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Haußmann und Herbig stellen "Hotel Lux" vor: Wenn Bully den Hitler macht

Schenkelklopfer-König Michael Bully Herbig hat in Berlin seinen neuen Film vorgestellt: Die Tragikomödie "Hotel Lux" von Leander Haußmann. Eine nicht unproblematische Mischung.

Von Sophie Albers

Filmschaffende wie Kritiker müssen immer wieder lernen, dass ein guter Film mehr als die Summe seiner Einzelteile ist. Wie bei einem Pott guter Suppe kommt es auf die Magie des Zusammenspiels an. So lässt sich über Leander Haußmanns neuen Film sagen: tolles Thema, tolle Darsteller, aber irgendwie fehlt etwas Salz.

Am Dienstag haben Michael Bully Herbig, Leander Haußmann, Thekla Reuten und Jürgen Vogel in Berlin "Hotel Lux" vorgestellt. Eine aberwitzige Tragikomödie, die Stalin die Hosen runterzieht, wie Dani Levy es einst in "Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" mit Hitler gemacht hat. Allerdings war Levy mutiger als Haußmann.

Wo Ulbricht und Wehner hausten

Bully spielt Hans Zeisig, einen unpoltischen jüdischen Komiker im Berlin der 30er Jahre, der mit einer Hitler-Stalin-Parodie Erfolge feiert, bis er vor den Nazis nach Moskau fliehen muss. Dort landet er ausgerechnet im berüchtigten Hotel Lux. Das Lux ist ein historisch verbürgter Ort, wo deutsche Kommunisten vermeintlich Zuflucht fanden, und wo die Stalinisten gefoltert und gemordet haben. Ein Auffangbecken, in dem auch Ulbricht, Pieck und Wehner im Sieb lagen.

Es beginnt eine klassische Verwechslungskomödie: Zeisig trifft letztlich auf Stalin, weil er für strategisch wichtig gehalten wird, und es beginnt ein Versteckspiel der Identitäten. Nazis, Kommunisten, Trotzkisten, Stalinisten und die, die immer nur versuchen, das Fähnchen gerade in den kräftigsten Wind zu halten. Jürgen Vogel spielt Zeisigs besten Freund, Meyer, überzeugter Kommunist, der ebenfalls im Lux strandet. Und dann ist da natürlich noch eine schöne Frau.

Das unbequeme Hitlerkostüm

Die Grundidee stamme von Helmut Dietl, eröffnet Haussmann, der hinter einer dicken schwarzen Brille lauert. Es habe mehrere Drehbuchfassungen gegeben, erst sein Buch habe Bully schließlich zum Mitspielen bewegt. Die Frage, wie sie sich in den Hitler- und Stalin-Kostümen gefühlt hätten, beantworten Vogel und Bully lachend: Bequem sei das nicht, sagt Bully. "Ich renn' wirklich nicht gern nachts als Hitler über den Ku'damm." Bully wirkt an diesem Dienstag ein bisschen müde, und ein bisschen getragen stützt er das Gesicht auf eine Hand mit schwerem Siegelring am kleinen Finger. "Der Schuh des Manitu" und "Wickie" sind gerade ganz weit weg. Aber das will er ja auch.

Keine Lubitsch-Komödie

Dann geht es auch schon um die historische Verantwortung, was man denn nun wie darstellen darf, und da kommt der fehlende Mut ins Spiel, der "Hotel Lux" von Filmen wie "Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" oder auch "Inglourious Basterds" unterscheidet, die mit deutlich mehr Chuzpe ans Thema gehen. "Hotel Lux" starrt im entscheidenden Augenblick immer ein paar Sekunden zu lange aufs Drama, was das für die gute Komödie entscheidende Timing immer wieder zerstört. Da klingt der Satz: "Wenn der Film die Menschen dazu bringt, sich über die Zeit zu informieren, haben wir viel erreicht" wie ein ödes Alibi.

Dabei macht es die Figur des Zeisig eben so menschlich und universell, dass Bully ihn naiv-dämlich durch die Weltgeschichte stolpern lässt, so wie es wohl den meisten Menschen ging und geht.

Die angenehme Überraschung des Films wie der Pressekonferenz ist die holländische Schauspielerin Thekla Reuten, die zuletzt neben George Clooney in "The American" zu sehen war. Ihre Frida ist fulminant. Und Reuten sagt vor versammelter Presse sehr entwaffnend, dass sie gar nicht gewusst habe, wer Ulbricht überhaupt war. Sie spricht von der Absurdität des Grauens, die diesem Hotel innegewohnt habe. Und sofort wird man ein bisschen milder gegenüber der deutschen Umständlichkeit. Die Ausstattung von "Hotel Lux" ist tatsächlich beeindruckend. Aber es ist eben kein Lubitsch-Film geworden, dem das Werk sichtlich nacheifert.

"Sie können etwas erwarten, was sie nicht erwartet haben", sagt Bully. Aber hat damit eben nur zur Hälfte Recht.

"Hotel Lux" kommt am 27. Oktober ins Kino