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Dani Levys "Das Leben ist zu lang" Mit "Mo-ha-ha-med" scherzt man nicht


Ein Film über den Karikaturenstreit ist ein heißes Pflaster. Doch Regisseur Alfi Seliger ist von seiner Idee überzeugt - er will die Feigheit der Kulturschaffenden bloß stellen. Was für den krisengeschüttelten Regisseur in Dani Lavys neuer Komödie dabei herumkommt, hat indes nicht mehr viel mit der Ursprungsidee gemein.

Regisseur Alfi Seliger hat schon seit Jahren keinen Film mehr zustande gebracht. Wie sauer Bier bietet er auf einer glamourösen Filmparty Promi-Schauspielern und potenziellen Geldgebern sein neues Drehbuch an. Tatsächlich interessiert sich die Gattin eines bekannten Produzenten für sein Manuskript. Doch dann geht in Dani Levys neuer Komödie "Das Leben ist zu lang", die am 26. August startet, für seinen wuseligen Antihelden der Ärger erst richtig los.

Die meisten Filmemacher kommen irgendwann in ihrer Karriere an einen Punkt, an dem sie sich selbst und ihre stressige Berufung bespiegeln wollen. Anders als Alfi Seliger ist Dani Levy zwar ein erfolgreicher Regisseur, der zuletzt mit der Hitler-Satire "Mein Führer" gute Kritiken erntete. Man darf aber darüber spekulieren, wie autobiografisch eine Komödie gemeint ist, in der Levis eigene Tochter Seligers nervigen Nachwuchs spielt und in der Hauptdarsteller Markus Hering (zuletzt in "Whisky mit Wodka" zu sehen) als Levys Double hergerichtet ist. Seliger stellt in seiner tiefsten Verzweiflung denn auch den Regisseur seines Daseins zur Rede - Dani Levy.

Das Leben als schlechtes Drehbuch

Ist das Leben nur ein schlechtes Drehbuch, das dringend eine Überarbeitung braucht? Die Idee ist von der "Truman Show" geklaut, und am Ende verdichtet sich der Verdacht, dass entweder Seliger oder seine Umgebung nicht richtig tickt. Der zerzauste Egomane erscheint als "Nebbich", als Loser und moderner Sisyphus, der sich unaufhörlich an den Realitäten - Ökonomie, widerborstige Mitmenschen, der eigene Charakter - reibt. Am Ende nehmen seine beruflichen und privaten Probleme derart überhand, dass er Selbstmord begehen will.

Seliger will mit "Mo-ha-ha-med" einen Film über den Karikaturenstreit drehen - ein ebenso löbliches wie gefährliches Unterfangen. Die Kompromisse, die er mit seinen Finanziers ausfechten muss - TV-Produzenten werden als besonders schleimige Typen präsentiert - rauben ihm jedoch den letzten Nerv. Und zwischen Streiflichtern auf Banken- und Ehekrise, auf zickige Schauspieler, Mama und gar auf eine angedeutete Vater-Enthüllung geht das filmische Anliegen, die Kritik an der Feigheit der Kulturschaffenden, an Selbstzensur und Bedrohung der Meinungsfreiheit, glatt unter.

Gut gelaunte Selbstbespiegelung von Stars und Sternchen

Dafür gibt's reichlich Stars und Sternchen zu sehen: Gottfried John zum Beispiel fungiert als "Georg Maria Stahl", Meret Becker als Seligers geplagte Gattin, Elke Sommer als dominante jüdische Mamme. Veronica Ferres gibt eine offensive russische Über-Frau und Yvonne Catterfield die engelhafte Jungschauspielerin. Der unvermeidliche Udo Kier spielt Seligers freakigen Therapeuten. Man merkt allen Beteiligten an, dass sie viel Spaß bei der hysterischen Selbstbespiegelung des doch recht überschaubaren deutschen Filmbusiness hatten.

Der Zuschauer jedoch bleibt angesichts vieler abgesoffener Gags ratlos zurück. Neben gelungenen Pointen herrschen zu oft schrille Klischees vor, die mit schleppendem Timing ausgewalzt werden. So kommt Levis Filmemacherkomödie zwischen Klamotte, Woody-Allen-hafter Selbstsabotage und Promi-Spotting nie auf einen grünen Zweig. Besonders abtörnend ist die fortwährende Beschwörung von Humor als Lebenselixier einer freien Gesellschaft. Wer mit erhobenem Zeigefinger über Humor redet, ist ein todsicherer Killer desselben.

Birgit Roschy, APN APN

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