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24. Münchner Filmfest: Die Suche nach der Heimat

Keine oberflächliche Bussi-Bussi-Gesellschaft, nein, auf dem diesjährigen Münchner Filmfest zeigt man sich politisch mit engagierten Filmen, wie Hans Bierbichlers "Winterreise" mit Sibel Kekilli. Das Echo der anwesenden Filmprominenz war allerdings geteilt.

Filme über Krieg, Vertreibung und Heimatlosigkeit spielen dieses Jahr auf dem Filmfest München eine besondere Rolle. Den Auftakt machte bei der feierlichen Eröffnungsgala am Freitagabend der Münchner Jungregisseur Hans Steinbichler mit seiner zweiten Regiearbeit "Winterreise". Er erzählt darin die Geschichte eines manisch-depressiven Unternehmers, der vor dem Bankrott steht und in Kenia versucht, zu sich selbst zu finden.

Der Film stieß allerdings auf geteiltes Echo, da viele keinen richtigen emotionalen Zugang zu den Figuren finden konnten. Die Gäste, darunter viele prominente Schauspieler wie Heike Makatsch, Heino Ferch und Martina Gedeck, reagierten nach der Galavorstellung anfangs verhalten. Viel Applaus erhielt jedoch Joseph Bierbichler ("Hierankl") für seine hervorragende schauspielerische Leistung. In weiteren Rollen sind Sibel Kekilli ("Gegen die Wand") und der ehemalige Faßbinder-Star Hanna Schygulla ("Promised Land") zu sehen. Ende November soll der Film ins Kino kommen.

Um Suche nach Heimat geht es auch bei der iranischen Regimekritiker-Familie Makhmalbaf, deren Werke in einer Gesamtschau gezeigt werden. Insgesamt sind bis zum 22. Juli 250 Streifen zu sehen, darunter auch viele Musikfilme, Komödien und Liebesgeschichten.

Friedenspreis für "Das Leben der Anderen"

Zu den Ehrengästen zählen in diesem Jahr Filmgrößen wie Mike Figgis ("Leaving Las Vegas") oder Barry Levinson ("Wag the Dog"), der am Montagabend mit dem Cinemerit-Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird. Einen weiteren Preis bekommt der erfolgreiche Jungregisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der am Donnerstag für sein Spielfilm-Debüt "Das Leben der Anderen" gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Ulrich Mühe den Bernhard-Wicki-Friedenspreis des Deutschen Films erhält.

Kinderfilme erleben eine Renaissance

Nach Ansicht des Geschäftsführers des Filmfernsehfonds Bayern (FFF), Klaus Schäfer, ist der deutsche Film trotz der großen internationalen Konkurrenz wieder im Aufwind. "Es ist in der Tat so, dass die Leute wieder gerne in deutsche Filme gehen, das ist eine Parallele zum Fußball", sagte Schaefer der dpa anlässlich einer Feier zum zehnjährigen Bestehens des FFF. Vor allem Kinderfilme wie "Wilde Kerle" erlebten eine Renaissance und erreichten zum Teil mehr Zuschauer als US-Zeichentrickfilme.

DPA / DPA