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Deutscher Filmpreis: Die Lola lacht

Wenn im Berliner Tempodrom der Deutsche Filmpreis, die Lola, verliehen wird, sonnt sich die deutsche Film- und Fernsehprominenz im Glanz ihrer jüngsten Erfolge.

Es geht um die "deutschen Oscars" und um viel Geld: Am Freitag wird in Berlin der 54. Deutsche Filmpreis, die mit drei Millionen höchstdotierte nationale Kulturauszeichnung, verliehen. Zu den Favoriten beim Rennen um die Lola gehören der Berlinale-Gewinner "Gegen die Wand" von Fatih Akin und "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann. Die hiesige Filmwelt ist nach dem sensationellen Erfolg in Berlin und dem hochgelobten Auftritt in Cannes selbstbewusst. "Wir erleben im Moment einen großen Aufbruch in der Filmbranche", sagt Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos).

So spektakulär wie im vergangenen Jahr, als Wolfgang Beckers DDR-Tragikomödie "Good Bye, Lenin!" gleich neun Lolas abräumte, wird es diesmal im Tempodrom aber wohl nicht zugehen. Das türkisch-deutsche Liebesdrama "Gegen die Wand" ist vier Mal nominiert: Auch die Hauptdarsteller Birol Ünel und Sibel Kekilli dürfen sich Hoffnungen machen. Für Kekilli wäre eine Auszeichnung nach den vielen negativen Schlagzeilen über ihre Zeit als Pornodarstellerin sicherlich ein Balsam.

"Das Wunder von Bern" bekommt viel Aufmerksamkeit

Passend zur derzeit laufenden Fußball-Europameisterschaft dürfte auch "Das Wunder von Bern" über den deutschen Sieg bei der WM 1954 viel Aufmerksamkeit bekommen. Außer Wortmanns Film gehen "Herr Lehmann" von Leander Haußmann und "Wolfsburg" von Christian Petzold in drei Kategorien an den Start. Zu den sechs Kandidaten für den besten Film gehören neben den bereits erwähnten Streifen auch starke kleinere Produktionen wie "Kroko" (Sylke Enders) und "Muxmäuschenstill" (Marcus Mittermeier).

In der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" konkurrieren neben Kekilli Nina Hoss ("Wolfsburg") und Johanna Wokalek ("Hierankl"). Ünel tritt in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" gegen Josef Bierbichler ("Hierankl") und Horst Krause ("Schultze gets the Blues") an. Auffällig ist, dass mit Bierbichler, Hoss und Fritzi Haberlandt einige hochgelobte Theaterschauspieler erfolgreich waren. Haberlandt ("Liegen lernen") ist wie Katja Danowski ("Herr Lehmann") und Johanna Gastdorf ("Das Wunder von Bern") für die beste Nebenrolle nominiert. Bei den Männern sind dort Detlev Buck ("Herr Lehmann"), Fritz Roth ("Muxmäuschenstill") und Hinnerk Schönemann ("Kroko") im Rennen.

"Eigenwillige, authentische Geschichten"

Kulturstaatsministerin Weiss lobt die jungen Filmemacher, die mit "eigenwilligen, authentischen Geschichten in die Kinos streben und ihr Publikum finden". Ein Gewinner aus der alten Garde steht schon fest: Der Schauspieler Mario Adorf (73) wird für herausragende Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet. Ein Ehrenpreis geht an "Lost in Translation" von Sofia Coppola als bester ausländischer Film. Dieses Jahr wählt zum letzten Mal eine zwölfköpfige Jury die Preise aus, 2005 soll dies wie bei den Oscars eine Akademie übernehmen - die neugegründete Deutsche Filmakademie.

Die Moderatoren der Gala sind die Schauspielerin Jessica Schwarz, die Freundin von Daniel Brühl, und Fernsehmann Ulrich Wickert. Die Show wird zum ersten Mal live im Bezahlsender Premiere übertragen. Im vergangenen Jahr fanden einige Kritiker, dass die Veranstaltung mit ihren vielen Ostalgie-Elementen zu sehr für "Good Bye, Lenin" Partei ergriff. Dass dieses Jahr Fußballtore im Tempodrom aufgebaut werden, ist aber nach Veranstalterangaben ausgeschlossen.

Caroline Bock, DPA / DPA