"Cheri" bei der Berlinale Die göttliche Michelle Pfeiffer


Michelle Pfeiffer ist über Jahre eine der großen Schönheitsikonen Hollywoods gewesen. Nun ist der Leinwandstar 50 und geht zum Angriff über. Auf der Berlinale zeigt Pfeiffer geradezu trotzig ihre Falten in dem wunderbaren Film "Cheri".
Von Sophie Albers

Wenn es um Michelle Pfeiffer geht, dreht sich immer alles auch um Schönheit. Die zierliche Frau mit dem ätherischen Blick, den gemeißelten Wangenknochen und dem Mona-Lisa-Lächeln ist eine Ikone des schönen Scheins. Da wirkt es wie ein Angriff nach vorne, dass die 50-Jährige nun in einem Film über eben dessen Verfall zu sehen ist. Und das auch noch unter der Regie des zynischen wie brillanten Spaßvogels Stephen Frears.

"Cheri" ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Colette aus dem Jahre 1920. Colette war eine französische Schriftstellerin der Belle Epoque, die das opulente Leben der Pariser Gesellschaft mit Intelligenz und Schärfe porträtierte. In der spielt auch diese Fabel des Überflusses: Léa, eine Kurtisane um die 40, beginnt eine Affäre mit dem 19-jährigen Cheri. Sie sind glücklich, doch um der zukünftigen Enkelkinder Willen heiratet der Junge ein Mädchen "angemessenen" Alters. Er hört auf die Konventionen und nicht auf sein Herz.

Auch wenn der junge Cheri die Hauptperson in diesem Gesellschaftsbild ist, sind in Stephen Frears' wunderbar leichter Tragödie alle Augen auf Léa gerichtet. Denn egal wie schön diese Frau auch ist, ihr fehlt die Jugend, die im Auge des Betrachters heute wie damals mit der Bewertung von Schönheit einhergeht. Das gilt sogar für Michelle Pfeiffer, deren strahlende Hülle das Publikum in Filmen wie "Gefährliche Liebschaften" oder auch latexüberzogen in "Batman" schier besoffen gemacht hat.

Doch was macht Pfeiffer? Sie hält dieses gealterte Gesicht, in das das Leben feine Geschichten geschrieben hat, erst recht in die Kamera. Starrt zurück in die Augen des Zuschauers, unzufrieden mit dem, was sie in dessen Blick findet.

Sie wolle sowieso weniger arbeiten

"Meine Filmpartner werden immer jünger, je älter ich werde. Gut für mich, ich habe da nichts gegen", sagt Pfeiffer und lacht, als sie auf der Berlinale ihren neuen Film vorstellt. Im schwarzen T-Shirt sitzt sie da und lächelt ihr Katzenlächeln. Doch, doch, Hollywood lasse einen älter werden, beschwichtigt sie ihr Publikum. Aber natürlich sei es auch wahr, dass es für Frauen ihres Alters weniger Rollen gebe. Sie wolle aber eh nicht mehr so viel arbeiten. Sagt es und streicht sich die blonden Locken zurecht.

"In der Vorstellung ist es immer schlimmer, als in der Realität", setzt sie nach und erntet Lacher über ihren 50. Geburtstag. Ihre Lippen kräuseln sich, Pfeiffer strahlt. Doch eigentlich ist es ein melancholisches Lächeln. Die Frau da vorne weiß sehr genau, dass sie, wie alle Menschen, mit dem Rücken zur Wand steht - auch wenn sie in die Offensive geht. Doch sie nimmt es offenbar gelassen: Altern sei das Beste, was einem passieren könne, zitiert sie ihren Kollegen Maurice Chevalier, "wenn man die Alternative bedenkt."


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