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"The King's Speech" im Kino: Wie König "Bertie" das Sprechen lernt

Der Film "The Kings's Speech" über den stotternden britischen König George VI. erregt internationales Aufsehen - so durfte sich sein Star Colin Firth schon über einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller freuen. Auch für den Oscar gilt Firth als Top-Kandidat.

Filmtrailer: "The King's Speech"

Die englische Königsfamilie ist immer eine Story wert. Man denke an die weltweiten Sensationsberichte über William und Kate, Charles und Diana oder König Edward VIII. und Wallis Simpson, die Frau, für die er 1936 abdankte. Weniger spektakulär kam dessen Bruder und Nachfolger daher: George VI., Vater der Thronveteranin Elizabeth II.. Dem Mann, der trotz persönlicher Handicaps sein Land im Krieg ermutigte, setzt ein Film ein Denkmal, der nicht allein wegen seines großartigen Hauptdarstellers Colin Firth und diverser Ehrungen inklusive Golden Globe sowie zwölf Oscar-Nominierungen Aufsehen erregt: Tom Hoopers anrührendes, mit Humor versehenes Seelen- und Kostümdrama "The King's Speech".

Der schüchterne vormalige Prinz Albert, Herzog von York, hatte sich alles andere als danach gedrängt, Monarch zu werden. Als sehr verletzlicher Mann litt er Qualen in der Öffentlichkeit - hatte er doch einen heftigen Sprachfehler: "Bertie", wie ihn seine Familie nannte, stotterte. Ein Desaster in einer Zeit, als Radio, Wochenschauen und aufkommendes Fernsehen die äußere Distanz zwischen Royals und Volk verringerten. "Wir sind Schauspieler geworden", sagt sein Vater George V. (Michael Gambon) einmal im Film. So gerät gleich die Einstiegsszene, in welcher der junge Herzog 1925 im Wembley-Stadion eine Rundfunkrede quasi vor dem gesamten Empire halten soll, zum verbalen Schockerlebnis.

Mit einer Starriege überwiegend britischer Schauspieler erzählt Regisseur Hooper in seinem zweiten Kinofilm die in weiten Teilen historisch verbürgte Geschichte Georges VI.: Helena Bonham Carter (als Gattin Elizabeth, spätere Queen Mum), Guy Pierce, Jennifer Ehle und - als Erzbischof von Canterbury - Derek Jacobi sind mit von der Partie. Die Produktion, die mit Geschmack den Stil der 30er Jahre zelebriert, verzichtet auf royalen Pomp. Stattdessen konzentriert sie sich kammerspielartig auf den originellen, tiefgründigen Schlagabtausch zwischen dem späteren König und seinem Sprachlehrer, den ihm die liebevoll resolute Elizabeth besorgt hat.

Dieser Lionel Logue (Geoffrey Rush) ist ein exzentrischer Australier - ein Möchtegern-Schauspieler, der darauf besteht, den hochwohlgeborenen Patienten in seinen theaterhaft heruntergekommenen Räumen zu behandeln und ihn etwas distanzlos "Bertie" zu nennen. Mit viel Sprachwitz und pointierter Körpersprache liefern sich der aristokratisch förmlich auftretende, zugleich warmherzig und leidend wirkende spätere König Firth und der urwüchsig und gewitzt agierende "Aussie" Rush herrliche Dialog-Schlachten. Dank unkonventioneller Methoden wie etwa dem Absingen "schmutziger Wörter" kommt Logue dem Problem auf den Grund: Kindheitsängste und das Aufwachsen in unemotionalen Verhältnissen führten bei Bertie dazu, dass er seiner eigenen Stimme nicht vertraut.

Die Stunde von dessen Bewährung schlägt am 3. September 1939, als er anlässlich der Kriegserklärung gegen Nazi-Deutschland zu seinem Volk ins BBC-Mikrophon spricht - nicht ohne seinen Lehrer Lionel im Blick zu haben, der ihm die Intonation wie ein Orchesterchef dirigiert. Im wahren Leben sollen die beiden ungleichen Buddies bis an ihr Ende befreundet gewesen sein.

Mit einfühlsamer Leichtigkeit nähert sich Hoopers Film so der Seele eines Menschen zwischen Thron und Trauma. Dabei zeigt er auch die Kluft zwischen den Gesellschaftsklassen im England jener Zeit - kritisiert die Zustände in der Monarchie allerdings nicht. Vor allem aber ist es die unglaublich beeindruckende und zutiefst bewegende Leistung von Colin Firth, die "The King's Speech" zu einem der sehenswertesten Filme des Jahres macht.

Ulrike Cordes, DPA / DPA