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Palm Springs: Die Wüste lebt!

Palm Springs, die Oase in der kalifornischen Wüste, hat sich vom Paradies für Golf-spielende Senioren zu einer lebendigen, ja fast hippen Stadt entwickelt. Sein Flair des relaxten Nichtstuns hat PS trotzdem nicht verloren.

Von Helmut Werb, Los Angeles

Palm Springs hat mehr Inkarnationen hinter sich als ein Schmetterling mit lausigem Karma. Von der Krankenstation für lungensüchtige Kalifornier über die Spielwiese der Frank Sinatras, Marylin Monroes und Bob Hopes, oder dem Golf-El Dorado für fußlahme Senioren in karierten Hosen bis hin zum Sammelplatz aller sonnenhungrigen Schwulen der amerikanischen Westküste.

Doch vorbei sind die Zeiten, als Palm Springs als das flächenmäßig größte Altersheim der Welt durchgehen konnte. Zwar räsoniert der alte Wahlspruch "Be gay or gray" ("Sei schwul oder silberhaarig") immer noch ein wenig in den quirligen Einkaufsstrassen und Bars von "PieEss", aber in den letzten Jahren hat sich die ehemalige Wüstenoase, in der um Punkt Neun die Gehwege hochgeklappt wurden, in ein hippes Städtchen mit regem - und durchaus heterosexuellem - Treiben verwandelt. Angestoßen hatte den letzten Wandel der ehemalige - und leider bei einem skurrilen Ski-Unfall tödlich verunglückte - Bürgermeister Sonny Bono, der das schläfrige Nest, das eigentlich aus sieben unterschiedlichen Gemeinden besteht, in eine vibrierende Resort-Metropole konvertieren wollte.

Von allem ein bisschen

Bonos lebensgroße Statue schmückt heute den Canyon Drive, die laut-bunte Einkaufsmeile in Palm Springs, und sein Geist hat sowohl den Einfall meist volltrunkener Studenten während des "Spring Breaks" überlebt, jenes all-frühjährlichen Saufgelages amerikanischer College-Studenten, das Bono schlichterweise verbieten ließ, als auch den Angriff aggressiver Indianer-Häuptlinge, die die Wüsten-Oase in ein großflächiges Zocker-Paradies mit einem Kasino neben dem anderen verwandeln wollten.

Glück gehabt, könnte man sagen, denn hängen geblieben ist - "all of the above" - von allem ein bisschen. Palm Springs hat immer noch die besten Schönheitschirurgen für wohlhabende Geriatriker, eine schräg-bunte Galleristen- und Nightclub-Szene für den einsamen Hollywood-Frisör im Wochenendurlaub, und ein oder zwei prächtige Kasinos sind es durchaus wert, sich das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen.

Exzellent, entspannt und hipp

Kommt mit dem famosen Paseo Drive ein Shopping District dazu, der es mit dem Rodeo Drive in Beverly Hills oder Wynn's Traumpalast in Las Vegas aufnehmen kann. Donnerstagabends verwandelt sich der Canyon Drive in einen lustigen Straßenmarkt mit einem Lebensweisheiten verteilenden Rabbiner. Auch die Auswahl an sehr anständigen Restaurants, Lounges und Bars hat sich gebessert. Vom Spencer's des Schweizer Meisterkochs Urs Balmer und dem Café at the Lodge at Rancho Mirage, das trotz des zungenbrecherischen Namens eigentlich kein Cafe ist, sondern ein exzellentes und sehr entspanntes Open Air Restaurant, bis hin zur hippen Fall's Martini Bar und der Lounge im Parker Palm Springs Hotel, dem Treffpunkt der Palm Springs-Trendies.

An superben Hotels hat es Palm Springs noch nie gemangelt, und heute bieten über 270 Herbergen Übernachtungsmöglichkeiten in allen Preisklassen an. Herausragend: die Lodge at Rancho Mirage für Luxus-Liebhaber, das Parker Palm Springs für anspruchsvolle Design-Metropolisten oder dem Orbit und dem Movie Colony Hotel, liebevoll restaurierte 50er-Jahre Absteigen, im Falle des Movie Colony sogar mit dem Anspruch, vom Star-Archtitekten Neutra entworfen zu sein.

Schwitzen en masse

Und dann gibt's natürlich noch Golf! Bei meiner letzten Zählung konnte man auf 111 Golfplätzen abschlagen, von preiswerten (und trotzdem schönen) Anlagen bis hin zu edelsten Golfballvernichtungsmaschinen wie dem PGA West Stadium Course, dem wohl berühmtesten und berüchtigtsten Platz in Palm Springs. Wer mehr Adrenalin-fördernde Aktivitäten bevorzugt, schwitzt auf einem der über 600 Tennisplätze, mietet sich Mountainbikes - besonders Abenteuerlustige auch einen Sand-Buggy - und donnert durch das zum Teil sehr bergige Terrain. Jeep Touren erforschen die sandige Umgebung, ein Tagesausflug in den nahen Yoshua Tree National Forest oder in die wilden Canyons der Gegend lohnt immer. Die Palm Springs Aerial Tramway bringt einen in nur 10 Minuten auf fast 3000 Meter hohe Gipfel.

Was sonst noch? Polo, Bergsteigen, Segelfliegen, Heißluftballon, Wüsten-Safaris, Reiten - es gibt fast nichts, was man in PS nicht unternehmen könnte. Das Wetter spielt - mit wenigen Ausnahmen - immer mit: an 350 Tagen im Jahr scheint die Sonne, im Sommer erreichen die Temperaturen zum Teil deutlich über 40 Grad Celsius, im Winter fällt tagsüber die Temperatur kaum unter die 18 Grad-Marke.

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