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DDR-TV: Vom "Kessel Buntes" bis zum "Schwarzen Kanal"

Das politische Sendungsbewusstsein gehörte vom Beginn an zum Programmauftrag. Am 21. Dezember 1952 ging in den neuen Studios in Berlin-Adlershof erstmals der DFF mit der "Aktuellen Kamera" in den Äther.

Es war wohl die folgenreichste Sendung des DDR-Fernsehens, aber auch Anfang vom Ende der realsozialistischen Mattscheibe: Als am 9. November 1989 Günter Schabowski aus der Politbüro-Sitzung in Ost-Berlin vor die Kameras tritt und im Nebensatz die Reisefreiheit für DDR-Bürger verkündet, kleben Millionen Menschen in Ost und West an ihren Geräten. Wenige Stunden später ist die Mauer offen, fast zwei Jahre danach wird der «Deutsche Fernsehfunk» (DFF) ausgeschaltet. Ausgerechnet über jenes Medium, mit dem die DDR-Oberen seit fast 40 Jahren im ideologischen Grabenkrieg die Überlegenheit ihres Systems ausmalten, wurde der Niedergang des Staates eingeläutet.

Das politische Sendungsbewusstsein gehörte vom Beginn an zum Programmauftrag. Als am 21. Dezember 1952 aus den neuen Studios in Berlin-Adlershof erstmals der DFF mit der "Aktuellen Kamera" in den Äther geht, feiert Josef Stalin in Moskau seinen 73. Geburtstag. Die regulären Sendungen beginnen erst 1956 und so geht die DDR zunächst versuchsweise mit Vorträgen und Bildung, Spielfilmen und Dokumentationen in den elektronischen Konkurrenzkampf mit dem Westen.

Doch nicht alles ist Ideologie. Vor Beginn des regulären Betriebs im Januar 1956 mit zwei Stunden pro Tag zeigt das DDR-TV künstlerisch ambitionierte Eigenproduktionen. Die SED hat das Fernsehen noch nicht als Massenmedium entdeckt und gönnt den Machern etwas Freiraum.

Das ändert sich mit dem VI. Parteitag. Nun soll dem Fernsehen eine zentrale Rolle in der auf Befriedigung von Konsumbedürfnissen ausgerichteten «neuen Planwirtschaft» zukommen. Bis dahin wird der Weg noch steinig sein. Noch immer sendet die "Aktuelle Kamera" mangels bewegter Bilder vor allem aktuelle Standfotos. Die politische Kontrolle der TV-Nachrichten wird trotzdem verschärft. Über ein "rotes Telefon" können sich die ZK-Mitglieder, so wird berichtet, jederzeit in den Sendeablauf einschalten.

1960 gibt es in der DDR eine Million Fernsehgeräte. Am 20. Jahrestag der Gründung der DDR beginnt der DFF mit der Ausstrahlung eines 2. Programms, zugleich gibt es erste Farbsendungen. 1972 erreichen die Sendeanlagen erst die Hälfte des DDR-Gebietes. Doch nur wer kein West-Fernsehen empfangen kann, lebt im "Tal der Ahnungslosen". Mit einer Programmreform wirft die SED Ende der 80er Jahre ideologischen Ballast ab. Die "Aktuelle Kamera" wird politisch abgerüstet, der sozialistische Alltag kommt nun eher verspielter im "Polizeiruf 110" oder in "Der Staatsanwalt hat das Wort" vor. Eigenproduktionen müssen mit ausländischen Filmen konkurrieren.

Die politischen Veränderungen im Herbst 1989 erreichten auch das Fernsehen: "Diese Sendung wird nach fast 30 Jahren die kürzeste sein - nämlich die letzte", kündigt wenige Monate nach der Wende der bestgehasste Journalist der DDR, Karl-Eduard von Schnitzler, sein eigenes berufliches Ende und das seines "Schwarzen Kanals" an. Anfang 1992 übernehmen die ARD-Landesrundfunkanstalten das Programm. Auf einige Sendungen aus DDR-Zeiten müssen die Ostdeutschen aber nicht verzichten: Die "Sandmännchen" gibt es ebenso noch wie den "Polizeiruf 110". Die einst beliebte Unterhaltungsshow "Ein Kessel Buntes" ist allerdings aus dem Programm verschwunden.