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Emmy-Verleihung Als erste Deutsche holt sie den TV-Oscar für Regie: Das ist Maria Schrader

Sehen Sie im Video: Maria Schrader gewinnt als erste Deutsche einen Regie-Emmy.


Die Verleihung der wichtigen US-Fernsehpreise "Emmys" waren in diesem Jahr stark von der Corona-Pandemie geprägt. Moderator Jimmy Kimmel war zwar vor applaudierenden Zuschauern zu sehen. Diese Bilder kamen aber aus dem Vorjahr. Die Preisträger und Nominierten waren nicht anwesend, sondern wurden zugeschaltet. Und so war Kimmel in Los Angeles ziemlich auf sich alleine gestellt. Mit dem Emmy für die beste Regie bei einer Miniserie wurde die deutsche Regisseurin Maria Schrader ausgezeichnet. Geehrt wurde sie für die vierteilige Serie "Unorthodox", die auf der Streamingplattform Netflix läuft. Darin erzählt wird die Geschichte einer jungen Jüdin, die aus ihrer ultra-orthodoxen New Yorker Gemeinde nach Berlin flüchtet. "Es sind nicht so viele deutsche Regisseure für diese Kategorie nominiert worden. Es war eine monatelange, überwältigende Reise seitdem die Serie veröffentlicht wurde. Wie haben eine solche Reaktion nicht erwartet, so viel Liebe. Wir haben nicht gedacht, dass die Show so um die Welt reisen würde. Obwohl wir gefühlt haben, dass die Geschichte sehr universal ist, was wir so gut es geht angehen wollten." Die meisten Emmys des Abends gingen an die Produzenten und Schauspieler von "Watchmen". Sie wurden unter anderem mit dem Preis für die beste Miniserie ausgezeichnet. Insgesamt gewann "Watchmen" elf Preise. Die auf einem gleichnamigen Comic basierende Serie im US-Bezahlsender HBO dreht sich um aktuelle Themen wie Rassismus und Polizeigewalt. Zu den Abräumern gehörte auch die Dramaserie Succession, in der es um die kaputte Familie eines Medienmoguls geht. In den Comedy-Kategorien räumte die Serie Schitt´s Creek ab. Darin geht es um eine extravagante Familie, die nach Problemen mit den Steuerbehörden in ein kleines Dorf zieht. Der Emmy-Award ist der wichtigste Fernsehpreis der USA.
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Große Ehre für Maria Schrader: Die Deutsche wurde für ihre Regie bei "Unorthodox" mit dem Emmy gekrönt. Die Mini-Serie erzählt aus dem Leben einer Jüdin - für Schrader so etwas wie ein Lebensthema.

Keine Limousinen fuhren vor, es gab keinen roten Teppich und auch sonst war bei der Emmy-Verleihung am Sonntagabend alles anders als sonst. Das wird die Freude von Maria Schrader nicht getrübt haben: Die 54-Jährige gewann als erste Deutsche einen TV-Oscar für Regie. Sie wurde für ihre Arbeit an der auf Netflix veröffentlichten Miniserie "Unorthodox" ausgezeichnet. 

Ein ungewöhnlicher Erfolg für eine Frau, die eigentlich als Schauspielerin bekannt wurde. Ihre ersten Filmerfahrungen sammelte Schrader ab 1989 in Filmen von Dani Levy ("Alles auf Zucker"), mit dem sie auch privat mehrere Jahre liiert war. Schnell fiel ihr Talent auf: Für ihre Rolle in Doris Dörries "Keiner liebt mich" erhielt sie 1994 den Bayerischen Filmpreis sowie den Bundesfilmpreis.

Als "Jaguar" wurde Maria Schrader bekannt

Ihren Durchbruch bei einem breiten Publikum feierte sie 1999 für ihre Rolle in "Aimée & Jaguar". In dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Film über eine Liebe zweier Frauen in der NS-Zeit spielte Schrader eine Jüdin - und wurde für diese Rolle mit dem Silbernen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet.

Schrader hatte ihr Lebensthema gefunden: Auch in Dani Levys "Meschugge" (1998) und in "Rosenstraße" (2003) verkörperte sie jüdische Frauen. Vor allem aber beschäftigte sie sich in ihren Regiearbeiten mit den verschiedenen Facetten jüdischen Lebens. 2007 verfilmte sie Zeruya Shalevs Bestseller "Liebesleben" - eine Amour fou, die im heutigen Israel spielt.

"Vor der Morgenröte" (2016) beschäftigt sich dagegen mit den letzten Lebensjahren des Schriftstellers Stefan Zweig, der seine Heimat Europa auf der Flucht vor den Nazis verlässt und sich in Südamerika niederlässt, wo er jedoch an seiner Entwurzelung leidet und sich 1942 schließlich das Leben nimmt. Der Film brachte ihr den Bayerischen Filmpreis und den Europäischen Filmpreis ein. 

"Unorthodox" spielt in Berlin

Wenig überraschend ist auch ihre dritte Regiearbeit eine jüdische Geschichte. Die Netflix-Miniserie "Unorthodox" basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Buch von Deborah Feldman. Die gebürtige New Yorkerin beschreibt darin ihre Kindheit und Jugend in einer ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft - sowie ihren Ausbruch aus diesem Leben. 

Die vierteilige Serie spielt zu großen Teilen in Berlin, wo Feldman heute lebt. In Deutschland erhielt sie überwiegend positive Besprechungen, es gab jedoch auch kritische Stimmen: Die Verfilmung bediene vereinzelt antisemitische Klischees, dazu würde sie ein banalisiertes und verkitschtes Bild der Stadt Berlin zeichnen.

Bei der Vergabe der Emmys spielte derlei Kritik offenbar keine Rolle. Und so darf sich Maria Schrader über eine ganz besondere Ehrung freuen: Als erste deutsche Regisseurin wurde sie mit dem Fernseh-Oscar gekrönt.

che

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