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"Mein Führer": Hitler als Fall für den Seelenklempner

An eine Komödie über Hitler für ein breites Kinopublikum hat sich in Deutschland noch keiner herangewagt. In "Heil Hitler" stellt Regisseur Dani Levy den kaltblütigen Diktator als einen von Selbstzweifeln geplagten Versager dar.

Von Kathrin Buchner

Hitler im Trainingsanzug. Hitler im Nachthemd. Hitler in der Badewanne. Hitler beim Blümchensex mit Eva Braun: "Ich spür nichts, Herr Führer" - "Dann muss ich wohl größer werden". Regisseur Dani Levy, der auch das Drehbuch geschrieben hat, geht in seiner Führer-Komödie Adolf Hitler an die Wäsche, reißt ihm die Uniform vom Leib. Im Berlin Ende 1944 kommt zum Vorschein: Ein von Selbstzweifeln geplagter, unsicherer und ziemlicher verklemmter Mann, der genauso am Ende ist wie das Reich, für das er Millionen Menschen getötet hat.

Es ist nicht so, dass man diesen Umstand bei der Betrachtung von Dani Levys Komödie vergessen könnte. Man sieht verängstigte, ausgemergelte Juden im KZ, man sieht den Schauspieltrainer Grünbaum unter der Dusche nachdem er von Goebbels aus Sachsenhausen geholt wurde, und eine Schrecksekunde hält man inne, weil man Gas statt Wasser erwartet.

Angst vor der eigenen Courage

Doch leider wirkt die Komödie, als ob die Macher Angst vor der eigenen Courage bekommen hätten. Zu wenig Slapstick, zu wenig Tempo, zu wenig Absurdität, zu nah an der Realität sind Dialoge und Darstellung. Zu harmlos, nicht absurd und subversiv genug. Eine Spur mehr Courage, mehr abgedrehter Monty-Python-Humor hätten gut getan. Stattdessen entwickeln sich die Gags quälend langsam, was vor allem an den Dialogen, weniger an den schauspielerischen Leistungen der Darsteller liegt.

Zwei Dinge haben Levy für seine Hitler-Satire inspiriert: Einerseits die historische Tatsache, dass Hitler tatsächlich von einem jüdischen Schauspiellehrer trainiert wurde, andererseits das Buch der amerikanischen Psychologin Alice Miller "Am Anfang war Erziehung", worin es ein Kapitel über Hitlers Kindheit und die "schwarze Pädagogik" jener Zeit gibt.

So sieht man vor allem einen zutiefst gebrochenen Führer (wunderbar imitiert von Helge Schneider) mit schlaff herabhängenden Schultern und Tränensäcken unter den Augen, einen heulenden Hitler, der auf der Couch von den Demütigungen seines Vaters erzählt, "ich bin Bettnässer, drogenabhängig, ich wurde vom Vater gequält". Gelegentlich entwickelt sich eine spontane Komik "der Vater meines Vaters soll Jude gewesen sein", darauf der jüdische Schauspielertrainer Grünbaum: "Das tut mir leid".

Während Hitler mehr und mehr zerstört auf allen Vieren bellend auf dem Boden kriecht, findet man als Zuschauer noch ein wenig Belebung in der zynisch-arroganten Art von Goebbels (Sylvester Groth), der als hinkender Bonvivant fleißig Sekretärinnen vernascht und den Aufstand hinter dem Rücken des sowieso nicht mehr ganz zurechnungsfähigen Führers plant. Am Ende versagt auch noch Hitlers Stimme - was Schauspielerlehrer Grünbaum (herrlich verhalten Ulrich Mühe) die Gelegenheit gibt, eine couragierte Rede gegen das Dritte Reich zu halten. Zuviel Gutmensch-Attitüde für eine schwarze Satire.