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Bob Hope: Amerikas berühmtester Komödiant ist tot

Er brachte die Amerikaner zum Lachen, unterhielt US-Truppen bei Einsätzen fern der Heimat und heimste Auszeichnungen ein wie kaum ein anderer. Der Entertainer Bob Hope ist im Alter von 100 Jahren gestorben.

Bob Hope, die Ikone des amerikanischen Humors, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Der Tod des fast vergötterten Komödianten, der am späten Sonntagabend in Kalifornien umgeben von seiner Familie einer Lungenentzündung erlag, löste tiefe Trauer unter seinen Landsleuten aus. Vor fünf Jahren war Hope schon einmal für tot erklärt worden: 1998 saß er beim Frühstück, als in Washington ein Abgeordneter den Kongress wegen des vermeintlichen Ablebens des amerikanischen Meisters des Witzes alarmierte. Hope ließ genüsslich ausrichten, er könne die Meldung nicht ganz glauben.

Zuletzt nur noch selten in der Öffentlichkeit

Seitdem ging es mit seiner Gesundheit langsam, aber unaufhaltsam bergab. In der Öffentlichkeit ließ sich der 1903 geborene Greis schon länger nicht mehr sehen. Als sich sein Geburtstag am 29. Mai zum 100. Mal jährte, mussten selbst die prominentesten Hope-Jahrhundert-Partys ohne den Fröhlichmacher der Nation auskommen. Dafür gab es aus dem Arsenal des großen Witzboldes, der ungefähr seit der Prohibition alle nennenswerten Ereignisse in der US-Geschichte humorvoll kommentiert hat, einen passenden Spruch: «Das Alter ist doch nur eine Zahl. Allerdings ist das in meinem Fall eine verdammt hohe Zahl.»

"Bürger des Jahrhunderts"

Auch als Hollywood ihn als «Bürger des Jahrhunderts» feierte und seinen Stern auf dem berühmten Walk of Fame neu einweihte, blieb er fern. Hope hatte sich schon vor zwei Jahren zurückgezogen und seine Tage fast nur noch in Toluca Lake, einer Wohnanlage für betuchte Golfer, gleich hinter Hollywoods Universal Studios verbracht. «Meinem Vater geht es seinem Alter entsprechend gut», sagte Hopes 63-jährige Tochter Linda noch im Mai. Rechtzeitig zum Jubiläum hatte sie gemeinsam mit dem Witz-Methusalem ein Buch herausgebracht: «Bob Hope: My Life in Jokes».

Trockener britischer Humor

Hope mag als der amerikanischste aller US-Komiker gelten, aber eine Portion des trockenen britischen Humors hat er wohl als Vierjähriger bei der Überfahrt im Gepäck gehabt. «England», witzelte er, «war der Schauplatz meines großartigsten Auftritts: Ich wurde dort geboren.» In die Neue Welt sei die verarmte Familie gegangen, «weil man herausfand, dass ich zu Hause nicht König werden konnte».

Anfangs Charlie-Chaplin-Imitationen

Schuhputzen, Zeitungen verkaufen, Boxen - das waren die ersten Jobs in Cleveland (Ohio), mit denen Bob als Schüler Geld verdienen musste. Beifall und manchmal gar eine Münze bekam er fürs Charlie-Chaplin-Imitieren. So entdeckte der Bursche mit der urkomischen Visage, aus der das Kinn weit hervorsticht und die Nase einer Ski-Schanze gleicht, seine Freude daran, Menschen fröhlich zu machen.

Einige Jahre tingelte er mit Varieté-Gruppen durchs Land. Er schaffte es, am Broadway kleinere Rollen in Musicals und Revuen zu bekommen. 1932 war er in New York bereits ein Operettenstar. 1935 hatte er eine eigene Radio-Blödelshow. Hollywood nahm den Komiker mit offenen Armen auf. Der Durchbruch zum Weltruhm kam dort 1940 mit «Road to Singapore», Auftakt einer ganzen Serie von Road-Movies, meist mit Bing Crosby als Partner. Insgesamt drehte Hope rund 70 Kinofilme.

Grundlage seiner Erfolge war harte Lacharbeit. Wie heilige Schreine wirken die beiden begehbaren Schränke in der Villa, die er mit der 93-jährigen Dolores bewohnt, seiner Ehefrau seit 69 Jahren. Die Schubladen sind mit tausenden Seiten gefüllt, dicht beschrieben mit Witzen. Hope arbeitete nach einem peniblen System alle eigenen und fremden Gag-Ideen mehrfach durch, prüfte wieder und wieder den Heiterkeitseffekt.

Bekennender Republikaner

Sein Spott machte vor niemandem halt: «Präsident Nixon versteht was von China. Er kann beim Chinesen ohne Karte bestellen.» Doch der bekennende Republikaner, für den Amerika Gottes eigenes Land ist, blieb mit der Präsidentenkritik stets im patriotischen Rahmen. Im Zweiten Weltkrieg, am Weihnachtstag 1941, begann Hope seine ehrenamtliche Karriere als Truppenunterhalter. Die Tradition hielt er mehr als 50 Jahre aufrecht; ein Kriegsschiff ist nach ihm benannt.

17-maliger Oscar-Moderator

Mit seinem Tod dürfte die Hope-Mania erneut ausbrechen. Reisebüros boten schon zum 100. Geburtstag Pilgertouren zu den Wirkungsstätten. TV-Sender brachten Filme und Shows unter dem Motto «100 Years of Hope and Humor». In unzähligen Büchern wird kein Hope Fact ausgelassen: 17 Mal hat Bob die Oscars moderiert. Vier Mal hat er einen Ehren-Oscar bekommen. Ihm gehörten fast 50 Ehrendoktorhüte, obwohl er nie eine Uni besuchte. Deutsche Fernsehsender wollten am Montag allerdings nicht ihr Programm ändern.