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"Polizeiruf 110" aus Frankfurt/Oder Exorzismus, unbefleckte Empfängnis und anderer Hokuspokus

"Polizeiruf 110"
Szene aus dem "Polizeiruf 110": Die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) haben es mit einem religiösen Fanatiker zu tun.
© rbb/Arnim Thomaß / ARD
Der neue "Polizeiruf 110" aus Frankfurt/Oder verlässt den festen Boden der Vernunft und begibt sich in Regionen religiösen Wahns. Ein gefährliches Unterfangen.
  • 2 von 5 Punkten
  • Viel Weihrauch um (fast) nichts: Dieser "Polizeiruf 110" ist eine nebulöse Angelegenheit

Worum geht's?

Die 16-jährige Larissa ist ungewollt schwanger geworden - und auch unbefleckt, wie sie behauptet. Als die Ärzte eine Trisomie 18 diagnostizieren, will das Mädchen von einer Brücke springen - und wird von einem merkwürdigen jungen Mann gerettet. Er nennt sich Elias, denn er hält sich für den Propheten Gottes und das Kind für seinen Auftrag. Er wird noch ein weiteres Mal eingreifen: Er schleicht sich ins Krankenhaus ein und verhindert den Spätabbruch der Schwangerschaft, indem er das Kind aus dem Bauch der Mutter schneidet - das sich dann überraschenderweise als gesund erweist. Doch Larissa überlebt den Eingriff nicht - so nehmen die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) Ermittlungen auf. 

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Die Folge "Heilig sollt Ihr sein" erinnert daran, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir (noch) nicht erklären können. Und dass es nur wenige Kilometer östlich von Frankfurt/Oder ein Land gibt, in dem die Gottesfürchtigkeit sehr hoch ist.

Was stört? 

Dieser "Polizeiruf 110" spielt bewusst mit der Grenze des wissenschaftlich Erklärbaren - und versucht religiöse Fantasien als legitime Erklärungsmuster zu rechtfertigen. Gleich mehrfach werden Geschichten erzählt, die das Wirken göttlicher Kräfte bezeugen sollen. Ein Junge erweist sich als Wunderheiler, ein Mädchen wird unbefleckt schwanger, ein scheinbar krankes Kind wird gesund geboren: In der Häufung dieser Phänomene versucht "Heilig sollt Ihr sein" das wissenschaftliche Weltbild zu untergraben. Was schon in normalen Zeiten ein problematisches Unterfangen ist, erweist sich anlässlich der grassierenden Pandemie als brandgefährlich. Denn nicht Gott wird Corona besiegen, sondern Medizin und Forschung. Wer daran Zweifel sät, gefährdet Menschenleben. 

Die Kommissare?

Der religiöse Wahn macht auch vor Adam Raczeks Privatleben nicht halt: Nach fünf Jahren steht plötzlich seine Mutter vor seiner Tür. Die alte Frau leidet an Darmkrebs und will ihren Sohn noch einmal sehen. Von einem Arzt will sich die tief religiöse Frau nicht behandeln lassen: "Wenn Gott mich retten will, wird er einen Weg finden", sagt sie - und verklickert ihrem Sohn, dass er mit drei Jahren an einer schlimmen Darmentzündung litt, die erst durch eine Pilgerfahrt nach Lourdes geheilt werden konnte.

Ein- oder Ausschalten?

Viel zu viele Menschen ziehen derzeit gefühlte Wahrheiten den Fakten vor. Da braucht es nicht auch noch einen Sonntagskrimi über religiösen Wahn. Schalten Sie lieber aus. 

Zuletzt ermittelten Olga Lenski und Adam Raczek in diesen Fällen:


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