VG-Wort Pixel

"Selma"-Kinostart Martin Luther King wird ein filmisches Denkmal gesetzt


Einer der berühmtesten Männer der US-Geschichte wird 47 Jahre nach seinem Tod erstmals filmisch für sein Schaffen gewürdigt: "Selma" ist ein fesselndes Porträt über Dr. Martin Luther King.

Hollywood hat sich Zeit gelassen. 47 Jahre ist es her, dass Amerikas berühmtester Bürgerrechtler durch ein Attentat ums Leben kam. Mit "Selma" wird der schwarze Prediger, Nobelpreisträger und Anführer der Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, erstmals durch eine größere Filmbiografie gewürdigt. Gestandene Regisseure wie Michael Mann, Stephen Frears, Spike Lee und Lee Daniels waren zeitweise an dem Stoff dran, doch nun setzte sich die schwarze Filmemacherin Ava DuVernay, 42, durch. Mit "Selma" liefert sie ein packendes Historiendrama, das großen Filmbiografien wie "Malcolm X" und "Lincoln" nicht nachsteht.

Wie Steven Spielberg, der "Lincoln" auf die letzten Monate im Leben des US-Präsidenten Abraham Lincolns zuschnitt, wählte DuVernay - die bislang Independentfilme wie "Middle of Nowhere" drehte - einen kurzen Abschnitt in Kings Leben, der Amerika aber grundlegend veränderte. Selma im US-Staat Alabama war im März 1965 der Ausgangspunkt für Protestmärsche in die 86 Kilometer entfernte Alabama-Hauptstadt Montgomery. Die Demonstranten wollten damit auf die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung beim Wählen aufmerksam machen. Vor allem in den Südstaaten konnten viele ihr Wahlrecht nicht ausüben.

Bis heute brisante Epoche

Als weiße Polizisten mit Tränengas, Peitschen, Knüppeln und Gewehren gegen die friedlich marschierende Gruppe vorgehen, wird King zum Anführer der Protestzüge. Die Brutalität geht unter die Haut. Ebenso die Courage der Demonstranten, die der weißen Übermacht hilflos ausgesetzt sind.

Allein die heute noch relevante Brisanz dieser Geschichtsepoche macht "Selma" sehenswert. Dazu kommt die packende Darstellung des Briten David Oyelowo (38, "Der Butler", "Jack Reacher"), der Kings Predigerstimme, seine Stärke aber auch seine Zerrissenheit und Zweifel überzeugend verkörpert. Stark sind die Szenen im Weißen Haus, als King auf US-Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) einredet, den Voting Rights Act zu unterzeichnen.

Rede vor vor 25.000 Menschen

"Selma" zeigt den festgenommenen King hinter Gitter, als wortstarken Prediger auf der Kanzel, im Streit mit seiner Frau Coretta, als nervöser Empfänger des Friedensnobelpreises. Oleyowo spielt den Helden der Bürgerrechtsbewegung in all seinen Facetten. Überhaupt hat DuVernay die Hauptrollen in diesem Kapitel amerikanischer Geschichte allesamt mit britischen Talenten besetzt. Tom Wilkinson überzeugt als frustrierter Präsident Johnson, Tim Roth als rassistischer Alabama-Gouverneur George Wallace.

King schrieb am 24. März 1965 Geschichte, als er den Marsch von Selma nach Montgomery erfolgreich anführte und am Ende vor 25.000 Menschen redete. Im August unterschrieb Präsident Johnson den Voting Rights Act, der Wahlhürden für Schwarze aus dem Weg schaffte.

In Hollywood schrieb DuVernay nun als erste schwarze Regisseurin mit einer Golden-Globe-Nominierung Geschichte. "Selma" hat jetzt auch Chancen auf den Oscar als bester Film - und das zu Recht.

Barbara Munker/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker