jones mimt einen geheimnisvollen Düsterling, und die schöne Virginia Madsen ist ein Engel, der durchs Studio schwebt. Wer diesen letzten Film Robert Altmans auf Todesahnungen des großen Filmemachers durchsucht, wird schnell fündig werden. Denn der Sensenmann, der uns alle einmal holt, hat eine wichtige Rolle in der Handlung. Viel mehr soll nicht verraten werden.

Gevatter Tod amüsant ins Spiel gebracht

Wie amüsant, melancholisch, hintergründig der Regisseur den Gevatter Tod ins Spiel bringt, das ist im Wissen um Altmans Ableben sehr anrührend und macht den Verlust fürs Kino noch schmerzhafter bewusst. Im Film dreht sich ja alles um die allerletzte Folge einer grundsoliden Radiosendung, es geht also um Abschied. Altman ist mit "A Prairie Home Companion" ein wunderbarer Abschied gelungen, der uns die Begegnung mit einem Amerika ermöglicht, das man einfach mögen muss, das aber mit dem Tod seines Kinomagiers und Hollywood-Verächters ärmer geworden ist. Mehr als alle anderen werden die Schauspieler den Verlust Robert Altmans betrauern. Denn so bald wird es keinen mehr geben, der wie er so virtuos und so stimmig große Ensembles zu einer Einheit verschmilzt, an der das Publikum vor den Leinwänden die pure Freude hat.

Wolfgang Hübner/AP AP

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