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56. Deutscher Filmpreis: Stasi gegen Exorzismus

Bei der heutigen 56. Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin läuft alles auf ein Duell hinaus. "Das Leben der Anderen" über den DDR-Geheimdienst liegt mit elf Nominierungen knapp vor "Requiem" zehn Nominierungen.

Stasi-Thriller gegen Exorzismus-Drama: Bei der 56. Verleihung des Deutschen Filmpreises sieht es ganz nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen von Florian Henkel von Donnersmarck gegen Hans-Christian Schmid aus. Donnersmarcks "Das Leben der Andere" ist elf Mal nominiert, Schmids "Requiem" zehn Mal. Es geht dabei nicht nur um Prestige, sondern auch um viel Geld: Mit 2,845 Millionen Euro ist der Filmpreis der am höchsten dotierte deutsche Kulturpreis.

Insgesamt gibt es die Goldenen Lola, so der Name der begehrten Trophäe, in 15 Kategorien. In der Königskategorie "Bester Spielfilm" können sich neben den beiden Favoriten noch der Kassenschlager "Sommer vorm Balkon", "Paradise Now", "Knallhart" und "Komm näher" Chancen auf die begehrte Trophäe, die Goldene Lola, ausrechnen. Allein die Nominierung in dieser Kategorie ist mit jeweils 250.000 Euro dotiert. Der Sieger erhält noch einmal diese Summe.

2,845 Millionen Euro Preisgeld

Das Preisgeld stammt aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und muss für die Produktion neuer Filme verwendet werden. Donnersmarck schildert in "Das Leben der Anderen" die Geschichte eines Stasi-Hauptmanns, der ein Paar ausspioniert und sich dabei seiner eigenen Armseligkeit bewusst wird. Die Produktion wurde bereits im Januar mit vier Bayerischen Filmpreisen ausgezeichnet. Beim Deutschen Filmpreis ist er unter anderem noch in den Sparten Regie, Drehbuch, Schnitt, Bildgestaltung und Filmmusik nominiert.

"Requiem" hat fünf Chancen

Schmid erzählt in "Requiem" die authentische Geschichte einer jungen Frau in einem süddeutschen Dorf in den 70er Jahren, die vom Teufel besessen sein soll, der ihr grausam ausgetrieben wird. Für seinen bereits auf der Berlinale gefeierten Film kann sich Schmid unter anderem Chancen in den Kategorien Kostümbild, Tongestaltung, Drehbuch und Regie ausrechnen.

Künstleragentin Aussicht auf Ehrenpreis

Chancen auf die Lola für die beste Schauspielerin dürfen sich Inka Friedrich, Nadja Uhl (beide "Sommer vorm Balkon"), Berlinale-Gewinnerin Sandra Hüller ("Requiem") und Jasmin Tabatabai ("Fremde Haut") ausrechnen. Bei den Männern gehen Moritz Bleibtreu ("Elementarteilchen"), Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen") und Milan Peschel ("Netto") ins Rennen. Bereits bekannt ist, dass die Künstleragentin Erna Baumbauer für ihre Verdienste um den deutschen Film mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wird.

Verlierer steht jetzt schon fest

Großer Verlierer bei den Nominierungen war Oskar Roehlers "Elementarteilchen": Er fand weder in der Kategorie "Bester Film" noch in der als "Bester Regisseur" Aufnahme. So bleibt es Bleibtreu und Martina Gedeck vorbehalten, wenigstens in den Darsteller-Kategorien Preise zu erringen.

Geheime Abstimmung der Akademie

Die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis wurde zum zweiten Mal von der 2003 gegründeten Deutschen Filmakademie und ihren rund 700 Mitgliedern vorgenommen. Die Preisträger werden in ebenfalls geheimer Abstimmung von allen Akademie-Mitgliedern gewählt.

Bully moderiert Fernsehausstrahlung

Die Verleihung findet im Palais am Funkturm statt. Sie wird von Michael "Bully" Herbig moderiert und von der ARD am selben Abend zeitversetzt um 21.45 Uhr ausgestrahlt. Im vergangenen Jahr war Dani Levys Komödie "Alles auf Zucker" großer Sieger. Die Geschichte des Deutschen Filmpreises begann 1951. Damals räumte der Kästner-Klassiker "Das doppelte Lottchen" in allen Kategorien ab. Seitdem wird der Preis jährlich vergeben.

Holger Mehlig/DPA / DPA